Novag Constellation Forte

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Novag Constellation Forte
Hersteller Novag Jahr: 1986
Elo 1816 Preis 798 DM (400 €)
Programmierer Kittinger, David BT-2450
Prozessor 6502 BT-2630
Prozessortyp 8 Bit Colditz 1864 (Forte B Version)
Takt 5 MHz Rechentiefe 28 Halbzüge
RAM 4 KB Display 10-stelliges LCD
ROM 64 KB Zugeingabe Drucksensoren
Bibliothek 20.000 Halbzüge Zugausgabe 16 Rand-LEDs
Spielstufen 30 Standard-Spielstufen und 1 Analysestufe / Beliebige Zeit/Züge-Kombinationen als Spielstufen
Maße Brettgröße 22,5 cm, Köningshöhe 5 cm
Stromversorgung   Netz = 8,5V AC, 850 mA / Batterie
Verwandt -
Sonstiges
- kann nicht mit Läufer und Springer Matt setzen

Novag Forte 2.jpg
Novag Constellation Forte.jpg

Infos
Im Herbst 1986 erschien endlich der erste Novag-Schachcomputer mit Display auf dem Markt: Der Constellation Forte. Mit 5 MHz ist er etwas schneller als der Super Constellation, 64 KByte ROM und 4 KByte RAM stehen für Schachwissen zur Verfügung.


  • Ausstattung / Bedienungskomfort:

Wohltuend hebt sich der Forte von seinen Plastik-Vorgängern ab, indem er wenigstens vorgibt, aus edlem Holz zu sein. Dass im Endeffekt wieder nur Kunststoff dahintersteckt, ist zu verschmerzen, weil das Styling als gelungen bezeichnet werden kann. Die Größe des Spielfeldes und der Figuren entspricht der des Super Constellation, die Verarbeitung ist wie auch beim legendären Vorgänger eher unterdurchschnittlich. Die Anzahl der Bedienungstasten ist gleich geblieben, nur sind jetzt noch mehr Funktionen dazugekommen, was oft zu Verwirrung führt. Zum Beispiel ist es nach dem Einstellen von RANDOM/TOURNY/NORMAL (Bedeutung siehe später) nicht notwendig, mit der GO-Taste abzuschließen, sehr wohl aber bei allen anderen Funktionen. Hier wäre etwas mehr Einheitlichkeit aber vor allem Übersichtlichkeit am Platz. Als ausgesprochener Hit erweist sich die neue 10-stellige LCD-Anzeige, die erstmals in ein Novag-Gerät eingebaut wurde. Hier lässt sich Einblick in den Rechenvorgang nehmen, lassen sich Informationen abrufen usw. 43 verschiedene Anzeige-Möglichkeiten sind in der Bedienungsanleitung angeführt, diese Aufstellung ist aber nicht vollständig. Hier eine kleine Auswahl der Möglichkeiten: Anzeige der Hauptvariante (max. 8 Halbzüge), der Rechentiefe, des bisher besten gefundenen Zuges + Stellungsbewertung, der Anzahl bisher untersuchter Stellungen, der Zeit für den letzten Zug + Gesamtzeit, Zugnummer + letzter Zug von Schwarz und Weiß usw. usw. Die 10-stellige Anzeige erweist sich als praktischer als zwei 4-stellige Anzeigen. Auch ein "rotierendes Display" nach Art des Mephisto Amsterdam/Dallas ist vorhanden. Es ist jedoch übersichtlicher, da nicht die gesamte Anzeige blinkt, sondern nur ein "M" am linken Rand. Die Anzeige wird von einem "Plastikdach" geschützt, was an und für sich eine gute Idee ist, doch die Ausführung ist leider schlecht gelungen. Erstens ist dieses "Dach" überempfindlich gegen Kratzer, sodass bei etwas rauerer Behandlung bald eine gewisse "Erblindung" des Materials eintritt, und zweitens ist bei bestimmter Beleuchtung die Blendwirkung so groß, dass man überhaupt nichts mehr vom Display sieht und ständig auf der Suche nach dem richtigen Blickwinkel ist. Positiv fällt auf, dass noch zusätzliche 8 Spielstufen realisiert wurden, darunter auch eine mit freier Zeiteinteilung (X Züge in Y Minuten). Hier noch eine Auswahl der weiteren Neuheiten:

Mit NEXT BEST kann man (angeblich) den nächstbesten Zug suchen lassen. Die Bezeichnung "NEXT BEST" ist jedoch irreführend, da nicht etwa der eben gespielte Zug aus der Zugliste gestrichen wird (wie beim Amsterdam), sondern nur ein Zug mit "ähnlich guter" Bewertung gesucht wird. Es kann also durchaus vorkommen, dass immer wieder der gleiche Zug durchgeführt wird. Auch Nebenlösungen bei Schachproblemen können nur bedingt - wenn überhaupt - gefunden werden.

Mit SELF PLAY kann man - wenn man wirklich nichts besseres zu tun hat - den Forte gegen sich selbst spielen lassen, wobei sich für Weiß und Schwarz verschiedene Spielstufen einstellen lassen. Ähnlich dem Leonardo von SciSys hat der Forte eine Schnittstelle zu IBM-kompatiblen Computern (und im Gegensatz zum Leonardo nur zu solchen).


  • Eröffnung:

Die Eröffnungsbibliothek des Forte entspricht mit ihren etwa 20.000 Halbzügen etwa der des Super Constellation oder des Expert. Mit "Gambit Book" kann man speziell die Gambit-Eröffnungen anwählen, was meist ein recht abwechslungsreiches Spiel ergibt. Neu ist die Umschaltmöglichkeit zwischen RANDOM/TOURNY/NORMAL. Während RANDOM dem eingeschalteten Zufallsgenerator entspricht, bedeutet TOURNY, dass - im Gegensatz zu NORMAL - nur spezielle Turniereröffnungen aus der Bibliothek gewählt werden. Was an und für sich ein lobenswerter und guter Ansatz ist, entpuppt sich bei näherer Ansicht als Schlag ins Wasser, da die TOURNY-Eröffnungen schlecht ausgewählt sind und den Forte oft mit Stellungen ins Mittelspiel entlassen, in denen er sich nicht "auskennt" - und gerade das sollte ja vermieden werden. Negativ ist zu bemerken, dass noch immer keine Zugumstellungen erkannt werden. Wie bei den beiden Vorgängern kann man auch beim Forte eigene Eröffnungen programmieren (Novag ist der "Erfinder" der programmierbaren Eröffnungsbibliothek). Die Eingabe wurde einfacher gestaltet, es wird keine Schablone mehr benötigt. Irgendwo scheint sich jedoch ein kleiner Fehler eingeschlichen zu haben, da bei einer bestimmten Tastenfolge im Display der Zug h7-h7 erscheint und das Gerät sich weigert, einen regulären Zug auszuführen.


  • Mittelspiel:

Taktisch ist das Programm etwas stärker als seine Vorgänger und reicht an andere Spitzengeräte heran. Das Programm arbeitet hauptsächlich nach der A-Strategie, doch gibt es auch eine selektive Komponente (daran erkennbar, dass die Hauptvariante oft länger ist als die Brute-Force-Suchtiefe), die etwa 0 bis durchschnittlich 2 und maximal 4-6 Halbzüge tiefer gehen dürfte. Aber auch ein Matt in 5 wurde bei einer Suchtiefe von nur 5 Halbzügen Brute Force schon einmal angesagt. Positionell spielt der Forte schlecht. Bei einem Schnellturnier (15 Min./Partie) gegen Spieler aller Elo-Klassen traten oft entscheidende Fehler auf. Auf Turnierstufe bessert sich dieser Mangel, ist jedoch nicht auszurotten. Seine nahe Verwandtschaft zum Super Conny ist nicht zu übersehen.


  • Endspiel:

Hier taucht leider ein Programmfehler auf. Bei gewissen Materialkonstellationen (z.B. S+L+K gegen K) rechnet das Programm nicht tiefer als die erste Variante des 6.Halbzuges, auch wenn noch Stunden an Zeit zur Verfügung stehen. Nur auf Fernschachstufe tritt dieser Mangel nicht auf. Äußerst enttäuschend: Das S+L-Matt - vom Super Constellation als erstem Computer wirklich einwandfrei beherrscht - funktioniert nicht einmal mehr ansatzweise. Man merkt sofort: Hiervon hat der Rechner keine Ahnung. Ansonsten erreicht der Forte etwa das Niveau seiner Kollegen.


  • Blitzschach:

Im Blitzschach ist der Forte kaum stärker als ein anderes Novag-Gerät. Gegen Menschen schneidet er interessanterweise immer recht passabel ab, aber gegen andere Computer fällt er ab. Manchmal stellt er einen ganzen Bauern ein. Bei dem schon angesprochenen Schnellturnier erreichte er eine Turnier-Elo-Zahl von etwa 1850. Positionell spielt er im Blitzschach weniger gut.


  • Turnierschach:

Je länger man dem Forte Zeit gibt, desto stärker wird er. Auf Turnierstufe kommen nahezu keine taktischen Fehler mehr, positionell bleibt er weiter anfällig. Das größte Problem besteht für das Programm anscheinend darin, eine gewonnene Stellung auch wirklich zu gewinnen. Im größten Trubel, wenn es auf jedes Tempo ankommt, oder aber wenn ein druckvoller positioneller Zug notwendig wäre, kann es schon mal vorkommen, dass ein unschuldiges Kgl-hl bzw. Kg8-h8 davon Zeugnis gibt, dass ihm nichts einfallen will. Ein Testturnier gegen den Mephisto Amsterdam endete 7:3 für Mephisto, aber in zwei (!) Partien verlor das Novag-Gerät eine bereits gewonnene Stellung!! (Stellungsbewertung bereits mehrere Züge lang ca. 2.50 beim Forte und ca. -2.00 beim Mephisto) Ein Mal konnte sich Mephisto mit Glück in ein Dauerschach-Remis retten. Ich denke, dass ein Tuning des Forte viel bringen würde. Die ihm zur Verfügung stehende Zeit nützt der Forte voll aus, manchmal wird die Bedenkzeit auch überschritten.


  • Fernschach:

Mit seiner maximalen Suchtiefe von 28 Halbzügen kann man den Forte auch zum Analysieren von Endspielen mit wenig Steinen einsetzen (im Gegensatz zu den Mephisto-Geräten). Meiner Ansicht nach ist das Novag-Gerät dem Computer-Weltmeister '85 ab einer Bedenkzeit von ca. 12 Stunden/Zug ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Leider ist das Fernschach wegen des großen Zeitaufwandes immer noch ein Stiefkind des Computerschachs.


  • Problemschach:

Bis zum Matt in 4 sind kurze Lösungszeiten an der Tagesordnung, wobei die Problemschach-Stufe etwas schneller ist als die Fernschachstufe. Etwas unklar bleibt, warum auf der Problemstufe auch die geraden Halbzüge durchgerechnet werden. Nebenlösungen können nicht gefunden werden. Bei einem Test mit der Taste NEXT BEST wurde von 10 Nebenlösungen eines Problems nur eine gefunden, danach erschien nicht etwa die Meldung "Keine Nebenlösungen mehr", sondern das erste gefundene Matt wurde wieder angezeigt. Das Aufbauen der Stellungen geht relativ rasch und einfach vor sich.


  • Bedienungsanleitung:

Es scheint sich langsam herumzusprechen, dass zu einem guten Computer auch eine ebensolche Anleitung gehört, die in verständlichem Deutsch gehalten ist. Die Beschreibung des Forte ist klar und so übersichtlich, wie es bei den vielen Funktionen eben möglich ist. Es gilt aber: Die schönste Anleitung nützt nichts, wenn man sie nicht durchliest. Und dazu sollte man sich - gerade beim Forte - mehr Zeit nehmen, als es allgemein üblich ist.


  • Gesamteindruck:

Der Forte ist ein spielstarkes Gerät, dass sich auch für Reisen eignet. Die große Eröffnungsbibliothek und das taktisch starke Programm machen es für Menschen mehr als für andere Computer zu einem Gegner, den man erst einmal schlagen muss. Das Positionsspiel und das Endspiel sind durchschnittlich ausgefallen, im Fernschach wird so mancher seine Not haben.


Quelle: "Das österreicheische Schachcomputer-Magazin MODUL" - Heft 4.86 (Autor: Andreas Mader)




  • Es existieren zwei unterschiedliche Programmversionen, bezeichnet als Forte A und Forte B (s.h. Diagramme)
  • Anhand der beiden Stellungen kann man feststellen, um welche Programmversion es sich handelt (Quelle "Modul" 3/87)



1.Db3

Forte A: keine Lösung
Forte B: 2 Sekunden

1.c5

Forte A: 1 Sekunde
Forte B: keine Lösung



Einen weiteren Unterschied hinsichtlich der Rechentiefe beschreibt Göran Grottling in der gleichen Modulausgabe:
Nach Eingabe von 1.h3 d5 2.h4 auf Analysestufe und die Zeit für das Erreichen von Suchtiefe 6 bzw. 7 notieren.

Forte A = 0:45 Min für Suchtiefe 6
Forte A = 4:33 Min für Suchtiefe 7

Forte B = 0:32 Min für Suchtiefe 6
Forte B = 1:32 Min für Suchtiefe 7

Features

  • Zuschaltbare Turnier- und Gambitbibliothek
  • Programmierbare Eröffnungsbibliothek mit ca. 2.000 Halbzügen
  • 30 Standard-Spielstufen und 1 Analysestufe
  • Trainingsspielstufen für schwächere Spieler
  • Langzeitspielstufen zur Tiefenanalyse
  • Beliebige Zeit/Züge-Kombinationen als Spielstufen
  • Alle Spielstufen unterschiedlich für Schwarz und Weiß wählbar
  • Alle Spielstufen mit Zeitreklamation bei Überschreitung
  • Große LCD-Anzeige mit umfangreichen Informationen
  • Löst bis Matt-in-14 Zügen
  • Autoplay-Funktion für Spieleanalysen Nebenlösungen abrufbar
  • Anschluß für NOVAG CHESS PRINTER
  • Anschluß für PC-INTERFACE
    • Computer-Kommunikations-System
      • zusätzliche PC-Software bietet folgende Möglichkeiten:
• Überspielen und Speichern von Partien und Spielstellungen
• Übertragen aller Informationen zum PC
• Spielwiederholung auf dem PC mit grafischer Darstellung
• Speichern von Spiele- und Eröffnungsbibliotheken
• Automatische Spieleanalyse
• Ausdruck aller Partien über den Drucker des PC
  • Computer kann aufgeben
  • Schiedsrichterfunktion
  • Betrieb wahlweise über Batterien oder Adapter


Beispielpartien der A- und B-Version: