17. D.A.CH. - Turnier 2017

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D.A.CH.-Turnier 2017 – Ein kurzer Rückblick

- von Alwin Gruber und Robert Weck -

Wie heißt ein altes Sprichwort: aufgeschoben ist nicht aufgehoben......

Nachdem das nächste D.A.CH.-Turnier 2018 schon kurz vor der Türe steht, hier der von uns schon lange versprochene Rückblick auf das letzte D.A.CH.-Turnier 2017. Aufgrund beruflicher und persönlicher Verpflichtungen sind wir beide erst jetzt dazu gekommen. Man möge es uns nachsehen, wenn aufgrund des langen Zeitraums die eine oder andere Anekdote nicht erwähnt wird.

Am letzten Oktober-Wochenende 2017 war das Hotel Goldener Hirsch in Kaufbeuren wieder Treffpunkt für Schachcomputer-Enthusiasten aus ganz Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Besonders erfreut waren wir, Franz Wagner nach mehrjähriger Pause wieder in unserer Runde begrüßen zu dürfen, wenngleich nur als Zuschauer. Franz konnte in den Vorjahren aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen und es gefiel ihm sichtlich, wieder dabei zu sein. Auch Günther Steinmüller -ein sehr starker Turnierschachspieler- war wieder mit an Bord und konnte als Kiebitz durch seine messerscharfen und witzigen Partieanalysen überzeugen. Nicht vergessen wollen wir Erwin Biri und Wiktor Rawik, die ebenfalls dem Turnier seit Jahren die Treue halten und als Ersatzoperatoren zur Verfügung standen, wenn der ein oder andere Bediener zeitlich verhindert war.

Gruppe A


Das Endklassement der Gruppe A setzte sich wie folgt zusammen:

  • Gewinner wurde das Phoenix Reflection Modul mit dem Vancouver-Programm, bedient von Marcus Pillen. Der Reflection fing den Millennium ChessGenius Exclusive (150 MHz) noch auf der Schlussgeraden ab.
  • Geteilter Zweiter und Dritter wurden der Tasc R30 Version 2.5, bedient von Michael Lang und der Mephisto ChessGenius Exclusive (gedrosselt auf 150 MHz), bedient von Hans van Mierlo. Der Tasc erarbeitete sich in seiner soliden und souveränen Art den zweiten Platz. Es scheint so, dass die Programmversion 2.50 die ausgewogenste ist, sowohl im taktischen als auch im positionellen Bereich. Über den hier im Forum bereits ausführlich diskutierten Millennium ChessGenius Exclusive wurde bereits alles gesagt. Der TASC und das Millennium-Gerät waren am Ende punktgleich, auch nach Feinwertung, der direkte Vergleich war remis. Da in der direkten Vergleichspartie der MCGE schwarz hatte, wurde ihm der Pokal für den 2. Platz überreicht, aber Michael und der alte „Computerschachhase“ Hans van Mierlo teilten sich schließlich salomonisch den zweiten Platz.
  • Den vierten Platz eroberte die Turniermaschine London, bedient von Ruud Martin. Dieses Gerät unterscheidet sich von einer „Serien-Turniermaschine“ dahingehend, dass für Hash Tables ein Arbeitsspeicher von 8 MB (Serie: 2 MB) zur Verfügung steht, dessen Motorola 68030-Prozessor läuft aber mit der gleichen Taktfrequenz mit 36 MHz. Das klingt wie eine Mischung aus Verkaufs- und WM-Version; aber in Wirklichkeit ist es ein Prototyp von Richard Lang, der ohne Gehäuse und Lüfter auskommen musste. Aufgrund der relativ niedrigen Taktfrequenz wird die CPU (ausgelegt auf 50 MHz) aber nicht übermäßig heiß und das Board läuft stabil. Ruud hat sich in der Zwischenzeit ein Turniermaschinengehäuse anfertigen lassen. Aufgrund der potenten Hardware wurde dieses Gerät zu einem Mitfavoriten erklärt, aber diese Erwartung sollte sich nicht wirklich erfüllen. Zwischenzeitlich hat Ruud diese Turniermaschine mit Hilfe von Richard Lang auf einen 68040-Prozessor umgerüstet und will damit in Kaufbeuren 2018 an den Start gehen. Mehr dazu hier: https://www.schachcomputer.info/forum/showthread.php?t=5651
  • Der fünftplatzierte war der Fidelity Elite Version 11 mit 72 MHz, bedient von Bernhard Lederwasch aus Tirol. Die V11 holte gegen die vier Vor-Platzierten lediglich ½ Punkt und landete damit verdientermaßen im unteren Tabellendrittel. Dass Bernhards V11 besser spielen kann, bewies sie schon mehrmals. In den Jahren 2007, 2009 und 2010 ging diese jeweils als Sieger der Gruppe A hervor, in 2001 und 2002 war die V11 von Alwin Zweitplatzierter. Ausblick auf das Turnier 2018: In diesem Jahr möchte Hans van Mierlo mit seinem auf 100 (!) MHz getunten „New Elite Avantgarde Version 11“, welcher auch die Online-WM 2018 gewann, einen neuen Anlauf beim D.A.CH-Turnier unternehmen. Lassen wir uns mal überraschen, was kommt.......
  • Tasc R30 2.23, bedient von Helge Matrisch: Obwohl das King-Programm taktisch extrem stark ist und über eine riesige Eröffnungsbibliothek verfügt, war das Ergebnis enttäuschend. Gegen die ersten fünf sprang lediglich ein halber Punkt heraus.
  • Tasc R40 Gideon Madrid, bedient von Alwin Gruber: Der (vermeintliche) Mitfavorit enttäuschte auf ganzer Linie und belegte mit sage und schreibe 0 (!) Punkten den verdienten letzten Platz. Selbst ein vermeintlicher Glücksbringer, ein Fan-Schal des TSV 1860 München, welcher von Udo an Alwin als bekennenden FC Bayern-Fan übergeben wurde, half hier nichts. Mit kurzen Worten: einfach grausam! Seitens der Turnierteilnehmer wurden Alwin wiederholt scherzhaft diverse Kauf-Offerten für seinen TASC R40 gemacht, welche dieser jedoch jedes Mal dankend mit einem Lächeln ablehnte. Aufgrund des sportlichen „Abstiegs“ des R40 wird Alwin in 2018 nun in der Gruppe B an den Start gehen und dort sein Glück versuchen.

Hier die Abschlusstabelle:

P Computer Score (Tie) 1 2 3 4 5 6 7 + / - / =
1: Reflection Vancouver 5.0 / 6 13.00 X 1 1 0 1 1 1 (+5 -1 =0)
2: Tasc R30 v2.5 4.5 / 6 9.25 0 X = 1 1 1 1 (+4 -1 =1)
3: Millenium CG Exclusive 150 MHz 4.5 / 6 9.25 0 = X 1 1 1 1 (+4 -1 =1)
4: Mephisto TM London 36 MHz 3.0 / 6 7.00 1 0 0 X = = 1 (+2 -2 =2)
5: Fidelity V11 72 MHz 2.5 / 6 3.00 0 0 0 = X 1 1 (+2 -3 =1)
6: Tasc R30 v2.23 1.5 / 6 1.50 0 0 0 = 0 X 1 (+1 -4 =1)
7: Tasc R40 Gideon Madrid 0.0 / 6 0.00 0 0 0 0 0 0 X (+0 -6 =0)


21 games: +11 -7 =3

Partien der Gruppe A


Gruppe A - Partien Download

Turnierpartien


Showdown am Schlusstag zwischen dem Sieger der Gruppe A und einem Prototypen des Millennium Exclusive mit King-Programm:

Im Vorfeld wurde durch die Turnierleitung entschieden, dass am Sonntagvormittag der Sieger der Gruppe A in einem über zwei Runden gehenden „Showkampf“ gegen einen Prototypen des Millennium Exclusive mit King-Programm Version 2.61 antritt. Es kam NICHT zu dem allgemein erwarteten „Bruderkampf“ mit dem Millennium ChessGenius Exclusive, da der Reflection Vancouver als Sieger der Gruppe A hervorging.

Der King-Protoyp beinhaltete noch kein fertiges Programm, sondern eine erste, lauffähige Version von Johan de Koning, welche im Vorfeld noch nicht gründlich getestet worden war. Das Programm basierte auf einer bisher noch nie veröffentlichten King Version 2.61. Dieses Gerät ist um ein Vielfaches schneller sein als seine „Urahnen“ TASC R30 / R40. Es fehlten dem Prototypen noch sehr wesentliche Programm-Bestandteile wie zum Beispiel das Permanent Brain und diverse Endspiel-Algorithmen. Die Rechengeschwindigkeit war (wie bei seinem im Hauptfeld spielenden Brudergerät) auf 150 MHz gedrosselt worden, um den Hardware-Vorteil gegenüber dem Reflection nicht zu groß werden zu lassen. Auch das Eröffnungsbuch war noch provisorisch, es wurde ursprünglich für das AEGON-Turnier, d.h. für den Einsatz gegen starke menschliche Gegner geschrieben. Nichtsdestotrotz war der King dem Reflection in dem Showkampf überlegen und siegte verdient mit 1,5 : 0,5.

Gruppe B


Die Schlusstabelle der Gruppe B setzte sich wie folgt zusammen:

  • Sieger war der Mephisto Modular MM II, bedient von Helmut Hoffmann. Helmut war in Begleitung seiner charmanten Gattin Michaela und seinem Sohn Manuel angereist. Die beiden fungierten auch als Glücksbringer, denn Helmut gewann das Turnier. Seine Frau und sein Sohn übernahmen zudem mit großem Vergnügen die Betreuung und das „Gassigehen“ von Markus Pillens Hündin. Sohn Manuel unterstützte zudem als Operator des Mephisto seinen Vater tatkräftig und fieberte insbesondere in der letzten Runde dem Turniersieg entgegen.
  • Der 2. Platz ging an den Krypton Challenge, bedient von Paul Wiselius. Paul war auch wie seine holländischen Schachfreunde trotz der weiten Anreise von über 800 km wieder mit dabei. Der Programm-Klone des Krypton Regency, ausgestattet mit einem Programm von Gyula Horvath überraschte und konnte den Vizemeister-Titel erringen.
  • Der 3. Platz ging an den Mephisto Rebell 5.0, bedient von Udo Helscher. Udo, auf gut bayerisch „ein gestandenes Mannsbild“ aus München und ein glühender Fan des TSV 1860 München konnte mit dem Abschneiden seines Gerätes sehr zufrieden sein. Nebenbei ließ er interessehalber eine Emulation des Rebel 5 auf einem Notebook mitlaufen, um zu sehen, ob „sein“ Rebel-Modul auch mit deutlich weniger Rechenpower die „richtigen“ Züge machte.
  • Der Viertplatzierte war der Fidelity Elite Avantgarde 2100, bedient von Luuk Hofman. Luuk und sein holländischer Landsmann Hein Veldhuis wechselten sich in der Bedienung ab, so dass die beiden während des Turniers die anderen Partien aktiv mitverfolgen konnten
  • Mephisto Super Mondial, bedient von Gernot Holm. Gernot ist ein Verfechter der „Old School-Geräte“ und einer der am längsten aktiven Teilnehmer bei den D.A.CH.-Turnieren. Seitdem spielt er jeweils immer in der spielschwächeren Gruppe B mit und konnte mit dem Abschneiden seines Zöglings im Tabellenmittelfeld zufrieden sein.
  • Novag Super Constellation, bedient von Wolfgang Spiekermann. Der Super Conny spielte unter seinen Möglichkeiten und enttäuschte etwas. Wolfgang, ein sehr ruhiger und besonnener Mensch, störte sich jedoch nicht daran.
  • SARGON ARB 3.5 12 MHz, bedient von Heiko Berger. Trotz einer deutlichen Beschleunigung auf 12 MHz konnte diese ganz besondere Hardware- Softwarekonstellation nicht überzeugen, was dem doch etwas veralteten Schachprogramm geschuldet sein dürfte. Heiko, der ein besonderes Faible für alte, sehr gut erhaltene Holzgeräte hat, nahm es sportlich, denn dabei sein ist alles.
  • Tiger Grenadier, bedient von Thorsten Schöler. Das Gerät wurde Thorsten, der ein Spezialist und Fan von Retro-Computern ist, leihweise von Alwin zur Verfügung gestellt. Der Verfasser dieser Zeilen hoffte, sich damit endlich einmal weiter vorne zu platzieren. Doch Pustekuchen: das künstliche Geschöpf von Chrilly Donninger enttäuschte trotz des vermeintlichen Hardware-Vorteils (in ihm werkelt ein 32-Bit-Prozessor SH 7034 mit 20 MHz!) auf der ganzen Linie und fand sich am Tabellenende mit lediglich 1,5 Punkten wieder. Alwins beide Geräte bildeten damit sowohl in der Gruppe A als auch in der Gruppe B das Tabellenschlusslicht.


Hier die Abschlusstabelle:

P Computer Score (Tie) 1 2 3 4 5 6 7 8 + / - / =
1: Mephisto MM II 5.5 / 7 15.50 X 0 = 1 1 1 1 1 (+5 -1 =1)
2: Krypton Challenge 15 MHz F20 5.0 / 7 19.00 1 X 1 1 1 1 0 0 (+5 -2 =0)
3: Mephisto Rebell 5.0 4.0 / 7 11.50 = 0 X = 0 1 1 1 (+3 -2 =2)
4: Fidelity Elite Avantgarde 2100 3.5 / 7 9.00 0 0 = X = = 1 1 (+2 -2 =3)
5: Mephisto Super Mondial 3.0 / 7 9.00 0 0 1 = X 0 1 = (+2 -3 =2)
6: Novag Super Constellation 3.0 / 7 7.50 0 0 0 = 1 X = 1 (+2 -3 =2)
7: Chafitz ARB Sargon 3.5 12 MHz 2.5 / 7 8.00 0 1 0 0 0 = X 1 (+2 -4 =1)
8: Tiger Grenadier 1.5 / 7 6.50 0 1 0 0 = 0 0 X (+1 -5 =1)


28 games: +8 -14 =6

Partien der Gruppe B


Gruppe B - Partien Download

Turnierpartien


Fazit

Es war wieder ein überaus interessantes und spannendes Turnier, welchen allen Teilnehmern viel Spaß und Freude bereitet hat. An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an unseren Turnierausrichter Kurt Kispert, welcher seit Anbeginn des Turniers alljährlich für 2 Tage aus Wien nach Kaufbeuren anreist. Besonders möchten wir hervorheben, dass Kurt seitdem ununterbrochen die Siegerpokale für die Gruppen A + B spendet!

Ausblick in die Zukunft

Der Brettschachcomputermarkt ist durch einen anhaltenden Retro-Trend wieder sichtlich in Bewegung geraten. Zum Revelation II haben sich viele interessante Neuerscheinungen wie z.B. das Reflection-Modul oder ein ChessGenius Exclusive sowie der Exclusive King gesellt und die Szene sichtlich belebt. Da können die etablierten High-End-Geräte aus den 90er Jahren, wie z.B. ein Mephisto Genius 68030, ein Tasc R30/R40, ein Mephisto Magellan / Atlanta, ein RISC I/II und selbst eine Version 11 von Fidelity einfach nicht mehr mithalten, sowohl in Bezug auf die Prozessor-Geschwindigkeit als auch von der Spielstärke und Programmqualität/Aktualität. Ein direkter Vergleich zwischen diesen alten Platzhirschen und einem „Next Generation-Gerät“ macht deshalb–selbst bei gedrosselter Geschwindigkeit- auf Dauer keinen Sinn mehr. Es lässt ja auch niemand einen Golf GTI gegen einen Ferrari antreten. Es wird sich zeigen, ob und in welchem Umfang solche Vergleiche noch sinnvoll und realistisch sind oder ob diese Neuerscheinungen zukünftig ausschließlich in einer eigenen „Next-Generation-Gruppe“ gegeneinander antreten sollen.

Hier noch eine kleine Anekdote zum Abschluss, die allen Gegnern von Microsoft Windows ein Lächeln ins Gesicht treiben dürfte: Als Robert nach dem Abendessen wieder an seinen Turnierleitertisch zurückkehrte, musste er feststellen, dass das Turnierverwaltungsprogramm geschlossen worden war und alle bis dato erfassten Ergebnisse verschwunden waren! Die Auflösung: Windows hatte in der Zwischenzeit ein Update durchgeführt und den Rechner automatisch neu gestartet, was zu dem Datenverlust führte (aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit „dachte“ Windows, dass der Rechner nicht mehr in Benutzung wäre) Tja, das kommt davon, wenn man seine Daten nicht regelmäßig sichert… die neue Datenschutz-Grundverordnung lässt grüßen!  Robert bekam die Lage jedoch ziemlich schnell wieder in den Griff und konnte die Paarungen wieder in seinem Turnierprogramm nacherfassen.

Alwin Gruber und Robert Weck

Bilder

siehe auch