Mephisto Risc 1MB

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Mephisto Risc 1MB
Hersteller Hegener & Glaser Jahr: 1992
Elo 2260 Preis 1.998 DM (1.000 €)
Programmierer Schröder, Ed BT-2450
Prozessor ARM2 BT-2630 2201
Prozessortyp 32 Bit Colditz
Takt 14 MHz Rechentiefe 30 Halbzüge
RAM 1024 KB Display 32-stellige Punktmatrix
ROM 128 KB Zugeingabe Magnetsensoren
Bibliothek 80.000 Halbzüge Zugausgabe 64 Feld-LEDs
Spielstufen (fast) alle denkbaren
Maße Modulset für Mephisto Exclusive & München
Stromversorgung   Netz = HGN 5050, 5V / 1A (Plus innen), Batterie nicht möglich
Verwandt Mephisto Risc 2, Tasc ChessMachine
Sonstiges
Elo-Bewertungssystem, Spielstil wählbar, Eröffnungstraining, Weltmeister 1991

Risc1.jpg
Mephisto Risc 1MB Werbeprospekt.jpg

Infos
Mephisto Risc 1MB

Anfang 1992 erschien das Mephisto Risc-Modulset für die modularen Bretter Exclusive und München der Firma Mephisto. Das Schachprogramm stammte von Ed Schröder und war mit der Programmversion identisch, die 1992 in Madrid die Computerweltmeisterschaft gewann. Der Mephisto Risc war der erste Brettschachcomputer, der seine Berechnungen auf der Basis eines sehr leistungsfähigen RISC-Prozessors tätigen konnte. Diese Prozessoren verfügen über einen sehr kleinen Befehlssatz und erzielen bei der Programmausführung eine sehr hohe Geschwindigkeit.

Die Hardware wurde von dem Hersteller der ChessMachine, der Firma Tasc aus Rotterdam, entwickelt. Der Prozessor ist mit effektiven 14 MHz getaktet und kann auf 1 MB RAM für Hash Tables zugreifen. Diese Konfiguration ist von der Rechenleistung im Wesentlichen mit der ChessMachine 512 KB identisch und bringt in Verbindung mit dem hervorragenden Schachprogramm absolute Spitzenleistungen!

Die Ausstattung des Risc ist gut, im Vergleich zum Vancouver oder gar Genius 68030 - Modulset allerdings doch etwas spartanisch. Die sechs Spielstufen sind beliebig einstellbar, die Partie ist vor- und zurückspielbar, der Benutzer kann wählen, ob er lieber gegen einen Brute Force-Rechner oder ein selektives Programm spielt und für Kaffeehausspieler lässt sich das Risc-Modul auf „aggressiv“ stellen. Des Weiteren lässt sich die Sprache von Deutsch auf Englisch umstellen und eine Elo-Berechnung durchführen. Besonders schmerzlich vermisst man einen Speicher für gespielte Partien. Zwar besitzt das Modulset einen Stellungsspeicher, dieser wird jedoch nur tätig, wenn vor dem Ziehen des Spannungssteckers die MEM-Taste betätigt wurde. Diesen Mangel weist auch der Tasc R30 auf, hier ist der Speicher des Genius 68030 vorbildlich, immerhin kann der Anwender bis zu 50 Partien dort ablegen. Ein weiteres Manko dieses Computers ist die Tatsache, dass der Netzadapter nur in das speziell entwickelte Adapter-/Programmmodul an der Vorderseite des Brettes eingesteckt werden kann. Diese Lösung stört etwas beim Spiel, schützt aber den Computer sicher vor Überhitzung. Allerdings sind so Wackelkontakte vorprogrammiert und die laufende Partie kann aufgrund solch eines Wacklers schnell im Nirvana verschwinden.

Der Risc wird genau wie der Polgar mit Hilfe von nur 8 Tasten bedient, sämtliche Features können ohne aufwendiges Handbuchstudium angesteuert werden. Das 32-Stellige Punktmatrixdisplay zeigt neben Stellungsbewertung, Rechentiefe, momentan berechneter Variante und Hauptvariante alle wichtigen Informationen gut ablesbar an, auch die Anzahl der berechneten Positionen pro Sekunde.

Die Eröffnungsbibliothek von Jeroen Noomen hat einen Umfang von ca. 80.000 Zügen und wurde völlig neu geschrieben. Leider weist diese jedoch auch Lücken in selteneren Abspielen auf und spielt für ein Modul dieser Spielstärke etwas variantenarm. Zugumstellungen werden selbstverständlich erkannt, leider jedoch keine Farbvertauschungen.

Im Unterschied zum Genius Modulset oder Vancouver kann der Benutzer die Bibliothek nicht editieren und seinen Bedürfnissen anpassen, auch der Tasc R30 bietet diese Möglichkeit leider nicht. Der Hersteller sollte diese Möglichkeit unbedingt dem Anwender zugänglich machen, ermöglicht doch gerade dieses Feature dem ambitionierten Turnierspieler hervorragende Trainingsmöglichkeiten. Der Name der Eröffnung wird über das Display angezeigt, für den Einsteiger eine nützliche Information.

Die Spielstärke des Moduls liegt bei ca. 2200 Elo. Der Risc spielt ein sehr druckvolles positionelles Schach, wobei die große Stärke ohne Frage das Mittelspiel ist. Strategisch macht diesem Programm kaum ein anderes Gerät Konkurrenz. Natürlich zeigen sich auch bei diesem Gerät Schwächen. So werden etwa sehr gerne Bauern gezogen, was gelegentlich zur Folge hat, dass der Königsflügel entblößt wird oder die Entwicklung der übrigen Figuren in Rückstand gerät.

Im Endspiel setzt sich der positive Eindruck fort, ohne allerdings vollends zu überzeugen. Auch das volle Megabyte Hash Tables kann nicht jede Wissenslücke wettmachen. Trotzdem kann von einem intelligenten Programm mit „Wissen“ gesprochen werden. Seine besten Leistungen zeigt der Risc bei längeren Bedenkzeiten und Langzeitanalysen. Hier kann das Programm seine Fähigkeiten voll ausspielen.

Das Risc - Modulset bietet eine sehr hohe Spielstärke bei ausreichendem Komfort. Zielgruppe dürften alle Spieler sein, die gerne Partien mit längeren Bedenkzeiten spielen. Wer allerdings auch wert auf einen sehr hohen Komfort, z.B. Partienspeicher usw. legt, sollte gleich zum etwas teueren Genius 68030 greifen.


Beispielpartien