CLJ L’Empereur
| CLJ L’Empereur | ||
|---|---|---|
| Hersteller | CLJ | |
| Markteinführung | 1984 | |
| CElo | ca. 1500 | |
| Programmierer | Lang, Richard | |
| Prozessor | Z80 | |
| Prozessortyp | 8 Bit | |
| Takt | 4 MHz | |
| RAM | 2 KB | |
| ROM | 16 KB | |
| Bibliothek | ca. 3000 Halbzüge | |
| Einführungspreis | 3000 Franc (ca. 1000 DM) | |
| Rechentiefe | ||
| BT-2450 | ||
| BT-2630 | ||
| Colditz | ||
| Verwandt | Sandy Electronic TSB 4 La Regence, CXG Chess 3000, CXG Chess 2001, Hanimex HCG 1900 | |
| Zugeingabe | Magnetsensoren | |
| Zugausgabe | 64 Feld-LEDs | |
| Display | --- | |
| Stromversorgung | ||
| Spielstufen | 12 | |
| Maße | ||
| Sonstiges | ||
| Basiert auf dem Schachprogramm "Cyrus" von Richard Lang | ||
L’Empereur war ein elektronischer Schachcomputer, der 1984 vom französischen Unternehmen CLJ Industries vorgestellt wurde. Das Gerät zeichnete sich durch eine Kombination aus leistungsfähigem Schachprogramm, hochwertiger handwerklicher Verarbeitung und einer klaren Positionierung im Premiumsegment aus. Trotz seines technischen Anspruchs erwies sich L’Empereur, ebenso wie der 2 Jahre zuvor erschienene Schachcomputer La Régence, als kommerzieller Misserfolg.
Entwicklung
Die Entwicklung von L’Empereur erfolgte Anfang der 1980er-Jahre unter Beteiligung des britischen Internationalen Meisters David Levy, einer zentralen Figur der internationalen Computerschachszene. Levy unterstützte das Projekt konzeptionell und organisatorisch.
Das Schachprogramm wurde von Richard Lang entwickelt, der zu dieser Zeit für die Firma Intelligent Chess Software tätig war, ein Unternehmen von David Levy und Kevin O’Connell. Lang zählte in den 1980er-Jahren zu den erfolgreichsten Programmierern von Schachsoftware und war für zahlreiche Turniererfolge von Mikrocomputerprogrammen verantwortlich.
L’Empereur nahm 1984 an der 4. World Microcomputer Chess Championship (WMCCC) in Glasgow teil. Da zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Hundert Geräte produziert worden waren, wurde der Schachcomputer offiziell als kommerziell erhältlich anerkannt, was eine Voraussetzung für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft darstellte.
Hardware und Software
Der Schachcomputer basierte auf einem Zilog-Z80-Prozessor mit 4 MHz. Die Speicherausstattung umfasste 16 KByte ROM für das Schachprogramm sowie 2 KByte RAM für die laufenden Berechnungen.
Das Programm verfügte über 12 Spielstufen, darunter:
- feste Spielstufen mit unterschiedlichen Bedenkzeiten, eine Turnierstufe,
- eine unbegrenzte Rechenstufe zur Analyse und Problemlösung, sowie eine adaptive Stufe, bei der sich die Rechenzeit automatisch an das Spieltempo des menschlichen Gegners anpasste.
Eine integrierte Eröffnungsbibliothek mit über 3.000 Halbzügen unterstützte das Programm in der Anfangsphase der Partie.
Funktionen und Spielbetrieb
L’Empereur bot für seine Zeit eine umfangreiche Ausstattung. Zu den Funktionen gehörten unter anderem:
- die Änderung des Spielniveaus während einer laufenden Partie
- die Rücknahme von bis zu 80 Halbzügen
- die Überprüfung der aktuellen Stellung
- die Wiedergabe der gespielten Partie
- Zugvorschlag („Tipp-Taste“)
- die Anzeige des vom Computer während der Berechnung in Betracht gezogenen Zuges
Der Computer beherrschte sämtliche Schachregeln, darunter Rochade, En-passant-Schlagen, Bauernumwandlung einschließlich Unterverwandlung, sowie die gängigen Remisregeln (Patt, 50-Züge-Regel, dreifache Stellungswiederholung). Illegale Züge wurden automatisch zurückgewiesen.
Darüber hinaus konnte L’Empereur:
- Partien zwischen zwei menschlichen Spielern überwachen,
- Pondern
- die Spielfarbe wechseln,
- Schach, Matt und Remis über Leuchtdioden signalisieren und den Ton abschalten.
Design und Ausstattung
Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal von L’Empereur war sein Holzgehäuse in französischer Marketerie-Ausführung, das traditionelle Handwerkskunst mit moderner Elektronik verband. Damit unterschied sich das Gerät deutlich von den überwiegend aus Kunststoff gefertigten Schachcomputern jener Zeit.
Ausgeliefert wurde L’Empereur mit einem vollständigen Figurensatz, einschließlich je zwei Damen pro Farbe, sowie einem Netzadapter.
Marktposition
Mit einem Verkaufspreis von 3000 Franc (etwa 1.000 DM) war L’Empereur klar im gehobenen Marktsegment positioniert. Ungewöhnlich für Schachcomputer der 1980er-Jahre war die von CLJ Industries gewährte zweijährige Garantie, die die Zuverlässigkeit der Technik unterstreichen sollte.
Trotz seiner technischen Ausstattung, der Beteiligung prominenter Entwickler sowie der Teilnahme an internationalen Wettbewerben blieb der wirtschaftliche Erfolg aus. L’Empereur erwies sich, ähnlich wie der zuvor erschienene Schachcomputer La Régence, als kommerzieller Misserfolg, was zur kurzen Marktpräsenz des Geräts beitrug. Die nachweisbare Vermarktung konzentrierte sich auf die Jahre 1984 bis 1986.
Bedeutung und Rezeption
Ungeachtet seines fehlenden Markterfolgs galt L’Empereur als ein bemerkenswertes Beispiel für die europäische Schachcomputerentwicklung der 1980er-Jahre. Das Gerät vereinte ein leistungsfähiges Schachprogramm von Richard Lang, die Beteiligung führender Akteure der Computerschachszene sowie eine hochwertige, handwerklich geprägte Gestaltung.
In der Sammler- und Computerschachszene wird der L’Empereur wegen seiner technischen Ambitionen, seines außergewöhnlichen Designs und seiner historischen Einordnung als seltenes und charakteristisches Gerät geschätzt.
Bilder
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Werbeanzeige von CLJ aus dem französischen Magazin "TILT 017" (1984)
