CXG Chess 3000

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CXG Chess 3000
Chess 3000.JPG
Hersteller CXG
Markteinführung 1986
Preis 700 DM
Ende 1987 460 DM
Prozessor Z80
Prozessortyp 8 Bit
Takt 4 und 8 MHz
RAM 2 KB
ROM 16 KB
Bibliothek 3.000 Positionen
Programmierer Richard Lang
Elo 1570
Rechentiefe  ? Halbzüge
BT-2450
BT-2630
Colditz
Verwandt CXG Chess 2001

Sandy TSB 4 La Regence

Zugeingabe Magnetsensoren
Zugausgabe 64 Feld-LEDs
Display ---
Stromversorgung 9V / 300 mA - z.B. HGN 5001
Spielstufen 12
  • 9x Durchschnittszeit
  • Anpassung an den Gegner
  • Analyse
  • Mattsuche
Maße 34 x 34 x 5 cm
Sonstiges

  • Europameister 1981, Erster Schachcomputer mit Richard Lang "inside"
  • Die späteren Baureihen aus dem Jahr 1988 wurden mit einem schnelleren 16 MHz (intern 8 MHz) Quarz ausgestattet.

Level-Info - © Theodor Heinze
Level Info
Bedenkzeit Level
30 Sek. / Zug 4
30 Min. / Partie -
60 Sek. / Zug 6
60 Min. / Partie -
Turnier 8/9
Analyse 11



Richard Langs Gesellenstück

Chess 3000 von Newcrest Technology von Bernd Schneider (aus Computer Schach & Spiele / Heft 1 / Februar 1987)


Im Spätherbst 1986 kam ein neues Gerät der Firma Newcrest Hong Kong auf den Markt - das erste im Holzgehäuse. Bernd Schneider hat es sich angesehen und versucht, seinen Platz im Konzert der Geräte, die den Markt beherrschen, zu bestimmen.


Es kam Anfang November unverhofft und überraschend in der Redaktion an. Beim Öffnen der Verpackung mit dem Absender des Importeurs, Lorenz Siwek in Fürth, nahmen wir zunächst an, es handle sich um einen „Super Enterprise". Dieser kam vielleicht zur Begutachtung einiger Detailverbesserungen zu uns? Doch weit gefehlt: Das Innere der Verpackung barg ein bildhübsches Holzgerät im Format 34 x 34 x 5 cm. Die Bezeichnung: „Chess 3000" von Newcrest Technologies in Hong Kong. Schnell waren die Figuren aufgestellt und der beigefügte Adapter angeschlossen. Wo aber waren die Bedienungselemente für Spielstufen etc.? Richtig: An der Gerätevorderseite befindet sich ein Knauf, an dem man ziehen kann, und der dann eine Schublade enthüllt, auf der alles Nötige angeordnet ist. Wo haben wir so etwas bloß schon einmal gesehen...?

Die Oberfläche dieser Bedienungseinheit birgt leider keinerlei Display, es gibt lediglich (wie bei den meisten Computern) sechzehn Druckschalter, die in sehr übersichtlicher Weise den verschiedenen Funktionen zugeordnet sind. In allen Fällen bis auf die Black/White-Schalter sind es längliche Tasten, die angenehm zu bedienen sind, die Farbwahltasten hingegen sind schlicht und einfach rund. Ganz rechts in der Schublade sitzt der Geräte-Hauptschalter.

Eher ein Positionalist

Platine mit 16 MHz

Ein kurzes Spiel voller Leichtsinn (wie bei der ersten Partie üblich) läßt zwar den Spieler den Kürzeren ziehen, enthüllt jedoch auch, daß das Gerät mit Sicherheit kein wildentschlossener Kämpfer, sondern eher ein vorsichtiger Positionalist ist. Dabei fällt auf, dass die Figuren einem irgendwie bekannt vorkommen, Größe und Form sind vertraut. Ein kurzer Blick in die Runde der Testgeräte erbringt des Rätsels Lösung: Sie gleichen denen des Mephisto Exclusive, allerdings sind jene etwas mehr auf Hochglanz poliert. Ein Nebeneinanderstellen dieser beiden Geräte führt zu einer gewissen Unsicherheit, welches besser gestaltet sei. Mancher findet gewiss den „3000" schöner, ein anderer den Mephisto.

Um die Recherchen zu vollenden, wird der Neue kurzerhand geöffnet. Und siehe da, etwas sehr seltenes tut sich auf: In diesem Gerät arbeitet ein Z80 A als CPU, begleitet von einem 8-MHz-Quarz. Kurzerhand wird, trotz später Stunde, der Importeur Lorenz Siwek angerufen (er ist sogar noch in seinem Büro). Von ihm erhalten wir die nachfolgenden Angaben über Programm- und Speichergröße: „8 x 8 K ROM, 2 x 8 K RAM". So. Hat da nun ein gewitzter Hersteller wieder einmal mit Kilo-Bit operiert oder sind es Byte? Denn ein ROM-Umfang von nur 8 Kilobyte erschiene doch gering - 64 KByte hingegen recht viel. Und ein Arbeitsspeicher von 16 KByte wäre ebenfalls sehr groß.

Hier liefert nun das Handbuch einen Hinweis. Es verrät, dass bei Zugrücknahmen bis zum 40. Zuge alle, ab dann nur noch 16 Züge zurücknehmbar sind. In 16 K RAM sollte man aber mühelos auch die längste Partie unterbringen, also handelt es sich wohl doch nur um 2 KByte RAM. Demnach wird der ROM-Umfang tatsächlich 8 KByte betragen. Lorenz Siwek berichtet noch, dass man im Prinzip das Programm „Chess 2001" aus der Software Firma David Levys verwendet habe. Sein Vorläufer „Cyrus", das einst auch eine Europameisterschaft gewann, wurde von keinem Geringeren als Richard Lang geschaffen! Nicht bekannt ist, wer die „weiteren Verbesserungen", von denen die Rede ist, durchgeführt hat. Die technischen Daten verraten, dass der Prozessor auf 2 MHz heruntergetaktet ist. Diese Angaben lassen nicht unbedingt überragende Spielstärke erwarten.

„Charakter" ist vorhanden

Die langsame Gewöhnung an den neuen Chess 3000 führt zur Einstufung als sehr leicht bedienbarem, sympathischen Gerät (überhaupt: Man sollte endlich anfangen, „Charakter" als Bewertungskriterium für Schachcomputer einzuführen. Chess 3000 hat Charakter). Die Verarbeitung des Neuankömmlings ist trotz des bildhübschen Äußeren nicht auf dem Niveau etwa eines Exclusive oder Expert. Die Schublade muss ohne Führungsschienen auskommen, was das Herausziehen erschwert. Von unten her ist sie mit recht primitiven Leichtmetallbändern versteift. Das Gerät liegt flach auf seiner Unterlage, es fehlen ihm Gummi- oder Filzfüßchen (inzwischen hat es dank unseres Mitleides welche). Die Passung der einzelnen Holzteile ist nicht überall perfekt; zwischen Brett und Umrandung sieht man getrocknete Leimreste hervorlugen. Dennoch vermögen diese Mängel nicht den positiven Eindruck zu trüben, den man vom Äußeren des Gerätes hat. Die Kanten des Chess 3000 sind in barocker Manier gestaltet, zusammen mit dem recht dunklen Holzton ergibt sich ein altmodisch-vornehmes Aussehen, das den meisten Betrachtern gut gefällt.

Delay für Zögerer

Während des Spieles fällt auf, dass Chess 3000 nach Figurenbewegungen des Gegners stets eine Sekunde zögert, ehe der angenehme Summton zu erkennen gibt, dass der Zug „verstanden" wurde. Dieser „Delay" ist Software-gesteuert, er sichert die Zugausführung vor Missverständnissen. Und er gestattet es dem Unsicheren, doch schnell noch einmal vom Zielfeld zu flüchten, wenn er erkennt, dass das Geplante nicht ganz das Wahre ist. Steht die gezogene Figur jedoch erst einmal, sprechen die Reed-Kontakte des Chess 3000 auch bei schlampig hingestellten Figuren gut an. Züge lassen sich zurücknehmen und wieder vorspielen (allerdings nur innerhalb der besagten 40 Schachcomputer Züge-Grenze), und der Computer kann während des Rechenvorganges veranlasst werden, den bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt für den besten gehaltenen Zug sofort auszuspielen. Auch der angenehme Ton kann gänzlich zum Schweigen gebracht werden. Das interne Brett leert sich, wenn keine Figuren auf dem Spielfeld stehen, von selbst und gestattet danach schnelles und sicheres Eingeben von Stellungen. Ebenso kann die aktuelle Stellung während eines Spieles jederzeit rasch und problemlos abgefragt werden. Etwas irritiert hat uns, dass der Chess 3000, wenn er Züge ausgeführt haben möchte, sein jeweiliges Zielfeld-LED konstant leuchten lässt, während das des Ausgangsfeldes blinkt. Die übrigen Geräte auf dem Markt halten es umgekehrt.

Zwölf Spielstufen stehen zur Verfügung, deren kürzeste den Computer zu praktisch sofortigem Ziehen veranlasst, während er sich auf der höchsten dreieinhalb Minuten Zeit lässt. Merkwürdigerweise ist die für Turniere geeignete Spielstufe nicht etwa auf 3 Minuten durchschnittlicher Bedenkzeit eingerichtet (oder noch besser auf 40 Züge in 2 Stunden), sondern auf 2 Minuten 45 Sekunden. Auf Spielstufe 10 passt Chess 3000 seine eigene Bedenkzeit der des Gegners an, Stufe 11 ist die Analysestufe und Stufe 12 die Mattsuchstufe.

Nomen est omen?

Ungefähr 3000 fest gespeicherte Eröffnungszüge stehen dem Chess 3000 (nomen est omen?) zur Verfügung. Manchmal hat man allerdings das Gefühl, dass er nichts mit der Stellung anzufangen weiß, in die ihn seine Eröffnungsbibliothek führt. Zugumstellungen kann er nicht erkennen. Das vorhandene Repertoire ist eher breit als tief angelegt und enthält die meisten Standarderöffnungen. Der vorhandene Zufallsgenerator hat auf die Zugentscheidungen des Gerätes großen Einfluss, es kommt, wenn man einen Zug wiederholen lässt, sehr oft etwas Neues dabei heraus. Abschalten lässt sich dieser elektronische „Würfel" nicht.

Der Spielstil des Chess 3000 wirkt „weich", er schlägt selten wild um sich, sondern geht allfälligem Figurenabtausch eher aus dem Wege. Nicht sehr stark ausgeprägt ist das Kapitel „Königssicherheit" bei ihm - bisweilen wandert der g-Bauer unvermittelt los, die Rochadestellung grausam in Schwierigkeiten bringend. Man sieht auch häufig Pendelzüge des Königs (Kg1-h1-g1) bzw. die „Rücknahme" eines soeben gemachten Zuges. Chess 3000 liebt die Turmverdoppelung, platziert diese jedoch oft auf den falschen Linien. Läufer und Springer tauscht er, wenn es sein muss, ohne Ansehen des Wertes, Turmendspiele sind ihm ein Gräuel. Positionell ist er nicht schlecht, besser z.T. als etwa der alte Constellation, dem er allerdings taktisch das Wasser nicht zu reichen vermag. Dreizügige Matts sind immer recht fix drin, ab da jedoch sieht es recht dunkel aus.

Und wie stark spielt er insgesamt? Um ganz ehrlich zu sein: Wir hatten Mühe, einen gleichstarken „Partner" für dieses Gerät zu finden - der Rest der Welt ist einfach wesentlich stärker. Erst in Partien gegen den alten Mephisto II ergaben sich einige Gewinne für den Neuen. Bereits dem Turbo 16K ist er merklich unterlegen. Seine Spielstärke könnte um die 1700 Elo liegen. Man fragt sich: Ist dies noch zeitgemäß im Jahre 1987, wo sich ein „Dallas" in ungeahnte Spielstärke-Höhen emporschwingt, wo es einen „Maestro" gibt, einen „Forte" und einen „Par Excellence"?

Wir meinen: Ja. Denn wieviele Schachcomputer Besitzer können diese Leistungen überhaupt noch ausreizen? Der Aufschwung der kleinen 16-K-Geräte zeigt doch, dass viele mit weniger zufrieden sind. Diese hätten aber vielleicht doch gern einen Computer in einem schönen Holzgewand, wie es der Chess 3000 hat. Wobei sich allerdings ein weiteres Problem stellt: Mit knapp DM 700,- (incl. Adapter) ist dieses Gerät angesichts seiner geringen Spielstärke immer noch zu teuer, als dass man ihm großen Erfolg prophezeien könnte. Es kostet genau soviel wie der Leonardo, lässt jedoch die Erweiterungsmöglichkeiten für stärkere Spieler vermissen. Und dieses Handicap sollte sich im Preis deutlicher niederschlagen.

Dennoch kann Chess 3000 sehr viel Freude bereiten - und vielleicht ist er aufgrund der gedrosselten Leistung für einige Käufer sogar sympathischer als alle die Spielstärke-Bullen auf dem Markt. Insofern möchten wir ihn vorsichtig als Vorreiter eines neuen Trends bezeichnen: Weg von der Super Power hin zu Leistungen, die nicht jedem Normalspieler gleich Minderwertigkeitsgefühle bereiten.

Welcome, Chess 3000.

Bilder

© Pictures by Theodor Heinze

Chess 3000
Verpackung
Tastatur
BDA


Partiebeispiele