Mephisto Polgar 10 MHz

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Mephisto Polgar 10 MHz
Polgar.jpg
Hersteller Mephisto
Markteinführung 1990
Preis 650 DM (Umrüstung)
Prozessor 65C02
Prozessortyp 8 Bit
Takt 10 MHz
RAM 8 KB
ROM 64 KB
Programmgröße 48 KB
Bibliothek ~16.000 Halbzüge
Programmierer Ed Schröder
Elo 2042
Rechentiefe 30 Halbzüge
BT-2450 1942
BT-2630 -
Colditz -
Verwandt Mephisto Academy
Zugeingabe Magnetsensoren
Zugausgabe 64 Feld-LEDs
Display 32-stellige Punktmatrix
Stromversorgung HGN 5001
Spielstufen beliebig viele
Maße Modulset
Sonstiges

  • Elo System
  • Eröffnungstraining
  • modifiziertes Brett (s.h. Scan)
Mephisto Modifikationshinweis
Scan von Sascha Warnemünde


Was Ed Schröder aus der Hardware kitzelt

Detlef Köhlers berichtet über das Polgar-Modul (5 MHz Version) von Mephisto (aus Computer Schach & Spiele / Heft 2 / April-Mai 1990)


Stolze 598 Mark kostet es, das neue Polgar-Modulset von Mephisto. Das ist nicht gerade billig, doch soll dem Kunden für dieses Geld auch einiges geboten werden: Erstklassige Bedienungsfreundlichkeit und eine Spielstärke, die so manchem 16-Bitter zur Ehre gereichen würde - so jedenfalls das Ziel von Hegener+Glaser und dem Polgar-Programmierer Ed Schröder. Hat der Münchner Hersteller dieses hockgesteckte Ziel erreicht?

Die ungarischen Polgar-Schwestern, die dem neuen Mephisto-Programm seinen Namen gaben.

Neben dem eigentlichen Spielmodul findet man in der Verpackung noch das etwas protzig wirkende Display-Modul - jedenfalls für jemanden, der wie ich bisher mit bescheidenen 7-Segment-Anzeigen vorlieb nehmen mußte. Dazu noch ein zweisprachiges Anleitungsheft im DIN A4-Format, sowie ein Lehrbuch, welches von dem bekannten Autoren Trio Pfleger/Treppner/Weigel stammt. Blättert man ein wenig in diesem Lehrbuch herum, flattern einem noch mehr hübsche Dinge entgegen: Ein Zettel mit der Rufnummer des Mephisto-Info Telefons, an das sich jeder wenden kann, der Fragen zur Bedienung seines neuen Schachpartners hat. Außerdem noch das „Mini-Schachlehrbuch des Deutschen Schachbundes", in dem nicht nur die Spielregeln, sondern auch noch einige grundlegende Dinge des Königlichen Spiels erklärt sind, so z.B. „berührt-geführt", häufige Eröffnungsfehler, entfernter Freibauer, usw. Zu guter Letzt findet man auch noch ein Hinweisblatt auf eine bestimmte Schachcomputer-Zeitschrift, damit der stolze Besitzer auch in Zukunft ständig auf dem Laufenden über alle Neuigkeiten auf diesem Gebiet ist.

Stets locker und humorvoll

Das Lehrbuch ist formell und inhaltlich in etwa wie die CSS-Serie „So denkt ein Schachmeister" aufgebaut, ohne mit dieser identisch zu sein. Auf der Titelseite ein schreckliches Foto der in Wirklichkeit sehr hübschen Judith, innen ein netteres, auf dem die drei Polgar-Mädels einem entgegenlächeln. Eine Seite weiter geht es dann gleich ans Eingemachte: Kapitelüberschriften wie „Kombinationstraining", „Eröffnungsvorbereitung", „Turnierschach" und „Das ELO-System" verraten schon, daß es sich hierbei nicht um ein Buch für Anfänger handelt. Vielmehr wird der ambitionierte Fortgeschrittene in die Lage versetzt, sein „erstes Turnier zu gewinnen". Daß dies auf verständnis- und humorvolle Art und Weise geschieht, dürfte angesichts der Autorennamen niemanden überraschen - stets lockern kleine Anekdoten und Randbemerkungen die doch etwas trockene Materie auf, so daß Langeweile beim Training gar nicht erst aufkommt.

Die eigentliche Bedienungsanleitung kann zwar nicht ganz so unterhalten wie das Lehrbuch, das wäre aber wohl auch zuviel verlangt. Auf jeden Fall ist sie recht verständlich geschrieben und geht ausführlich auf die verschiedenen, doch recht umfangreichen Bedienungsfeatures des Rechners ein, wobei sie den Leser mit vielen Abbildungen unterstützt. Polgar-Besitzer sollten das Info-Telefon von H&G eigentlich nicht allzuoft in Anspruch nehmen müssen.

Spielen Sie Spanisch

Display

Eines der originellsten Features, die der Polgar zu bieten hat, ist zweifellos die Anzeige des Eröffnungsnamens, während man sich noch in der Bibliothek des Rechners befindet. Beginnt man eine Partie zum Beispiel ganz harmlos mit 1.e4, und der Rechner antwortet 1...e5, so zeigt uns das Wörtchen „THEORIE", welches unterhalb des Antwortzuges eingeblendet wird, daß der Computer aus seiner Bibliothek spielt, die bisher gespielten Züge sich aber noch nicht eindeutig klassifizieren lassen. Auch nach 2.Sf3 Sc6 bleibt es bei „THEORIE". Nun aber ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen: 3.Lb5 a6, und die Anzeige wechselt zu „SPANISCH". Natürlich erfolgt die Klassifizierung der Eröffnungen nur ganz grob, Unterteilungen wie etwa „Abtausch-Variante" oder „Steinitz-System" kann und darf man nicht erwarten. Für echte Profis - oder solche, die sich dafür halten - ist dieses Feature also sicherlich überflüssig, der Lernende hingegen wird dankbar sein, vom Rechner zu erfahren, was er denn hier eigentlich spielt. Gerade in Verbindung mit der Taste „TRN", dem (Eröffnungs-)Trainingsmodus, bieten sich hier dem Spieler nützliche Möglichkeiten, Eröffnungen anzusehen und zu lernen.

Baut man die Grundstellung auf und drückt dann TRN, so zeigt der Computer zunächst einmal einen der gespeicherten Eröffnungszüge in der oberen Display-Zeile an, z.B. „E2E4". In der Zeile darunter erscheinen dann drei der möglichen Antworten, die das Gerät auf diesen Zug gespeichert hat (für mehr ist leider kein Platz), im Beispiel also „E7E5 E7E6 C7C6".

CSS 90-2-18.jpg

Durch wiederholtes Drücken der ENT-Taste kann man sich nun nach und nach alle Alternativen anzeigen lassen, die der Polgar im ersten Zug kennt, jeweils zusammen mit dreien der darauf gespeicherten Antwortzügen. Im Beispiel von oben erscheint nach Drücken von ENT der Zug „D2D4" in der oberen Zeile, sowie die drei Antwortzüge „D7D5 G8F6 c7c5" darunter. Hier kann man gleich eine weitere gutdurchdachte Sache beobachten: Züge, die der Polgar „aktiv" in seiner Bibliothek hat, die er also auch von sich aus spielt, werden mit Großbuchstaben angezeigt; Züge, die er „passiv" gespeichert hat, auf die er also nur reagieren kann, falls der Gegner sie spielt, werden mit Kleinbuchstaben angezeigt.

TRN für TRAINING

Tastatur


Führt man nun einen der mittels ENT abgerufenen Züge auf dem Brett aus, erscheint ein schwarzer Eröffnungszug in der oberen Zeile, drei der möglichen weißen Antwortzüge in der unteren usw. Hat der Rechner keinen weiteren Zug mehr gespeichert, so wird der neugierige Spieler mittels der Anzeige „KEIN ZUG MEHR GESPEICHERT" unzweifelhaft über diese Tatsache informiert. Es ist auf diese Weise also möglich, genügend Zeit und Geduld vorausgesetzt, die gesamte Bibliothek des Rechners bis auf den letzten Zug auszuspionieren. Doch die Taste hieße nicht TRN (was wohl für TRAINING steht), wenn sie nicht noch mehr Möglichkeiten offerieren würde: Hat man sich mit oben beschriebener Methode eine Variante vom Rechner vorführen lassen, kann man sich vom Computer „abhören" lassen, ob man denn auch gut aufgepaßt hat. Dazu drückt man ein zweites Mal auf TRN. Der Computer geht in die Grundstellung zurück und erwartet vom Benutzer, daß er die eben gezeigte Theorievariante auf dem Brett abspult. Züge, die von der Variante abweichen, werden nicht akzeptiert und mit einem Warnton zurückgewiesen. Kann man sich partout nicht mehr an den korrekten Zug erinnern, verrät der Polgar ihn auch auf Wunsch.

Elo-Auswertung

Eine weitere sehr ungewöhnliche Möglichkeit, die der Polgar bietet, ist die Berechnung von Elo-Zahlen. Dazu tippt der Besitzer seine alte Elo-Zahl, die des Gegners und das Ergebnis der Partie in den Rechner ein, und der Polgar spuckt daraufhin die neue Wertung aus. Sicher eine nette Spielerei, deren exakter Nutzen mir aber nicht ganz einleuchten will. Der normale Hobby- bzw. Vereinsspieler besitzt sowieso keine Elo-Zahl, und für stärkere Spieler wird dieses Feature bestimmt kein ausschlaggebender Kaufanreiz sein.

Ein echtes Bonbon hält der Polgar hingegen für Fernschachfreunde bereit: Man kann nämlich den Suchbaum des Rechners in der Analysestufe auf bestimmte, vorher ausgewählte Züge beschränken. Dazu gibt man die zu analysierende Stellung in den Rechner ein, startet die Rechenphase und führt auf dem Brett nacheinander die Züge aus, auf die der Polgar seine Berechnung beschränken soll. Alle anderen Züge werden vom Rechner im ersten Halbzug übergangen, was natürlich zu einer schnelleren und tieferen Analyse führt. Dieses Feature kann man auch beim Lösen von Studien oder Analysieren von Hängepartien sinnvoll einsetzen. Es kann sicherlich als eines der herausragendsten Besonderheiten des Polgar angesehen werden.

CSS 90-2-19.jpg
Rechenvorgang

Warum nicht...? Darum!

Vielleicht ist es Ihnen schon mal passiert, daß Sie sich während einer Partie mit Ihrem elektronischen Partner gefragt haben, warum dieser einen Zug, der Ihnen sehr stark erscheint, überhaupt nicht in Erwägung zieht. Beim Polgar können Sie diese Frage getrost an den Rechner weiterleiten. Dazu führen Sie einfach während der Rechenphase den Zug auf dem Brett aus, von dem Sie gern wissen möchten, warum der Polgar ihn nicht für den besten hält. Er antwortet damit, daß er die beste Variante anzeigt, die er für diesen Zug gefunden hat. Vielleicht haben Sie bei dem von Ihnen favorisierten Zug ja eine taktische Entgegnung übersehen. Kleiner Wermutstropfen dabei: Die angezeigte „Variante" ist lediglich zwei Halbzüge lang, was dieses an sich sehr schöne Feature leider abwertet. Hier wäre ein Rolliermodus wünschenswert, in dem der Rechner vielleicht 5 bis 6 Halbzüge anzeigen kann.

Schaut man sich die Spielstufen an, die der Polgar seinem Besitzer zur Verfügung stellt, bleiben keine Wünsche offen: Egal ob Turnier-, Blitz-, Mattsuch-, Normal- oder Rechentiefestufe - alles ist vorhanden und läßt sich nach Belieben vom Spieler an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Sämtliche Parameter sind einstellbar, so daß wirklich jeder zufriedengestellt werden dürfte. Erwähnenswert sind hier noch die beiden speziellen Stufen ELO-TURNIER und ELO-AKTIV, bei denen man dem Computer die ungefähre Spielstärke in Elo-Punkten vorgeben kann, mit der er spielen soll (zwischen 1200 und 2000). Außerdem bekommt der Benutzer auf diesen Spielstufen keinerlei Informationen vom Rechner, weder Stellungsbewertung, noch Hauptvariante, Rechentiefe, oder Ähnliches - genau wie bei einem richtigen Turnier, bei dem man seinem Gegner ja auch nicht ins Gehirn gucken kann.

Polgar-Autor Ed Schröder

Härtetest gegen Fidelity

Ein echter Härtetest für die Spielstärke des neuen Gerätes wurden zwei Wettkämpfe über je 20 Partien gegen den Fidelity Designer 2265 Master durchgeführt, ein Gerät, welches preislich ungefähr auf dem Polgar-Niveau liegt (Modulset plus „Modular"-Brett), aber bekanntlich auf 16-Bit-Hardware läuft.

Der erste Wettkampf wurde mit 5-Minuten-Blitzpartien gespielt, und bereits hier zeigte sich, daß sich der große Hardwareunterschied der beiden Geräte kaum bemerkbar macht - im Gegenteil, es war der Polgar, der den Wettkampf (wenn auch knapp) mit 10,5:9,5 gewann. Insgeheim rechnete ich aber doch damit, daß die Fidelity-Maschine ihren Konkurrenten im zweiten Wettkampf - auf Turnierstufe, also 40 Züge in 2 Std. - in die Schranken weisen würde. Doch auch hier erwies sich der 8-Bitter als zäher Gegner, und es gelang ihm, exakt das gleiche Ergebnis wie im Blitzwettkampf zu erreichen: Er gewann ebenfalls mit 10,5:9,5!

Hier eine typische Gewinnpartie des Polgar. Nach ruhiger, fast farbloser Eröffnungsbehandlung wartet der Rechner einfach auf die Fehler, die sein Gegner begeht, um diese dann gnadenlos auszunutzen. In dieser Partie ist es ein Freibauer, der zunächst recht schwächlich wirkt, dann jedoch plötzlich Flügel bekommt:

Mephisto Polgar - Fidelity Designer 2265 Master Turnierstufe, 40 Züge in 2 Stunden

1.c4 c5 2.Sc3 Sc6 3.Sf3 g6 4.g3 Lg7 5.Lg2 Sf6 6.0-0 0-0 7.d4 cxd4 8.Sxd4 Sxd4 9.Dxd4 db l0.Dd3 a6 11.Le3. Bis hierher spielten beide Rechner aus der Bibliothek. 11...Lf5 12.Dd2 Dd7 13.Tad1 Tac8 14.b3 b5 15.cxb5 axb5 16.a4 bxa4 17.bxa4 Tc4. Mit einer Bewertung von +0,28 fühlte sich der Designer noch recht wohl, doch der von zwei mächtigen Läufern unterstützte Freibauer ist nicht zu verachten... 18.Tc1 Tfc8 19.Lb6 Sg4 20.Sd5 e6 21.Txc4 Txc4 22.h3 Sxf2. Solchen Zügen kann der Fidelity Rechner nicht widerstehen. 23.Txf2 exd5 24.a5! Der Henker setzt sich in Bewegung. 24...Le4 25.ab Ta4 26.a7 Dc6 27.De3 Lc3 28.Tf1 Lxg2 29.Kxg2 d4+ 30.Df3 Dxf3+ 31.Kg2 Kg7 32.Tc1 f5 33.e3! Dadurch wird dem weißen Turm der Zugang zu c8 geöffnet. 33...Ta3 34.Kg2 Ta2+ 35.Kfl Kf6 36.exd4 Lb4 37.Tc8 Tal+ 38.Ke2 Ta2+ 39.Kd3 Ta3+ 40.Kc2 Lel 41.g4 fxg4 42.hxg4 Kg5 43.a8D Txa8 44.Txa8 Kxg4 45.Lc7 d5 46.Td8 h5 47.Txd5 g5 48.Tb5 Lf2 49.d5 h4 50.d6 Lg3 51.Td5 h3 52.Lb8 Lf2 53.d7 Lb6 54.d8D Lxd8 55.Txd8 Kf5 56.Th8 g4 57.Tg8 1-0

So ähnlich verlaufen die Polgar'schen Gewinnpartien meist: Urspektakulär, ohne donnernde Kombinationen und wildes Getümmel, aber mit recht präzisem und gnadenlosem Positionsspiel. Dabei ist die Partieanlage des Mephisto so solide, daß es dem Designer im gesamten Wettkampf nur zweimal gelang, sein gefürchtetes Angriffstalent zur Geltung zu bringen. Hier eines dieser seltenen Ereignisse:

10 MHz Modulset

abcdefgh
8
bK
bPwRbPbP
bPbRbP
bRbP
wPwR
wPwPwP
wKwP
8
77
66
55
44
33
22
11
white
abcdefgh
(8/9) FRC FEN-Editor © SMIRF Ver. 3.0.0 / License: Michael Voelschow

6k1/p3Rpp1/1p1r3p/r2p4/P2R4/1P3PP1/6KP/8 w - - 0 1

Auf der Turnierstufe, 40 Züge in 2 Stunden, hatte der Polgar (Schwarz) gerade auf d6 einen weißen Bauern eingeheimst, mußte dafür aber doch einige Zugeständnisse machen (abseits stehender eigener Turm auf a5, eingedrungener gegnerischer auf e7). Dafür bekam er nun die Rechnung präsentiert: 28.Tf4 f6 29.Tg4 g5 30.h4 d4 31.Tge4 d3?? mit einer Bewertung von +1,87 gespielt. Doch der rechengewaltige Designer ließ sich nicht lange bitten: 32.Te8+ mit Mattankündigung in 6 Zügen. 32...Kf7 33.T4e7+ Kg6 34.Tg8+ Kh5 35.Kh3! Dieser stille Zug dürfte schuld daran sein, daß der Polgar das Matt nicht rechtzeitig sah. 35...f5 36.g4+ fxg4+ 37.fxg4 matt.

Trotz dieses Patzers ist der Mephisto-Rechner gewöhnlich taktisch beileibe nicht so blind, wie man nun vielleicht glauben möchte. So ist zum Beispiel die schöne Opferkombination aus der Partie Deep Thought-E. Cooke (CSS 1/90, Seite 24)

Mephisto Modifikationshinweis
Scan von Sascha Warnemünde

abcdefgh
8
bQbRbRbK
bBbPbPbP
bP
bP
wPbNwBwN
wQwP
wPwPwP
wRwRwK
8
77
66
55
44
33
22
11
white
abcdefgh
(11/11) FRC FEN-Editor © SMIRF Ver. 3.0.0 / License: Michael Voelschow

1q1rr1k1/1b3ppp/1p6/p7/PnBN4/4QP2/1P4PP/2R1R1K1 w - - 0 1

für den Rechner kein Problem: Nach nur 44 Sekunden findet er den Zug 29.Dg5!!, für den Läufereinschlag 30.Lxf7+!! benötigt er acht Sekunden und 31.Tc7+ mit Mattankündigung in 4 Zügen erscheint nach drei Sekunden auf dem Display. Auch beim „Großmeister-Test für Schachcomputer" von GM Murray Chandler macht der Computer eine gute Figur: 34 Punkte geben ihm immerhin den Rang eines „durchschnittlichen Regionalligaspielers".

Drastisch bestraft

Was weiter auffiel ist, daß die Eröffnungsbibliothek des Polgar sehr gut auf dessen Spielweise abgestimmt wurde. Ganz im Gegensatz zum Designer hatte der Mephisto mit den Stellungen, in denen er nach der Eröffnung landete, nie irgendwelche Probleme und fand sich gut in ihnen zurecht. Der Fidelity-Rechner dagegen wurde für sein unkonventionelles Eröffnungsspiel gelegentlich drastisch bestraft, wie zum Beispiel in dieser Partie:

Enttäuschend ist hingegen, was der Polgar im Endspiel zu bieten hat. Er beherrscht das KLSK-Endspiel nicht, weiß nicht, daß man mit zwei Springern nicht mattsetzen kann, und natürlich kennt er auch das „Falsche-Läufer-Endspiel" nicht. In dieser Partiephase sieht die Ausstattung also recht mager aus, was bei Standardendspielen schon ärgerlich ist. Andererseits kann er verblüffend viel errechnen, so daß sein Endspielverhalten im großen und ganzen ausreichend ist. Nur in Fällen, wo es in erster Linie aufs Wissen ankommt, ist er hilflos.

Fazit

Zusammenfassend kann man feststellen, Ed Schröder hat mit dem Mephisto Polgar bewiesen, daß man nicht unbedingt 16-Bit-Technologie braucht, um gute und spielstarke Schachcomputer zu programmieren. Der Polgar dürfte der erste 8-Bit Schachcomputer auf dem Markt sein, dem es auch ohne Hardware-Tuning und Turbo-Kit gelingt, in die Phalanx der 16-Bitter einzubrechen. Seine Spielintelligenz und seine gutprogrammierten Suchalgorithmen können taktische Fehler zwar nicht vollständig vermeiden, aber doch so gering halten, daß er auf diesem Gebiet nicht so leicht zu übertölpeln ist (ehemalige Rebell-Besitzer wissen sehr wohl, wovon ich hier rede!). Es ist wirklich erstaunlich, was der Mephisto-Programmierer aus dem ja nicht gerade mit fürstlicher Elektronik ausgestatteten Gerät alles herausgekitzelt hat. Man fragt sich unwillkürlich, was Ed Schröder wohl aus besserer Hardware alles herausholen könnte. Ob man sich auch bei H&G ähnliche Gedanken macht?


Quelle: © Computer Schach & Spiele / Heft 2 / April-Mai 1990 / Seiten 17-21 / Autor: Detlef Köhlers


Bilder von Sascha Warnemünde