Novag Piccolo
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ab 1987: Quarzoszillator 15 MHz (intern ca. 7,5 ?)
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Der Novag Piccolo war ein kompakter Reise-Schachcomputer aus der mittleren 1980er-Jahre-Einsteigerklasse. Auf den ersten Blick wirkte er unspektakulär: kein Display, keine Sprachausgabe, keine luxuriöse Holzoptik, stattdessen ein kleines Kunststoffgerät mit Drucksensorbrett und Rand-LEDs. Genau diese Reduktion war aber sein Kernkonzept: Schach „to go“, schnell startklar, robust, bezahlbar und ohne Schnickschnack. Im Portfolio von Novag stand der Piccolo sinnbildlich für den Versuch, Schachcomputer-Technik in die Jackentasche zu bringen, ohne die Bedienung auf eine kryptische Tastatur-Notation zu reduzieren. Der Piccolo richtete sich damit weniger an Turnierspieler als an Gelegenheitsspieler, Reisende und Sammler, die die frühe Ära der Miniaturisierung schätzen. Entwicklung und MarktpositionDer Piccolo wurde ab 1985 angeboten, eine schnellere Variante erschien ab 1987. Technisch fiel er in eine Zeit, in der die Hersteller (Novag, Fidelity, Mephisto/Saitek u. a.) ihre Einsteigergeräte stark über Preis und Bedienkomfort differenzierten: kleine Bretter, einfache Anzeigen (LEDs statt Display), wenige Stufen, dafür solide Grundfunktionen wie Rochade, en passant und Bauernumwandlung. HardwareProzessor und SpeicherAls CPU diente ein 80C49-Singlechip mit 6 MHz Takt. Eine spätere Geräteversion verwendete einen Quarzoszillator mit 15 MHz, der intern mit ca. 7,5 MHz getaktet wurde. Der Speicher war extrem knapp dimensioniert (2 KB ROM, 128 Byte RAM). Das erklärt vieles, was man beim Spielen „spürt“: kurze Varianten, begrenztes Positionswissen, wenig strategische Tiefe, dafür manchmal verblüffende Taktik, wenn der Horizont gerade reicht. Brett und AnzeigeDer Piccolo besaß ein Drucksensor-/Peg-Sensory-Brett: Figuren wurden in Vertiefungen gesetzt bzw. gedrückt, die Eingabe wurde über Sensorpunkte registriert. Als Anzeige dienten 16 Rand-LEDs, die Züge und Statusmeldungen signalisierten. Ein Textdisplay fehlte, typisch für damalige konsequent kostenoptimierte Reisegeräte. StromversorgungDer Betrieb erfolgte über eine 9V-Batterie; ein Netzadapter war je nach Ausführung/Markt nicht vorgesehen. Software und SpielverhaltenProgrammautorenschaft (Zuordnung)In Sammlerkreisen wird das Programm häufig David Kittinger zugeschrieben. Im Schachcomputer.info Forum wird dagegen Julio Kaplan als Programmierer genannt und mit einer Theorie begründet.[1] In der Praxis ist bei vielen Low-/Midrange-Geräten dieser Zeit eine eindeutige Zuordnung nicht immer trivial (Lizenzierungen, Varianten, unterschiedliche Märkte/Revisionen). FunktionsumfangDer Funktionsrahmen war „klassisch 80er“: Regelkonformes Spiel inkl. Rochade, en passant und Bauernumwandlung (mindestens zur Dame; Einschränkungen sind je nach Revision bekannt).
Positionsaufbau und Positionskontrolle/Verify sind vorhanden. „Mate-in-two“ (Matt in 2) wurde als Problemlösefähigkeit beworben. Praktische Einschränkungen werden ebenfalls berichtet, z. B. fehlende Unterverwandlungen. Weitere, in Sammlerkreisen diskutierte Limitierungen betreffen teils Spezialregeln (z. B. dreifache Stellungswiederholung). SpielstufenDer Piccolo besaß 8 Spielstufen. Die Stufen waren zeitbasiert bzw. als Reaktions-/Bedenkzeiten ausgelegt: von sehr schnellen Zügen bis zu einer längeren „Turnier/Analyse“-ähnlichen Einstellung (bei der Mini-Hardware jedoch klar begrenzt).
Charakter: „taktisch frech, strategisch dünn“Der Piccolo wird als Gerät beschrieben, das taktisch gelegentlich zubeißt, aber strategisch anfällig ist, ein typisches Profil kleiner Programme mit engem Suchhorizont. Gerade im Reise-/Gelegenheitsspiel kann das trotzdem Spaß machen: Der Piccolo spielt zügig, macht Druck, übersieht aber langfristige Schwächen und positionelle Pläne. Wer ihn „langweilig“ nennt, spielt meist zu ernst, wer ihn wie einen 80er-Jahre-Sparringspartner behandelt, entdeckt seinen Charme. SpielstärkeDie Elo-Listen zeigen Werte im Bereich von etwa ‘’’900 bis 950 Elo’’’ an, wobei diese stark vom Testumfeld, der Zeitkontrolle und der Geräteversion abhängen. Wichtig ist dabei die Unterscheidung der Revisionen: Die spätere, schnellere Variante (15 MHz Quarz) kann in der Praxis etwas besser abschneiden, nicht weil sie „klüger“ wäre, sondern weil sie in gleicher Zeit etwas tiefer bzw. breiter suchen kann. Varianten und RevisionenEs finden sich zwei Ausführungen:
Bedienung in der PraxisDie Bedienlogik war konsequent auf Einfachheit getrimmt:
Das ist nicht so „edel“ wie ein vollsensitives Holzbrett, aber erstaunlich fehlertolerant und unterwegs funktional. Genau deshalb haben solche Geräte ihre Fans: Man kann sie aufklappen, eine Partie spielen, wieder einpacken, ohne Aufbauzeremonie. Rezeption und heutiger SammlerwertDer Piccolo gehört nicht zu den legendären Turniermaschinen, sondern zu den Geräten, die damals in großer Zahl den Markt verbreiterten. Heute ist er interessant für: Sammler von Novag-Linien (Einsteiger → Mittelklasse → Spitzenmodelle), Fans von Reise-/Miniaturgeräten mit LED-Anzeige, Nostalgiker, die den „80er-Jahre-Charakter“ mögen: schnell, direkt, manchmal herrlich naiv, und gerade deshalb sympathisch. WeblinksEinzelnachweise |
