Mephisto Academy

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Übersicht

Nachdem Mephisto in dieser Baureihe bereits mit dem Mephisto Monte Carlo, Mephisto Monte Carlo IV und der Sonderedition Mephisto Monte Carlo IV LE Erfolg hatte, ist der Mephisto Academy das letzte Modell dieser formschönen kleinen Holzgeräte mit Edelholz-Magnetsensorbrett.

Mephisto Academy
Hersteller Hegener & Glaser Jahr: 1989
Elo 1981 Preis 998 DM (500 €)
Programmierer Schröder, Ed BT-2450 1897
Prozessor 65C02 BT-2630 1919
Prozessortyp 8 Bit Colditz
Takt 4,9152 MHz Rechentiefe 16 Halbzüge
RAM 8 KB Display 2x16 Punktmatrix-LCD, 64 Feld LEDs
ROM 64 KB Zugeingabe Magnetsensoren
Programmgröße 48 KB Zugausgabe 64 Feld-LEDs
Bibliothek 12.199 Halbzüge ausgelesen, genaue Anzahl Varianten noch nicht ermittelt, lt. Wertung 30.000 Halbzüge und 3.000 Varianten Stromversorgung   Netz = HGN 5001
Spielstufen Normalspiel-, Turnierspiel-, Blitzspiel-, Rechentiefe-, Mattsuch-, ELO-Turnier-, ELO-Aktivschach- und Analysestufen
Maße 31,5 x 38 x 3,5 cm; Spielfeld = 26,5 x 26,5 cm
Verwandt Mephisto Polgar
Sonstiges
Schachlehrprogramm enthalten, Rechenverhalten veränderbar durch Einstellen der Selektivität


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Infos
Optisch fällt im Unterschied zu den Vorgängern das auskunftfreudige Punktmatrix-Display sowie der Wegfall einer Tastaturzeile ins Auge. Neu ist auch, dass es ein separates Programm-Modul gibt, das seitlich rechts eingeschoben werden muss (auf dem großen Bild rechts zu sehen, schwarzes Modul mit weißem Schriftzug "Academy"). Wahrscheinlich wollte der Hersteller die Möglichkeit schaffen, zukünftig neue Module herauszubringen und damit diese Baureihe zu einem "modularen System im Kleinen" weiter aufwerten. Schade, dass diese Möglichkeit nicht (mehr) genutzt worden ist.

In Bezug auf das Schachprogramm ist der Academy der eigentliche Vorläufer des Mephisto Polgar. Bis auf die Analyse-Funktion wird in punkto Ausstattung ebensoviel geboten wie bei dem angesprochenen Polgar-Modulset. Im spielerischen Bereich zeigen sich allerdings Unterschiede: die Eröffnungsbibliothek beim Academy ist mit 30.000 Halbzügen fast doppelt so groß. Zudem scheint das Academy-Programm strategisch etwas stärker zu sein, was sich auch in der Spielweise bemerkbar macht. Es existieren mehrere Programmversionen, hier eine Übersicht mit der versionsübergreifenden, fortlaufenden Seriennummer:

  • Version 04.10.1988, Seriennummer 0702155
  • Version 27.08.1988, Seriennummer 0703735
  • Version 06.03.1989, Seriennummer 0734639

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© Sascha Warnemünde

Trainingsfunktionen

Im Jahr 1989 betrat die Fa. Hegener + Glaser Neuland mit drei Modellen der Hausmarke Mephisto. Zum ersten Mal wurden spezielle Schachcomputer mit Lernmodulen entwickelt, die computerunterstützte Schachkurse beinhalteten. Diese richteten sich an Schachspieler unterschiedlicher Spielstärke, angefangen vom Anfänger bis zum starken Vereinsspieler. Zusätzlich waren alle mit ausführlichen Lehrbüchern von GM Helmut Pfleger und Ossi Weiner ausgestattet.

Der Mephisto Academy richtet sich mit speziellen Trainingsfunktionen an Vereins- und Turnier-Spieler und wird im Artikel "Schachtrainer" genauer betrachtet und mit anderen Geräten verglichen.
Aus diesem Artikel hier der Abschnitt "Mephisto Academy (1989)":

Mit diesem Modell richtete sich H+G an den Vereins- und Turnierspieler. Während die kleineren Brüder lediglich mit Drucksensorbrettern ausgestattet wurden, hat die Academy ein optisch gelungenes Holz-Schachbrett mit Magnetsensoren vorzuweisen. Über ein Punktmatrixdisplay werden die gespielten Eröffnungsbezeichnungen (Damengambit, Sizilianisch etc.) angezeigt, was bei allen späteren Programmen von Ed Schröder zu seinem Markenzeichen werden sollte. Über den Trainingsmodus wird ein umfassender Blick in die Tiefe des Eröffnungsbaums der Mephisto Academy gewährt. So bekommt man bis zu drei Antwortmöglichkeiten aus der Theorie einer Variante angezeigt, die auf dem Schachbrett vor- und zurückgespielt werden können. Vorbildlich und sehr instruktiv gelöst und später von PC-Schachprogrammen kopiert. Eine weitere Besonderheit sind die von 1000-2000 ELO einstellbaren Trainingstufen beim Academy. Im Turnier- oder Aktivschach lässt sich die Academy so passend an der eigenen Spielstärke ausrichten. Nach jeder Partie kann man sich dann seine neue ELO-Zahl berechnen lassen. Das mitgelieferte, 76 Seiten starke Lehrbuch, rundet das positive Bild dieses Schachtrainers ab.

Fazit: Die Krönung dieser Mephisto-Baureihe. Leider wurde nie ein Nachfolger produziert, um z.B. das Trainingsrepertoire auch auf Endspiele auszudehnen.

Artikel "Zwiesprache im Klartext"

Viele Features beim neuen Mephisto academy

Bernd Schneider (aus Computer Schach & Spiele / Heft 5 / Oktober-November 1988)

Brandneu, frisch aus der Presse - im letzten Moment traf der neue Mephisto „academy" in der CSS-Redaktion ein. Bernd Schneider hat sich dieses äußerst vielseitigen Geräts angenommen. Was er fand, veranlasste ihn zur Setzung so manchen Ausrufungszeichens.

Das Äußere des neuen Gerätes ist dem des Monte Carlo stark angenähert, es verfügt indes über nur acht Bedienungstasten und das bildhübsche Holz-brett ist echter Intarsienarbeit. In seinem Innern tüftelt das jüngste Ed-Schröder-Programm - als Modul einsetzbar und von einem 5-MHz-6502-Prozessor realisiert. Das komplette Gerät wird ab Ende Oktober für rund 1000 Mark erhältlich sein und mit einer bisher noch nie dagewesenen Zahl an Features verblüffen. Spielerisch ist es ein MM-IV-Nachfolger, allerdings erschien sein Schach mir weniger zurückhaltend als das des Vorläufers.

Ed Schröder hat den taktischen Bereich stark verbessert, das Programm besitzt einen hervorragen-den „Blick" für Bauernstrukturen. Interessant auch: Das Endspiel König und Bauer gegen König beherrscht es perfekt - allein durch Rechenpower (also ohne auf eine Datenbank zurückgreifen zu können). Man kann bei alledem eigentlich nicht von „dem" Programm sprechen - sondern muss genauer von „den" Programmen ausgehen. Denn die Selektivität des Academy lässt sich in acht Stufen variieren: Von Brute Force bis zu einer selektiven Spitze von acht Halbzügen, wobei jeweils Veränderungen im Spielstil fühlbar werden.

Schachlehr-Handbuch: Spitze

Allein dieses Feature wäre bemerkenswert, es gibt jedoch noch sehr viel mehr. Ein Spielstandsspeicher ist obendrein implementiert, Mephisto Academy behält die aktuelle Stellung im batterie-gepufferten RAM. Seine Feldsensoren sprechen feinfühlig an, für echtes Blitzspiel ist das Brett mit 26,5 auf 26,5 cm allerdings zu klein. Die in Österreich entstandene Bedienungsanleitung ist (bis auf etliche Kommafehler) gut, ein absoluter Knüller hingegen ist das Schachlehr-Handbuch: Hier haben Helmut Pfleger, Gerd Treppner und Helmut Weigel absolute Spitzenarbeit geleistet.

Am Gerät selbst sind die Mephisto-typischen Info-, Memory-, Positions- und Level-Modi erhalten geblieben, hinzu kamen die Tasten „Training" (TRAIN) und „Funktion" (FCT). Nach dem Reset durch gleichzeitiges Betätigen von CL und ENT meldet sich das zweizeilige und 32-stellige LC-Display mit der Meldung „MEPHISTO academy by Ed SCHRÖDER" - wobei jeder einzelne Buchstabe aus einer Matrix von 40 (!) Dots gebildet wird. Dank dieser aufwendigen Anzeige findet der Kontakt zum jüngsten Mephisto-Sproß als Zwiesprache im Klartext statt - und zwar stets in deutscher Sprache.

INFO in Hülle und Fülle

Überhaupt ermöglicht INFO regelrechte Spionage in der Tiefe des Prozessors: Aufs Display rufen lassen sich Zug- und aktuelle Astnummmer, der letzte Computerzug und die Hauptvariante, die Stellungsbewertung, der erste sowie der gerade berechnete Zug der Hauptvariante, die Suchtiefe und die Anzahl aller Varianten. Und noch ein besonders auffälliges INFO-Feature: Während Mephisto Academy „denkt", kann man in der unteren Display-Hälfte anschauen, wie er nach beliebigen Zügen fortsetzen würde, indem man diese Züge einfach auf dem Brett probeweise ausführt!

Wer genau hinschaut, der entdeckt ferner, dass es sogar zwei Stellungsbewertungen gibt: Eine davon enthüllt die vom Computer angenommene Wertungsdifferenz zur beim letzten Zug berechneten Hauptvariante - oder, einfacher gesagt, wieviel Mist man gerade gebaut hat. Wenn man selbst am Zuge ist und fleißig INFO betätigt, liest man schließlich die Notiz „PB", was nichts anderes heißt als Permanent Brain: Hier wird gezeigt, wie das Modul an welcher Variante arbeitet, während es schamlos des Gegners Bedenkzeit nutzt. Genug - man drückt CL (clear) - und sieht nun die Vier-Zeiten-Uhr: Eigene und gegnerische Zug-und Summenzeit auf einmal (Normalanzeige).

Eröffnung im Display

Ist zu Spielbeginn TRAIN aktiviert, schlägt das Display als erste mögliche Eröffnungsvariante e2-e4 mit drei möglichen Antwortzügen vor. Drückt man ENT, wird d2-d4 mit weiteren drei Gegenzügen gezeigt. Wählt man z.B. davon einen, indem man ihn auf dem Brett ausführt, erfolgt die entsprechende Anzeige nun für die Gegenseite. Wer Lust hat, der kann sich so, vom Display geleitet, durch die ganze weite Welt der Eröffnungen führen lassen. Außerdem gibt es die Möglichkeit des Theorietrainings. Dabei verlangt die kleine Schachakademie von ihrem Benutzer, dass er eine zuvor gewählte Eröffnung nachspielt; davon ab-weichende Züge werden (ähnlich wie einst bei Fidelity-Geräten, die dasselbe Feature besaßen) ab-gelehnt. Besonders schön: Wenn Sie beim Spiel oder Training innerhalb einer dem Gerät bekannten Eröffnung bleiben, wird deren Name auf dem Display genannt! Der Memory-Modus erlaubt die „Spieler Spieler"-Variante, die Zugrücknahme sowie beliebige Sprünge an Spielanfang oder -ende. In jedem Falle spielt Mephisto Academy einem das zurückliegende Geschehen automatisch noch einmal vor, man muss nur die Figuren ziehen. Zugrücknahme durch einfaches Zurücknehmen wie bei den bisherigen modularen Geräten geht übrigens ebenso. Stürzt man sich in den POS-(itions)-Modus, wird einem per Flimmern der Felderlämpchen, derer natürlich volle 64 vorhanden sind, der Standort aller Figuren angedeutet, begleitet von kleinen Figurensymbolen im Display.

Elo-Einstufung vom Computer

Auch die Anordnung der Spielstufen ist in einem Maße übersichtlich gelungen, wie man es noch nicht gesehen hat: Sinnvollerweise gibt es ihrer nur acht, nämlich Normal-, Turnier-, Blitz-, Rechentiefe-, Mattsuch-, Elo-Turnier- und Elo-Aktiv- sowie Analyse-Stufe. Jedoch! Innerhalb der ersten sieben Level lassen sich die Zeitangaben in Sekunden- bzw. Minutenschritten eigenen Wünschen unbegrenzt anpassen. Hinter der „Elo-Turnier" bzw. „Elo-Aktiv"-Stufe verbirgt sich darüber hinaus die Möglichkeit, für eine Turnier- oder 30-Minuten-Partie die Spielstärke des Mephisto Academy in Elo einzustellen!

Mittels „FTC" werden in eindrucksvollem Klartext verschiedene Optionen angeboten. Man kann das „Turnier-" oder „Eröffnungsbuch" anwählen, je nachdem, ob man selbst ein Computer ist oder nicht. In altbekannter Manier lässt sich das Brett drehen und Ton, PermaBrain sowie Zufallsgenerator können ein- oder ausgeschaltet werden. Variabel ist auch die Spielstärke: Ein „Lernfaktor" erlaubt ihre Verringerung in acht Stufen. Und schließlich können die eigene Elo-Zahl und die des Gegners eingetippt werden. Gibt man anschließend unter „Score" das Resultat einer schachlichen Auseinandersetzung ein, erhält man eine Berechnung der eigenen Elo-Zahl unter Einbezug dieses jüngsten Ergebnisses! Alle Achtung vor Ed Schröder: Aus 48 K hat er auf Wunsch von Hegener + Glaser mehr Features und Lehrfunktionen herausgekitzelt als je ein Schachcomputer besaß - wer neben dem eigentlichen Spiel die sich auftuenden Möglichkeiten schätzt, der wird begeistert sein. Zudem kann das neue Gerät in noch nicht dagewesenem Maße als Hilfsmittel eingesetzt werden, die eigenen Schachkenntnisse zu vertiefen.


  • © Pictures by Sascha Warnemünde
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