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Tasc ChessMachine

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(Weitergeleitet von TASC ChessMachine)
Tasc ChessMachine

Der Weltmeister von 1991 mit 1024 KB und 14 MHz

Hersteller Tasc
Markteinführung 1991
CElo 2379 (Gideon 3.1/32 MHz)
Programmierer Schröder, Ed & de Koning, Johan
Prozessor ARM2 / ARM6
Prozessortyp 32 Bit
Takt 14 und 32 MHz
RAM 128 KB, 512 KB, 1024 KB
ROM nicht vorhanden, Programm wird ins RAM geladen
Bibliothek je nach Programm
Einführungspreis 798, 898, 998, 1198 DM
Rechentiefe 30 (Gideon 2.1-3.1) 38 (King 2.2-2.54) 34 (King 0.5)
BT-2450
BT-2630 2261 norm. / 2314 agg. (King 2.54/14 MHz, 1 MB)
Colditz
Verwandt Tasc R30, Mephisto Risc 1MB, Mephisto Risc 2
Zugeingabe Maus, Tastatur oder SmartBoard (nur in Verbindung mit TascBase)
Zugausgabe PC-Bildschirm
Display PC-Bildschirm
Stromversorgung PC (interne Ausführung), HGN 5050 (externe Ausführung)
Spielstufen frei programmierbar
Maße 21 cm x 11 cm x 3,7 cm (externe Ausführung)
Sonstiges
ISA-Steckkarte für den PC, externe 1MB Version für die parallele PC-Schnittstelle verschiedene Engines verfügbar: The King 0.5, 1.0, 2.0, 2.2, 2.54 / Gideon 1.7, 2.1, 3.0, 3.1

1991 beschritt die holländische Firma Tasc einen anderen Weg. Begonnen hatte diese Idee schon 1990 und zwar mit der The final chesscard, die unter anderem für den PC und C64 erhältlich war. Diese war allerdings mit einem 65C02 Prozessor noch recht bescheiden bestückt. Nun aber wagte Tasc den Sprung in die RISC Technologie und schenkte der ChessMachine das Beste, was der Markt zu diesem Zeitpunkt zu bieten hatte. Die ChessMachine ist eine Steckkarte (später gab es auch eine externe Version) für den PC und bestückt mit einem ARM2 / ARM6 32 Bit RISC Prozessor. Der große Vorteil lag also darin, das die Spielstärke völlig unabhängig vom verwendeten PC Typ (XT, AT oder 386) war. Schließlich konnte sich zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht jeder einen 486er (bitte nicht lachen, die Dinger waren damals teuer) leisten. Die ChessMachine gab es, für jeden Geldbeutel entsprechend, in verschiedenen Ausführungen. Und um den Genuss zu vervollständigen, konnteman die Smartboards 20 (SB20) und 30 (SB30) an den verwendeten PC anschließen, was die ChessMachine mit Hilfe des Programmes TASCBASE, zu einem vollwertigen Schachcomputer machte.

Als Programmierer konnte man Ed Schröder, der auch gleich bei seinem Einstand 1991 den WM Titel erringen und somit die Siegesserie von Richard Lang bei Weltmeisterschaften beenden konnte und den bis dahin noch recht unbekannten Johan de Koning gewinnen. Wenn man von der ChessMachine spricht, wird im allgemeinen die Schachsoftware Gideon von Ed Schröder gemeint. Seine WM Version 3.1 "Madrid" von 1992, kam etwas später auch im Mephisto Risc 2 zum Einsatz.

Mit dem Programm "The King 2.2" wird die ChessMachine 32 MHz zum "R30 für Arme". Hingegen ist die Version 2.54 nicht mit dem R30 V2.5 identisch. Die ChessMachine wird, zumindest in der schnellsten Version, mit 32 MHz getaktet, was gegenüber dem Mephisto Risc Modul einen Unterschied von ca. 80 Elo ausmacht. Allerdings sind die 32 MHz ChessMachines sehr selten, in der Regel wird man nur Versionen mit 14 MHz finden.

Ein Polgar mit 60 MHz

Die Chess Machine RISC glänzt mit höchster Spielstärke
(aus Computer Schach & Spiele / Heft 3 / Juni-Juli 1991)

Vor einigen Jahren hat sich die holländische Firma TASC mit der "Final Cartridge", einem Steckmodul, das den Funktionsumfang des Commodore C64 erheblich erweiterte, einen Namen gemacht. Dann baute man mit der "Final Chess Card" eine schachspielende Zusatzkarte, die auch in PCs passte (siehe CSS 2/90, S. 23ff). Schließlich hat TASC Ende letzten Jahres den großen Sprung in die RISC-Technologie gewagt und die "Chess Machine" präsentiert, der ein Ed Schröder-Programm zu Spitzenleistungen verhelfen sollte. Bernd Schneider hat sich mit dieser RISC-Card befasst.

Das Konzept der Chess Machine ist dasselbe wie bei der Vorläuferin: In den PC, gleich, ob es sich um einen XT, AT oder 386er handelt, wird eine kurze Steckkarte eingeschoben, die, da sie mit einem eigenen Prozessor ausgerüstet ist, unabhängig vom Personal Computer ihre Dienste tut. Aber wo die Final Chess Card mit einem 65CO2-Prozessor vorlieb nehmen musste, bekam die Chess Machine das Edelste, was man zu einem vernünftigen Preis bekommen kann: einen ARM2 32 Bit RISC Prozessor, 16 MHz schnell, mit 128 oder 512 Kb Speicher (großenteils für Hash Tables), der sagenhafte 12 Mips (Million Instruktionen pro Sekunde) Rechenleistung in den Hostrechner hineinzaubert.

Das bedeutet: Wo Programme wie Rexchess und M-Chess ganz von der Hardware-Ausstattung ihrer Besitzer abhängig sind, hat bei der Chess Machine der PC keinen Einfluss auf die Spielstärke. Oder anders ausgedrückt: Ein uralter XT tut's auch, und Rechenleistung eines 386ers. Oder noch deftiger: Mit der Chess Machine läuft das Programm von Ed Schröder ungefähr so schnell wie ein Polgar mit 60 MHz!

Mehr Schachwissen

Allerdings: Das von Ed Schröder in Zusammenarbeit mit Mark Derksen und Uwe Stahl (die wie bei der vorangegangenen 6502-Chess Card für die PC-Software zeichnen) entwickelte Programm ist nicht allein auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt, sondern auch mit viel Schachwissen ausgestattet - nach meiner Schätzung das Mehrfache dessen, was der Polgar besitzt. Dies leite ich zum Teil aus der Tatsache ab, dass der Brute-Force-Teil der RISC-Card in Partien gegen den Super Expert C trotz aller Rechenpower nur unwesentlich schneller als sein Gegner in den Suchbaum eindrang. Bei dieser Betrachtung wurde allerdings der selektive Teil der Baumsuche beider Geräte, über den sich das Display (auf dem Monitor) ausschweigen, nicht einbezogen.

Einen konkreteren Hinweis liefern Experimente mit Stellungen aus CSS, wie z.B. Deep Thought-E. Cooke (CSS 1/91, S.24): Hier braucht der Polgar 44 und die RISC-Card 12 Sekunden, um 29.Dg5! zu finden. Das ist nur ein 3,7-facher Geschwindigkeitszuwachs. Da jedoch die Rechenleistung der beiden Prozessoren sehr viel weiter auseinanderliegt, spricht auch dies für eine deutliche Vergrößerung der reinen Schachalgorithmen bei der R1SC-Maschine. Genau bestimmen lässt sich ihre Größe nicht, da der Einfluss der Algorithmen auf die Lösung der Aufgabe in Betracht gezogen werden müsste.

Indes: Auf die beim MM V so spektakulär erscheinenden "Singular Extensions", die z.B. bei Folgen von Schachgeboten greifen, hat Ed Schröder offenkundig im Falle der RISC-Card vorerst verzichtet: Der selektive Teil der Baumsuche mag ihm bei dieser Geschwindigkeit taktisch genügend sicher erschienen sein.

Die Bedienung

Ehe wir uns den schachlichen Fähigkeiten dieses Programmes zuwenden, soll jedoch eine andere Seite der RISC-Card gewürdigt werden.

Seinerzeit, als wir versuchten, auf einem Schneider-PC die ursprüngliche Version der Final Chess Card mit 6502-Prozessor zu installieren, gab es noch einige Probleme. Diese gehören bei der RISC-Card der Vergangenheit an: Man schiebt nur einfach die Karte in einen freien Slot des PC und startet das Installationsprogramm von der Diskette. Dieses verwirrt zwar dadurch, dass es zum Bestätigen von Eingaben wechselnd mal nach der ENTER und mal nach der SPACE-Taste verlangt, es ist jedoch hervorragend aufgebaut und versieht die Festplatte des PC in kürzester Zeit mit dem Verzeichnis C:\CHESSCRD (andere Namen sind erlaubt) sowie dessen Unterverzeichnissen. Aus einem von diesen (C:\CHESSCRD\SETTINGS) bezieht das Programm CHESS.EXE seine Startparameter, wobei es notwendige Tastatur-, Maus- und Bildschirmtreiber aus einem anderen Verzeichnis (c:\CHESSCRDDRIVERS) mitlädt.

Bei der Installation kann man die Sprache "Deutsch" wählen, wonach fortan (fast) alles in der Landessprache abläuft. Eine Uminstallation dieser und anderer Optionen ist jederzeit möglich.

Nach dem Start erscheint die von der alten Chess Card bekannte Grafik auf dem Monitor, der fortan von dem bildhübschen Schachbrett in (ausschließlich) zweidimensionaler Darstellung beherrscht wird. Nichts Überflüssiges verunziert den aufgeräumten Eindruck; alle Sonderfunktionen der RISC-Card werden über einen Klick mit der rechten Maustaste aktiviert. Nach diesem erscheint oberhalb des Spielfeldes eine Menüzeile mit den Titeln "Optionen", "Spielstufe", "Gegner", "Brett", "Datei" und "Extras". Ohne die Maustaste loszulassen, fährt man einen dieser Punkte an und kann die jeweils gewünschte Funktion aus den Pull-Down-Menüs, die nun herunterklappen, auswählen. Mit dem Loslassen der Maustaste wird der gewünschte Menüpunkt aktiviert. Für Kurzentschlossene gibt es natürlich auch immer eine einfache Tastenkombination, mit der die jeweilige Funktion viel schneller ausgeführt werden kann (z.B. CTRL-N = Neue Partie).

Gleichermaßen dient die Maus zum Bewegen der Figuren auf dem Schachbrett, wobei beim Festhalten der linken Maustaste die angewählte Figur anstelle des Mauszeigers tritt und beliebig auf dem Bildschirm herumgeführt werden kann. Setzt man sie regelwidrig auf ein Feld des Bretts, hüpft sie kommentarlos an ihre Ausgangsposition zurück, ansonsten beginnt die RISC-Card, ihren Gegenzug zu berechnen.

Dass sie dies tut, erkennt man unschwer am Blinken eines kleinen Kreises in einer der beiden Schachuhren rechts neben dem Spielfeld, die wahlweise Gesamt- oder Einzelzugzeiten anzeigen können. Möchte man irgendwann die Seiten wechseln, genügt ein Klick auf die entsprechende Uhr, die dann von "Spieler" auf "Computer" umspringt (oder umgekehrt). Unterhalb der Uhren werden die bereits ausgeführten Züge in zwei Spalten in algebraischer Notation aufgelistet, und auch sie können einfach per Mausklick vor- oder zurückgespielt werden.

Sehr gut ist die Neueingabe von Stellungen gelöst: Nach Wahl der Optionen "Stellung aufbauen" und "Leeren" bekommt man neben dem nunmehr freien Spielfeld die verschiedenen Figurenarten in beiden Farben serviert, serviert, die man mittels des Mauszeigers auf das Feld ziehen kann. Dabei bildet der Mauszeiger die jeweils gewählte Figur, und jeder Klick auf ein Feld hinterlässt diese dort, bis die nächste Figurenart angewählt wird und das Spiel von neuem beginnt. Zum Farbwechsel muss man indes wieder eine Figur rechts anwählen. Nach Abschluss des Aufbaus wählt man noch die am Zug befindliche Farbe - und es kann losgehen.

Ein bequemerer Stellungsaufbau als mit dieser Methode ist mir noch nie bei einem normalen Schachcomputer gelungen - allein ChessBase gestattet ein noch schnelleres Agieren, da hier die verschiedenen Farben allein durch die beiden Mausknöpfe bestimmt werden.

Nützliche Features

Die RISC-Card bietet eine ganze Reihe von Sonderfunktionen, wobei jedoch, dank sinnvoller Beschränkung, nichts davon überfrachtet oder unnötig wirkt. So können verschiedenste Spielstufen mit variablen Zeiteinteilungen gewählt oder selbst definiert werden, es existieren ferner Stufen, auf denen sich der Computer nach der Bedenkzeit des Gegners richtet, sowie Levels mit voreinstellbarer Suchtiefe.

Weiterhin gibt es Stufen mit abgeschwächter Spielstärke. Wenn man eine solche ausprobiert, ist man zunächst verblüfft: Die Schachmaschine versucht offensichtlich, nur mit den Bauern zu ziehen, es sei denn, man lässt Material hängen oder bedroht eine gegnerische Figur. Aber spielen so nicht viele Amateure? Frederic Friedel berichtete mir, dass sein achtjähriger Sohn und dessen Klassenkameraden auf den Handicap-Stufen einen ziemlich idealen Gegner gefunden haben, der sie einfache strategische Pläne entwickeln lässt, ohne dass sie dabei die Sicherheit der eigenen Streitkräfte vernachlässigen dürfen.

Die Mattsuchstufe der Chess Machine ist leider etwas unpraktisch gestaltet, da sie nach der Eingabe des Zuges des mattzusetzenden Gegners nicht um eine Suchtiefestufe herunterschaltet. Auch Nebenlösungen sind ihr ein Fremdwort. Sehr schön ist es hingegen, dass im Autospiel-Modus Mattwendungen plötzlich im Eiltempo abgespult werden, so dass man bei taktischen Analysen nicht bloß eine "M7"-Hauptvariante in der Info-Zeile studieren muss, sondern auf dem Schachbrett die ganze Abwicklung aufs Plastischste vorgeführt bekommt. Des Weiteren verfügt die RISC-Card über ein Clipboard, in das eine Partie für Analysen vorübergehend eingefroren werden kann. Dieses Feature ermöglicht es, neue Varianten mit dem Computer zu prüfen und später wieder per Mausklick zum ursprünglichen Spielverlauf zurückzukehren. Natürlich können Partien jederzeit fehlerfrei gespeichert, wieder geladen und in sauberer Notation ausgedruckt oder als Textdatei gespeichert werden. Besonders erwähnenswert ist auch die Fähigkeit des Programms, Stellungen in hervorragender Qualität auszudrucken.

Vierhundert Dateien

Allerdings ist es lästig, dass man - wie wohl bei allen anderen PC-Programmen der Gegenwart - für jede Partie einen achtstelligen Dateinamen ersinnen muss, was das Directory mit sehr vielen unübersichtlichen Einträgen (MC_RISC.12. RISC_SFC.02) füllt. Und wer mutig bei der Installation des Programms die mitgelieferten Partiensammlungen auch angefordert hat, kann ruhig eine Tasse Kaffee trinken gehen, während die drei- bis vierhundert Einzeldateien in die verschiedenen Spielerverzeichnisse kopiert werden.

Aber hier gibt es, wie bei allen kleinen Unstimmigkeiten des Programms, konkrete Hoffnung auf baldige Abhilfe. Die Holländer können im nächsten "Update", was nur aus einer Disketten-Sendung besteht. die Wünsche der Anwender berücksichtigen.

Ein Anruf bei TASC ergab, dass die Speicherung von mehreren Partien in einer Datei, mit klaren Spielernamen und einfacher Auswahl, schon jetzt im Test ist. Und in nächster Zukunft soll es eine ChessBase-Schnittstelle geben, die den Anschluss an eine Partieverwaltung par excellence schafft. Da gehen wir in der Tat rosigen Zeiten entgegen.

Editierbare Bibliothek

Als weiteres nützliches Feature bietet die RISC-Card auf Wunsch oberhalb des Spielfeldes Einblick in ihren Rechenprozess: Neben der Brute-ForceSuchtiefe wird hier die Stellungsbewertung sowie die Hauptvariante mit maximal sieben Halbzügen ausgegeben. Bei der Stellungsbewertung fiel mir auf, dass sie während des Rechenvorganges relativ häufig schwankt, die Hauptvariante wird oft auch noch im zehnten Halbzug revidiert. Mitunter werden nach solch einem Wechsel eine Zeitlang nur drei Halbzüge angezeigt - vielleicht ein Indiz dafür, dass das Programm gerade mit einer sehr tiefen selektiven Suche beschäftigt ist.

Hochinteressant erscheint des Weiteren die Möglichkeit, die Eröffnungsbibliothek der Card, die auf Wunsch in sehr übersichtlicher Form algebraisch auf dem Monitor dargestellt wird, einzusehen und zu editieren. Und das auf vielfältigste Art und Weise: Es lassen sich beliebige Varianten hinzufügen und mit Häufigkeiten versehen, nach denen sich das Programm in der Ausführung richtet. Die neu geschaffenen Varianten können zudem z.B. später in einer eigenen Eröffnungsbibliothek festgehalten werden, die man stets nachladen und auch mit dem Standard-Book verbinden kann.

Nachladen lässt sich im Übrigen noch etwas anderes: Alle künftigen Verbesserungen des Spielprogramms können ganz einfach per Diskette an die Kunden geliefert und von diesen selber auf die Festplatte überspielt werden. Es ist nicht nötig, die Steckkarte aus dem PC auszubauen, sie an den Hersteller einzuschicken und Chips darauf wechseln zu lassen.

Ausgang ins DOS

Drei weitere nützliche Eigenschaften in der Bedienung der Chess Machine möchte ich noch erwähnen: Wenn man eine Figur anklickt, die man ziehen möchte, werden auf Wunsch auf dem Brett all jene Felder markiert, auf welche sie ziehen kann. Zudem ist die Geschwindigkeit, mit der sich die vom Computer gesteuerten Figuren über das Brett bewegen, in drei Stufen regelbar. Nützlich für das Vor- und Zurückspielen ganzer Partien, die man so entweder genüsslich betrachten oder aber regelrecht durchflitzen lassen kann. Und schließlich: Die Card besitzt einen Ausgang ins DOS, so daß man während einer Partie anderen Aufgaben am PC nachgehen kann. Wenn die Card einen Zug macht, ertönt auch in anderen Programmen, die man aktiviert hat, der vertraute Signalton der Chess Machine, woraufhin man sich durch Eintippen von "Exit" auf der DOS-Ebene wieder zu ihr zurückbegeben kann.

Zwei Sekunden für Byrne-Fischer

Doch nun zum vielleicht interessantesten Punkt, den die neue Card aufzuweisen hat: ihre Spielstärke. Bei Neubegegnungen läuft der Schachcomputer-Tester gern Gefahr, allzu optimistische Einschätzungen abzugeben. Dies resultiert aus der meist begrenzten Anzahl von Partien, die mit einem neuen Gerät vorliegen, ist aber wohl oft auch Folge einer gewissen Euphorie. Hinsichtlich der Bedienung der RISC-Card kann ich zu dieser Euphorie stehen: Ich habe noch kein Schachprogramm erlebt, das so komfortabel und zugleich optisch ansprechend gewesen wäre. Selbst eigentlich eher ein Freund von anfassbaren Figuren auf einem echten Brett, ziehe ich die Chess Machine inzwischen den meisten Drucksensorgeräten und sogar manchen Holzbrettern vor.

Aber auch hinsichtlich ihrer Spielstärke bin ich, offen gestanden, schlichtweg hingerissen. Einige Male während meiner eigenen Partien bekam ich "Matt in acht" angesagt: in ausgeglichenen Endspielen hatte ich mit meiner schwachbrüstigen Elo keine Chance. Doch versuchen wir, objektiv zu bleiben, indem wir die Stellungsbeispiele, die Thorsten Czub in seinem Artikel über M-Chess zitiert, für einen Vergleich heranziehen:

Rotlevi-Rubinstein	CSS 4/90,	S.13	13'	
Karpow-Chandler	        CSS 5/90,	S.10	0'	04"
Fischer-Reshevsky	CSS 5/90,	S.10	5'	20"
Byrne-Fischer	        CSS 5/90,	S.11	0'	02"
Morphys Matt in 8	CSS 4/90,	S.27	0'	03"

Zwei mickrige Sekunden für Byrne-Fischer, je drei für Chandler und Morphy - das sind wahre Fabelzeiten! Mit vier Minuten für Fischer-Reshevsky liegt die Card allerdings hinter dem MM V (55 Sekunden. s. CSS 5/90, S.10). Dafür verwirft sie in nur zwei Sekunden den Bauernraub auf S.12 des gleichen Heftes (5/50). Das Matt in fünf aus CSS 6/90, S.17 wird in 3 min 34 s auf der Mattsuchstufe gefunden. In Murray Chandlers "Großmeister-Test für Computer" holt sie achtbare 36 Punkte (bei Vorgabe von fünf Minuten pro Zug). Schließlich, um den obigen Vergleich mit M-Chess noch etwas fortzuführen. sollen auch die Beispiele aus dem Artikel von Herrn Wiesenecker (CSS 2/91, S. 29ff) nicht fehlen:

Seite	Spalte	Zug	Zeit
29	1	1.Kb8	0"
29	r oben	1.Sb6	2"
29	r unten	1.Kg3	0"
30	1 oben	1.Kh8	0"
30	1 unten	1.Kb1	2"
30	r oben	1. c7	nicht in 20"

Diese Ergebnisse in reinen Bauernendspielen brauchen den Vergleich mit anderen Geräten nicht zu scheuen; die Zeiten sind ausgezeichnet.

In anderer Hinsicht jedoch zeigt die Card Schwächen. Zum Beispiel beherrscht sie das KLSK- ebenso wenig wie das Falsche-Läufer-Endspiel. Bei den vorhandenen Möglichkeiten ist es unverständlich, dass hierfür keine Algorithmen eingebaut wurden.

Solange man sie nicht auf "aggressiv" als alternativen Spielstil einstellt, ist die RISC-Card sehr sorgsam auf Königssicherheit bedacht. Ihr eigenes Spiel ist jedoch stets mindestens aktiv. In Partien gegen den Expert C sowie den Polgar setzt sie sich meist durch (siehe nachfolgende Beispiele). Darüber hinaus wurde in Holland bei der Firma TASC die Chess Card mit Hilfe eines Interfaces direkt mit einem Lyon 68020 verbunden. Auf diese Weise wurden weit über 100 Turnierpartien ausgetragen. Ergebnis: die RISC-Maschine gewann rund 70 Prozent der Punkte!

Partie Beispiele

Auch gegen den Novag Super Expert C setzte sich die RISC-Card insgesamt durch, fand hier jedoch einen zähen Gegner, der oft nur positionell niederzuringen war:

Nachtrag

In der Zwischenzeit hat die RISC Card unter ihrem "Pseudonym" Gideon die Mikro-WM in Vancouver überzeugend gewonnen. In Gesprächen mit Ed Schröder und TASC-Chef Wil Sparreboom konnten wir einige sehr interessante Neuigkeiten in Erfahrung bringen.

  • Das Vancouver-Programm stellt eine Weiterentwicklung der von uns getesteten Version dar. Man hat die stärkste Version einige Monate zurückgehalten, damit die Konkurrenz nicht auf die Spielweise des Programms mit vorbereiteten Varianten reagieren konnte.
  • Das Vancouver-Programm hat inzwischen die "Singular Extensions" bekommen, die in bestimmten Stellungstypen eine nochmals deutliche Spielstärkensteigerung bringt.
  • Die neue Version der Software hat etliche Features, die Benutzer der RISC-Card gefordert haben, so z.B. eine erheblich erweiterte Anzeige von Recheninformationen (Hauptvariante).
  • Diejenigen, die bereits eine RISC-Card mit dem "alten" Programm besitzen, bekommen von TASC ein kostenloses Update auf die Vancouver-Version.
  • Noch eine gute Nachricht: Wer eine RISC-Karte bis zum 1. Juli bei einem autorisierten Händler bestellt, bekommt das Programm The King, ebenfalls in der Vancouver-Version, als kostenlose Beigabe dazu. Einzige Voraussetzung: es muss eine 512 KB Karte sein, da de Konings Programm nicht auf der 128 KB Version läuft.

Über den Erfolg bei der Mikro-WM ist man in Rotterdam hocherfreut. Wil Sparreboom widersprach jedoch energisch Gerüchten, wonach alleine die gute Eröffnungsvorbereitung für den Gesamtsieg in der Software-Gruppe verantwortlich sei. Er und Schröder bestätigten, dass die vielgerühmte "Killerpartie" im Stichkampf gegen Mephisto (siehe Bericht über die Mikro-WM) nicht eine heimtückische Eröffnungsfalle, sondern schlicht einen Tippfehler darstellt! Nach 1.d4 b6 2.Sf3 wollte Schröder 2...Sf6 spielen, hatte aber versehentlich 2...Sc6 eingegeben. Danach war nicht nur Mephisto aus der Bibliothek, auch Gideon musste ganz alleine weiterspielen.

Wir haben mit dem neuen Programm in der Redaktion ein wenig experimentiert und es gegen den Rivalen M-Chess einige Schnellpartien spielen lassen. Die meisten gewann die RISC-Card. Hier für ganz Neugierige eine Beispielpartie:

Engine Versionen Übersicht

Engine Versionen Engine Datum Anmerkung
The King 0.5 02.07.1991
The King 1.0 01.10.1991
The King 2.0 16.11.1992 Saitek Risc 2500:   V1.03 - 14.10.1992 / V1.04 - 21.10.1992
The King 2.20 23.04.1993 identisch mit der Version des R30 V2.2
The King 2.54 03.12.1995 R30 V2.5: 26.02.1995 / Mephisto Montreux: V1.00 10.12.1994
Rebel 1.3 22.02.1991 Engine der FinalChessCard - im März 2013 wiederendeckt
Rebel 1.7 29.05.1991 Engine der FinalChessCard - im Februar 2013 wiederendeckt
Gideon 2.1 19.10.1991
Gideon 3.0 14.09.1992 Engine der WM in Vancouver - identisch mit der Version des Mephisto Risc 1MB
Gideon 3.1 11.12.1992 Engine der WM in Madrid - identisch mit der Version des Mephisto Risc 2

Engineverhalten bei Daueranalyse in Grundstellung (Ermittelt via ChessMachine 32 MHz)

Engine Zeit für Tiefe 4/9 Tiefe 4/10 (5/10) Zug Anmerkung
King 0.5 00:23 01:02 (5/10) 1.Sf3 Wechselt von 4/ 9 auf 5/10
King 1.0 00:17 00:59 (5/10) 1.Sf3 Suche etwas beschleunigt
King 2.0 00:59 03:09 (5/10) 1.Sf3 Etwa 3,2-facher Zeitbedarf (ggf. durch mehr "Wissen"?)
King 2.20 01:26 04:36 (4/10) 1. e4 Wechselt von 4/ 9 auf 4/10 plus 50% mehr Zeitbedarf und neuer "Bestmove"
King 2.54 02:14 06:51 (4/10) 1. e4 Erneute Steigerung des Zeitbedarfs (optimiert auf Turnierbedenkzeit?)
Risc 2500 V1.03 03:28 10:09 (4/10) 1. e4
Risc 2500 V1.04 03:30 09:58 (4/10) 1. e4
Montreux 03:43 10:00 (4/10) 1. e4
Gideon 2.1 00:27 01:58 (5/10) 1. e4 Alle Versionen wechseln von 4/ 9 auf 5/10 und eröffnen mit 1. e4
Gideon 3.0 00:22 02:06 (5/10) 1. e4 Nur marginale Änderungen im Zeitbedarf
Gideon 3.1 01:04 03:57 (5/10) 1. e4 Deutlich erhöhter Zeitbedarf (+100% bis +200% (optimiert auf Turnierbedenkzeit?)


Vorstehende Tabelle gibt einen kleinen Überblick über Veränderungen am Suchverhalten der Engines, welche sich durch die konsequente Weiterentwicklung der Programme ergaben. Besonders der stetig zunehmende Zeitbedarf, welcher zum Erreichen der nächsten Suchtiefe nötig war, ist deutlich erkennbar. Die Entwicklung heutiger Engines geht eher in die umgekehrte Richtung (d.h. heutztage werden Engines dahingehend optimiert, in möglichst kurzer Zeit die nächste Suchtiefe zu erreichen. Möglicherweise liegt dies daran, dass zur damaligen Hochzeit der Schachcomputer das Hauptaugenmerk auf den Turnierbedenkzeiten lag, während heutige Engines mittels Blitzstufe oder gar im "Bullet" getestet werden.). Interessant wäre sicher noch das oben gezeigte Verhalten auch mit den Brettcomputern Montreux / Risc 2500 zu untersuchen und diese mit in die Tabelle aufzunehmen. Die hardwarebedingt längeren Bedenkzeiten spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Der Vollständigkeit halber sollten auch die Ergebnisse des R30 V2.5 einfließen. Es ist anzunehmen, dass sich die beiden Programmversionen des Risc 2500 ähnlich verhalten wie King 2.0 und früher (also Wechsel von 4- 9 auf 5-10 nebst 1.Sf3 als "Bestmove") und der Montreux und der R30 V2.5 ähnlich wie die Versionen ab King 2.20 (also Wechsel von 4- 9 auf 4-10 sowie 1. e4 als "Bestmove"). Doch erst wenn die Ergebnisse in die Tabelle eingeflossen sind, wird Gewißheit herrschen.

Der Spitzenreiter (Gideon 3.0)

Die Chessmachine rast mit 30 Megahertz davon (aus Computer Schach & Spiele / Heft 1 / Feb.-März 1993)

Doppelte Geschwindigkeit und ein neues Programm - damit war die Chessmachine Schröder auf der letzten Computer-WM nicht zu schlagen. Nur ein Zufall, oder ist das neue TASC-Produkt wirklich das Beste auf dem Markt? Der Schwede Ingemar Johansson hat sich die neue Karte etwas genauer angesehen.

Die Chessmachine von Ed Schröder gibt es jetzt in der neuen Version 3.0, mit einem neuen ARM-Prozessor, der auf 30 MHz getaktet ist. Wie die alte Version besteht die Chessmachine aus zwei Teilen, einer Steckkarte mit der RISC-Hardware und einer auf Diskette mitgelieferter Software, die das eigentliche Schachprogramm beinhaltet. Man muss zunächst die Karte im Computer installieren und dann die Diskette mit dem Programm starten. Befolgt man alle Anweisungen, die nun auf dem Bildschirm erscheinen, läuft alles ganz problemlos ab.

Abgesehen von dem veränderten Programm und dem neuen, schnelleren Prozessor ist alles wie früher - die Beschreibungen der verschiedenen Features in vergangenen Heften bleiben also ohne Einschränkungen gültig. Doch welche Unterschiede gibt es in der Spielweise? Nach vielen Testpartien und Stellungsüberprüfungen mit der neuen Version bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Die Eröffnung

Die Eröffnungsbibliothek ist geringfügig erweitert worden. Es gibt eine breite, abwechslungsreiche Variantenwahl. Aber die Bibliothek ist nicht fehlerfrei. In einer Partie gegen Mephisto Lyon war sie bereits nach zehn Zügen zu Ende. Der Lyon spielte einen weiteren Zug aus der Bibliothek und gewann damit gleich eine Figur. In der Theorie wird der Zug mit der Bewertung „klarer Vorteil" notiert. Auch bei der Aljechin-Verteidigung, die von der Chessmachine manchmal mit Schwarz angewandt wird, gibt es eine Lücke in der Eröffnungsbibliothek. Schon nach 1.e4 Sf6 2.e5 Sd5 3.d4 d6 4.c4 ist die Bibliothek zu Ende.

Obenstehende Beispiele müssen dennoch als Ausnahmefall bezeichnet werden. Normalerweise funktioniert die Eröffnungsbibliothek sehr gut. Bemerkenswert ist, dass die Chessmachine 3.0 gern aktive Eröffnungen wählt, wie z.B. das Budapester Gambit, das mit großem Erfolg in etlichen Testpartien gespielt wurde.

Das Mittelspiel

Im Mittelspiel verhält sich die Chessmachine strikt positionell. Die Bauernstruktur wird sehr gut aufrechterhalten und die Figuren so platziert, dass keine Schwachpunkte entstehen können. Dagegen gibt sich die Chessmachine nur selten wilden, taktischen Verwicklungen hin. Das bedeutet nicht, dass sie taktisch schwach ist. Im Gegenteil. Aber der Spielstil ist vor allem positionell. Hier unterscheidet sich die Chessmachine von vielen anderen Programmen, die gerne den taktischen Schlagabtausch suchen.

Eine interessante Beobachtung bei den Testpartien gegen Mephisto Lyon 68000 war, dass die Eröffnung eine sehr große Auswirkung auf das Endergebnis hatte. Wer einen kleinen Stellungsvorteil in der Eröffnung erringen konnte, behielt diesen auffällig oft über die gesamte Partie. Nur selten konnte einer der Computer zum Beispiel durch taktisches Kombinieren eine Unterlegenheit in einen Vorteil verwandeln.

Im Mittelspiel kommt es manchmal vor, dass die Chessmachine einen Bauern opfert, um die Mobilität der eigenen Figuren zu erhöhen oder um die Bauernstruktur des Gegners zu zerschlagen. Das Opfer wird auch dann gebracht, wenn die Chessmachine den Rückgewinn des Bauern nicht erkennen kann. Oft, aber nicht immer, führt das positionelle Bauernopfer zum Gewinn der Partie - ich habe aber nie beobachtet, dass eine Partie aufgrund des geopferten Bauern verlorenging. Den Stellungsvorteil, der durch das Bauernopfer errungen wird, behandelt die Chessmachine auf imponierende Weise.

Das Endspiel

Das Endspiel ist, genau wie bei früheren Schröder-Programmen, der schwache Punkt. Nun spielt die Chessmachine natürlich im Endspiel nicht schlecht, besonders da der schnellere Prozessor das Programm in stark vereinfachten Stellungen sehr tief vordringen lässt, womit oft ein Gewinnweg durch simple Rechengewalt gefunden wird. Aber es gibt so etliche „theoretische Lücken."

Die Chessmachine beherrscht z.B. nicht die Gewinnstellung von Lucena, auch scheint sie nicht zu wissen, daß bei Turmendspielen der Turm hinter den Freibauern gehört. Ebenso wenig ist ihr bekannt, dass Randbauer und „falscher Läufer" Remis ergeben. In den gängigen Endspieltests schneidet die Schröder Chessmachine schlechter ab als Mephisto Lyon 68000 oder The King.

Die Spielstärke

In Blitzpartien imponiert die Chessmachine ungemein. Sie besiegte z.B. Mephisto Lyon 68000 klar mit 13:3 Punkten. Hier haben die älteren Mephisto-Programme ganz einfach keine Chance. Auf der Turnierstufe ist die Sache ausgeglichener, sodass es häufig zu längeren Partien kommt. Aber auch hier ist letztendlich die Chessmachine 3.0 klar stärker. In zwanzig Partien gegen den Lyon gewann sie überlegen mit 15:5. Auch gegen Novag Diablo gewann die Chessmachine ohne irgendwelche Schwierigkeiten. Nach zwanzig Testpartien lautete hier das Ergebnis 16:4. Es besteht für mich kein Zweifel, dass die Chessmachine in der schwedischen Rangliste die ersten Plätze behaupten wird.

Partien

King, kinger, am kingsten

Das neue Programm The King 2.0 für Chessmachine RISC (von Axel Caro aus Computer Schach & Spiele / Heft 2 / April-Mai 1993)

Die Chessmachine-Software The King gilt schon seit langem als Geheimtipp in der Schachcomputerszene. Doch spätestens, seitdem die neueste Version auf 32-MHz-Hardware den ersten Platz in der schwedischen ELO-Liste eingenommen hat, ist klar, dass The King nach der Krone greift. Axel Caro hat sich den neuen Herausforderer näher angesehen.

Wer noch vor weniger als zwei Jahren die Chessmachine mit dem Weltmeisterprogramm Gideon 2.1 erstand, konnte von Glück reden: Als kostenlose Beigabe erhielt er eine Programm-Probe des jungen Holländers Johan de Koning. Die Versionsnummer 0.5 schien nicht gerade vielversprechend, doch der Schein trog gründlich: The King 0.5 entpuppte sich als Wolf im Schafspelz! Es spielte einfallsreiches, draufgängerisches und mitreißendes Schach.

In den zig Partien, welche die koningsche Softwareprobe gegen seinen weltmeisterlichen Bruder zu absolvieren hatte, wurde jedoch eines deutlich: Auf einen Silicon-Gegner ist mit unkonventionellem Spiel weit weniger Eindruck zu machen als auf einen Spieler aus Fleisch und Blut. Gideon 2.1 musste sich zwar mit Händen und Zähnen wehren, um nicht überrollt zu werden, oft genug rächte sich jedoch auch der jugendliche Übermut von The King. Mangelnde Königssicherheit und überstürzte Materialopfer kosteten so manchen Punkt. In der folgenden Partie wurde The King schon früh aus der Eröffnungsbibliothek geworfen, doch nach dem phantastischen Bauernopfer 5.e6!! kam der Weltmeister in Schwierigkeiten.

The King 0.5 - Gideon 2.1 [Aljechin-Verteidigung] 1.e4 Sf6 2.Sc3 d5 3.e5 Sfd7 4.d4 c5.


5.e6!! Schon nach 32" mit einer Bewertung von +0.33 als Hauptvariante angezeigt. 5...fxe6 6.dxc5 Sxc5 7.Le3 b6 8.Lb5+ Kf7. Auf 8...Sd7 oder 8...Ld7 folgt nun 9.Dh5 g6 10.De5 Tg8 11.Lxc5 bxc5 12.Dxe6 mit Gewinn. 9.Sf3 Kg8 10.0-0 a6 11.Lc4 Tal 12.b4 Sb7 13.Sa4 dxc4 14.Sxb6 Dxd1 15.Tad1 Sd6 16.Sxc8 Sxc8 17.Td8 Tc7 18.Lf4 Sc6 19.Lxc7 Sxd5 20.Lxd8 und Gideon konnte bald aufgeben.

Nach dieser starken Vorstellung der ersten King-Version nun ein warnendes Beispiel, den Bogen nicht zu überspannen. Nach dreiundzwanzig Zügen beging The King 0.5 einige folgenschwere Fehler:

Gideon 2.1 - The King 0.5

23...f5? Lässt die Königssicherheit völlig außer Acht und ist in dieser Stellung geradezu selbstmörderisch. Bewertung 0.00. 24.Dd5+ Kh8 25.Dd3 fxe4 26.fxe4 Lb2? In Erwartung von 26...a4 und bei einer Bewertung von 0.00. 27.Tf7 Lxa3?? Ein verheerender Bauernraub, der alle Gefahr am Königsflügel konsequent ignoriert! Bewertung: -0.05. 28.Ld2! Von Gideon 2.1 nach knapp eineinhalb Minuten mit einer Bewertung von 2.81 gespielt. Gegen 29.Lc3 oder 29.Dh3 h5 30.Dd7 mit schnellem Gewinn ist kein Kraut gewachsen: 1-0 für den Weltmeister.

Gezähmt, nicht zahm

In der ersten Partie spielte The King 0.5 äußerst angriffsfreudig 5.e6!! und konnte seinen Gegner durch weitere schöne Züge bald in die Knie zwingen. Setzt man The King 2.0 nun auf die vor dem fünften Zug entstandene Stellung an, so wird man auch bei größter Geduld vergeblich auf den Überraschungszug 5.e6!! warten. Stattdessen wird 5.Sf3 mit einer Bewertung von plus 0.19 Bauerneinheiten gespielt. Ich erinnerte mich, dass de Koning selbst die Einstellung des Spielstils auf "aggressiv" als Standardeinstellung empfohlen hatte; was lag näher, als dieselbe Stellung noch einmal in dem vom Programmautor favorisierten Spielstil untersuchen zu lassen? Und siehe da: nach genau einundachtzig Sekunden erscheint der gewünschte Zug als Hauptvariante im Display meines Laptops. Weitere Stellungstests bestätigen: Auch die Version 2.0 vermag noch risikofreudiges Schach zu spielen, nur wurden dem Programm in der Standardeinstellung etwas die Zügel angelegt.

Kommen wir zur zweiten Partie. Würde The King 2.0 hier ebenso selbstmörderisch fortsetzen wie sein Vorgänger? Nein: Der tödliche Bauernvorstoß wird auch nicht eine Sekunde lang erwogen, sondern es wird sofort das vorsichtigere 23...Lg7 gespielt, worauf die Stellung relativ im Gleichgewicht bleibt. Bewertete The King 0.5 die Stellung nach 23...f5? noch als völlig ausgeglichen, so sieht The King 2.0 sich als Weißer nach dem Desperado Zug mit einer halben Bauerneinheit im Vorteil. Auch im Folgenden setzt die neue Version wesentlich sicherer fort. Anstatt 26...Lb2? wird sofort 26...Tef8 gewählt, und auf 27.Tf7 folgt nun nicht 27...Lxa3??, sondern 27...Lg7. Auf 27... Lxa3?? würde The King 2.0 selbst nun sofort 28.142 ziehen. Die Bewertung steigt dabei innerhalb von wenigen Sekunden auf eindeutige +4.54 Bauerneinheiten! An alledem ändert sich sinnvollerweise auch nichts, wenn man von der Standardeinstellung zum empfohlenen Spielstil "aggressiv" übergeht. Auch hier spielt The King 2.0 also nicht ohne Rücksicht auf Verluste.

Mehr ELO? BT schön...

Natürlich muss der BT-Test herhalten, um eine erste vergleichende Einschätzung der neuen Programmversion wagen zu können. Wir erinnern uns: The King 0.5 hatte auf der auch von mir verwendeten 16 MHz schnellen RISC-Hardware sehr gute 2206 BT-Elo Punkte erreicht. Die Version 1.0 vermochte in der Einstellung "aggressiv" noch einen draufzusetzen: 2244 BT-Elo-Punkte, womit sie bis zum Donnerhall von Fritz2 (ca.2270 BT-Elo) einsam an der Spitze lag.

Die vorliegende King-Version gibt auf der 16 MHz-Hardware mit hervorragenden 2263 BT-Elo-Punkten ihren Einstand. Eine 30 MHz-Steckkarte konnte ich zu Testzwecken zwar nicht benutzen, wohl aber einen Prototyp des neuen TASC R30 Rechners. Dieser hat sozusagen eine 30 MHz schnelle Chessmachine mit dem The King-Programm eingebaut, so dass die auf diesem phantastischen Schachcomputer ermittelten Ergebnisse im Großen und Ganzen auf die schnellen in- und externen Chessmachine-Karten mit dem de Koning-Programm übertragen werden können. Der R30 benötigte für den gesamten Bednorz-Tönnissen-Test nur ganze 76 Minuten und verweist mit 2298 BT-Elo alle anderen Programme auf die hinteren Plätze. Im Folgenden ein Vergleich ausgewählter BT-Stellungen:

Nr. King 2.0 King 0.5 King 1.0
"aggressiv"
02 02:50 11:04 06:30
03 01:32 04:00 03:00
10 01:00 00:38 00:19
11 00:43 00:04 00:04
12 00:16 00:03 00:05
15 00:01 02:45 00:14
19 00:55 02:28 03:16
20 01:13 04:01 00:53
25 00:40 —:— —:—

Schon die starke Verbesserung der Lösezeit für die Stellung Nr. 2 (1.Lxb6!) deutet auf eine Vertiefung selektiver Spitzen, insbesondere bezüglich der Bauernumwandlung hin. Diese Vermutung wurde durch weitere Testergebnisse bestätigt. Unter anderem erzielte The King 2.0 in der Colditz-Teststellung 102 mit nur 7" für 1.Td1 eine absolute Traumzeit. (Die Stellung für den Eigenbau: wKc2,Tb3,Se2,Ba2,b4,e3,e4; sKg8,Td8,Le5,Bh3,g6,f7)

Colditz-Teststellung 102
1.Td1

Vergleichszeiten:

  • The King 1.0: 2'55
  • Gideon 2.1: 12'54
  • Schröders 92er WM-Programm Madrid-Version 3.1: 8'10.
MM II — Maestro

Diese Stellung aus CSS 6/89, S.8 wurde lange Zeit nur von den Lang-Programmen durchschaut. Mephisto Lyon benötigte noch 1h 07 min, um 1.Txc7! zu finden. Die Vancouver-Version brüstete sich damit, für die Lösung nur noch 8 min 45 s zu verbrauchen.

The King 2.0 ist in seinem Zeitverbrauch auch mit "langsamer" 16 MHz-Hardware wesentlich bescheidener: Ganze 42 Sekunden braucht er, um den für Computer noch immer schwer zu errechnenden Zug zu finden.

Wissen ist Macht

Eine Sekunde für BT-Stellung Nr. 15 (1.Tg6!) deutet darauf hin, dass sich auch im positionellen Bereich etwas getan hat. Der erste Eindruck täuscht nicht. Ein deutlicher Zuwachs an positionellem Verständnis wird durch andere Stellungstests bestätigt. Allerdings fällt in manchen Bereichen eine deutliche Verschlechterung der Lösezeiten auf. Insbesondere gilt dies bezüglich des BT-Tests für die Stellungen 10,11 und 12.

Es scheint, dass der Suchbaum im Ganzen dichter, d.h. sicherer aber eben zum Teil auch langsamer geworden ist. Ausgeglichen wird das durch ein Mehr an Wissen und durch größere Selektivität in speziellen Bereichen. Benötigt die Version 0.5 nur 28 Sekunden, um in der Grundstellung bis zur vierten Halbzug brute-force bzw. neunten Halbzug selektiv vorzudringen, so braucht die Version 2.0 zum Erreichen derselben Rechentiefe immerhin schon knapp eineinhalb Minuten, also etwa das Dreifache!

Noch einmal gesagt: Diese grundlegende Programmveränderung führt nicht dazu, dass das Programm Züge erst in dreifacher Zeit findet. In hunderten von Stellungstests hat sich herausgestellt, dass es insgesamt sogar noch schneller geworden ist und durch den Wissenszuwachs und die größere Suchbaumdichte nun Züge findet, welche den Vorversionen gar nicht (oder erst viel später) zugänglich waren.

Dafür ein Beispiel: BT-Stellung Nr. 25 (1...Sd3!) wurde bisher überhaupt nur von zwei Programmen geknackt: Vom Diablo in knapp fünf und vom Vancouver in gut einer Minute. The King 2.0 ist auch hier seinen Mitstreitern um eine Nasenlänge voraus. Benötigte Zeit: 40 Sekunden! (R30 dementsprechend: 20 Sekunden.) Dass es sich in einigen Fällen auch umgekehrt verhält, war programmtechnisch sicher nicht zu vermeiden und kann an dem Gesamteindruck, dass es sich bei der neuen King-Version um eine stark überarbeitete und dabei verbesserte Version handelt, nichts ändern. Mein subjektiver Eindruck von der neuen Programmversion wurde vom 28-jährigen Programmautor Johann de Koning nachdrücklich bestätigt. Nach seinen Angaben handelt es sich bei The King 2.0 tatsächlich um eine grundlegend neu überarbeitete und verbesserte Version, bei der versucht wurde, die Stärken der älteren Versionen beizubehalten und die Schwächen auszumerzen.

Happy Endings

Die Beherrschung grundlegender Endspielfertigkeiten ist auch bei guten Schachprogrammen noch nicht selbstverständlich. Allzu kompliziert und zeitraubend ist es, logische Endspielgrundsätze in abstrakte Algorithmen zu übersetzen. Verständlich, dass sich ein Großteil der Schachprogrammierer davor drückt. Wahre Helden auf diesem Gebiet sind Marty Hirsch und Richard Lang mit ihren Programmen. Diesen hohen Standard hat Johan de Koning noch nicht ganz erreicht, aber was sein Programmkind im Endspiel zeigt, ist wahrlich nicht von schlechten Eltern. Endlich wird das Läufer-Springer-Endspiel nicht mehr mit mickrigen Null, sondern mit angemessenen sieben bis acht Bauerneinheiten bewertet und bei mittleren bis längeren Bedenkzeiten auch beherrscht. Dame gegen Bauer bereitet The King 2.0 genauso wenig Probleme wie Springer gegen Bauer oder Springer gegen Turm; und auch Turmendspiele werden recht passabel gehandhabt.

Richtig zu Hause fühlt sich der König aber vor allem in reinen Bauernendspielen. Hier kann es sogar vorkommen, dass den Königen im Reiche des Endspiels, dem Vancouver bzw. Chess Genius, einmal tüchtig auf die Füße getreten wird. Für folgende Studie von Foltys (Ceskoslovensky Sach 1931) wartet The King 2.0 mit einer außergewöhnlichen Lösezeit auf:

Um hier den richtigen Gewinnweg zu finden, muss man schon einmal etwas von der Theorie der Gegenfelder gehört haben. Gegenfeldmanöver sind vergleichbar dem Oppositionskampf der Könige. Letztlich geht es darum, sein Gegenüber so in Zugzwang zu bringen, dass es einem gelingt, in das gegnerische Lager einzudringen. Hier die gewinnbringende Hauptvariante: 1.Kf1! Ke7 2.Ke1. Gegenfeld! 2... über drei Bauerneinheiten (3.45), und dies, obwohl eine tatsächliche Überlegenheit von drei Bauern erst nach siebzehn Zügen (d.h. nach genau dreiunddreißig(!) Halbzügen) erreicht wird. Die maximale Rechentiefe der Version 2.0 liegt zwar bei 36 Halbzügen Brute Force und 38 Halbzügen selektiv, der große Materialvorteil wird jedoch schon nach elf Sekunden bei einer Rechentiefe von 15/17 erkannt. Dies lässt nur den Schluss zu, dass de Koning seinem Programm auch das Wissen um die Theorie der Gegenfelder beigebracht hat. Mit Erfolg, wie man sieht! Andere Programme haben hier noch nachzuziehen: Chess Genius auf 486/33 mit 320 KB Hashtables findet den Gewinnzug erst nach elf Minuten und bewertet diesen dann nur mit 0.30 Bauerneinheiten. Der amtierende Weltmeister findet den richten Zug zwar auch sofort, kommt jedoch über eine Bewertung von gut einem Bauern nicht hinaus.

Singular extensions, also die selektive Vertiefung von Schach- und Schlagzügen, sind inzwischen ein alter Hut, und The King als taktisch bärenstark zu bezeichnen, hieße Eulen nach Athen tragen. Haben Sie die CSS 1/91 zur Hand? Auf Seite 33 ist dort eine Stellung Rabinovich-Flamber zu bewundern, in der es ein Matt in 15 zu finden gilt. King 0.5 zauberte es nach gut sechs Minuten aus dem Hut. The King 2.0 kürzt ab und schüttelt l.Tf8+ mit Mattansage in 15 Zügen nach 44 Sekunden aus dem Ärmel. Auf Seite 9 derselben Ausgabe finden Sie übrigens ein Matt in 5 aus einer Partie Kasparov-Karpov. The King 0.5 fand das Matt auch in einer halben Stunde nicht. The King 2.0: erneut 44 Sekunden.

99 Halbzüge Brute Force?

Ich will mich bewusst nicht länger in taktischen Gefilden aufhalten. Dass sich die Silikon-Akrobaten hier kaum noch etwas vormachen lassen, ist hinreichend bekannt. Bisher war es gegen die meisten Schachcomputer ein bewährtes Rezept, ihnen einen Bauern zum Fraß vorzuwerfen, um sich darauf ungestört an den König oder seine Gemahlin heranzumachen. In jüngster Vergangenheit scheint es sich jedoch unter den Programmautoren herumgesprochen zu haben, dass mehr von einer schachspielenden künstlichen Intelligenz erwartet wird, als fehlerlos Materialverlust zu vermeiden und Figuren optimal zu entwickeln. Wir mögen maschinelle Perfektion bewundern, unser Herz ist jedoch bei dem, der wenigstens die Illusion kreativen und risikofreudigen Schachs zu vermitteln vermag!

Dass The King uns dabei auch in der jüngsten Version nicht enttäuscht, zeigt folgender kleine Stellungsreigen. In für Computer völlig untypischer Manier wird hier zur Erreichung positioneller und strategischer Vorteile Material geopfert.

Kortschnoi - Petrosjan, Velden 1980

Nach 1...Lb5 2.Lxb5 Txb5 3.exd5 Dxd5 4.Sc5 wäre eine ungefähr ausgeglichene Stellung entstanden. Dies ist die von The King zuerst berechnete Hauptvariante, an deren Ende er sich als Schwarzer mit 0.30 Bauerneinheiten im Vorteil gesehen hätte. Nach eineinhalb Minuten, bzw. einer knappen halben Minute in der Einstellung aggressiv, findet das Programm jedoch das wesentlich interessantere Qualitätsopfer 1...d5xe4! und sieht sich dabei immerhin schon mit einem dreiviertel Bauern im Vorteil. Auf 2.Lxb8 würde The King erst einmal 2...Txb8 spielen. Nach etwa sechs Minuten jedoch ändert sich die Anzeige der Rechentiefe von 4/8 auf 99/8! Damit wird nun aber nicht auf eine Brute Force-Rechentiefe von 99 Halbzügen, sondern auf eine außergewöhnliche Verbesserung der Stellungsbewertung hingewiesen. The King überlegt nun einige Minuten an 2...e4xf3!, bevor er sich nach 12 Minuten, bei einer Bewertung von plus 1.18 Bauerneinheiten, endgültig für diesen kraftvollen Zug entscheidet. Dass Weiß nun in den letzten Zügen liegt, beweisen z.B. folgende Varianten: 3.gxf3 Dxh3+ 4.Dh2 Dxf3+ 5.Kg1 Lh4! 6.Txe8 Lf2+ 7.Kf1 Lg3+ 8.Kg1 Lxh2+ 9.Lxh2 Dg2 matt, bzw. 3.De5 Sg6 (3...f3xg2+ gewinnt auch) 4.Dg3 Lh4 5.Txe8 Dxe8 6.Dd6 fxg2+ 7.Kh2 Lf2 8.d5 g1D+ 9.Txg1 Lxg1 10.Kxg1 c2!

Hier ein weiteres Qualitätsopfer, das dem Weißen hilft, sich aus einer beengten Lage zu befreien.

Reshevsky — Petrosjan, Kandidatenturnier 1953

Auf 1.Df2? droht Schwarz durch 1...b4 in Vorteil zu kommen. Mit 1.Txd3! kann Weiß zumindest ausgleichen. The King 2.0 weiß sich zu verteidigen und spielt den rettenden Zug sofort.

Im nächsten Diagramm opfert Weiß einen Bauern, um seinen Läufer gefährliche Aktivität gegen den schwarzen Königsflügel entwickeln zu lassen.

Botwinnik - Euwe, Den Haag 1948

Hier gilt es 1.Se5! zu finden, was The King auch schon nach zwei Sekunden gelingt. Auf 1...Lxe5 folgt nun 2.dxe5 Dxe5 3.Lc3 De7 4.f3! (3 Sekunden!) mit Vorteil für Weiß.

In der Partie Pachmann — Steiner, Budapest 1948, opfert Pachmann im zwanzigsten Zug einen Bauern, um seinem Läufer die Diagonale zu öffnen und seinen Springer ins Spiel zu bringen.

Pachmann — Steiner, Budapest 1948

Mit 1.g4! gelingt es Weiß, die Aktivität seiner Figuren zu erhöhen und gleichzeitig die schwarze Königsstellung zu schwächen. Chess Genius und Schröders Weltmeisterprogramm finden dieses positionelle Opfer auch nach längerem Nachdenken nicht. The King 2.0 benötigt auf der 16 MHz-Version der Chessmachine fünf Minuten, um 1.g4! mit einer Bewertung von 0.58 Bauerneinheiten zu spielen. 1...f4 scheitert nun an 2.Lf5, womit Weiß einen Bauern gewinnt. Schwarz muss das Opfer mit 1...fxg4 annehmen, worauf 2.Sg3 mit vorteilhafter Stellung für Weiß folgen würde.

Das letzte Beispiel stammt aus der zehnten Partie des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Kasparov und Karpov 1985 in Moskau.

Kasparov - Karpov, Moskau 1985

Karpov hatte mit den weißen Figuren ein gefährliches Übergewicht auf dem schwarzen Damenflügel erreicht. Kasparov musste um den Ausgleich kämpfen. The King findet den rettenden Zug für Schwarz nach drei Minuten und bewertet die Situation mit 0.00 als ausgeglichen.

Mit 1...Txa7! gelingt es Schwarz, sich aus der weißen Umklammerung zu lösen. Nach 2.Txa7 Txb4 3.Df3 Txc4 4.Dxh5 Sf2+! 5.Kg1 Sh3+! 6.Kh1 (nach 6.Dxh3 oder 6.gxh3 kassiert Schwarz mit 6...Dc5+ den Turm auf a7) 6...Sf2+ 7.Kg1 einigten sich die beiden Spieler denn auch auf ein Remis.

Von einem der auszog...

Wer an ausführlichen Partieanalysen des neuen King-Programms interessiert ist, der sei auf den in dieser Ausgabe vorliegenden Artikel unseres Testers Jens Schmidt-Wilke verwiesen. Ich habe mich vorerst auf kürzere Bedenkzeiten beschränkt. Da der TASC R30 mit einem Programm arbeitet, welches mit dem des King 2.0 annähernd identisch ist, habe ich dessen vorliegende Matchergebnisse hier mit einbezogen. Wegen der höheren Taktzahl des R30 habe ich dem Schröder-Programm die doppelte Bedenkzeit gegeben. Obgleich der TASC R30 bei eingeschaltetem Permanent Brain noch einen leichten Geschwindigkeitsvorteil hat, dürfte das Ergebnis im Großen und Ganzen in Ordnung gehen. Hier die Ergebnisse einiger über 10 Schnellpartien (15 Minuten pro Partie) ausgetragener Matches.

King 2.0 gegen M-ChessPRO 486/33 5MB 7,0 : 3,0
R30 gegen M-ChessPRO 486/33 5MB 4,0 : 6,0
King 2.0 gegen ChessGenius 486/33 320KB 5,5 : 4,5
R30 gegen Gideon 3.1 16 MHz (30') 7,5 : 2,5
R30 gegen ChessGenius 486/33 320KB 5,0 : 5,0
R30 gegen Fritz 2 486/33 4MB 8,0 : 2,0

Dass die doppelt so schnelle R30-Hardware wesentlich schlechter gegen M-Chess PRO abschnitt als die 16 MHz "langsame" Chessmachine-Version, scheint die Problematik statistisch zuverlässiger Aussagen erneut zu bestätigen.

Nach gut kommt besser

Stellungstests wie Schnellpartien bestätigen, dass es sich bei The King 2.0 um ein exzellentes Schachprogramm handelt, welches in der Lage ist auch noch den stärksten Konkurrenten das Fürchten zu lehren. Meiner Meinung nach kann allein Richard Langs Chess Genius von sich behaupten, The King noch eine Nasenlänge voraus zu sein. Lang hat de Koning einige Jahre an Programmier- und Turniererfahrungen voraus. Doch Adel verpflichtet. Johan de Koning wird sein Programm weiter verbessern und nicht eher ruhen, bis es seinem Namen alle Ehre macht.

BT-2630-Testergebnisse

Bilder der verschiedenen Ausführungen

ChessMachine Video - Installation + Oberfläche des Schachprogramms (by pato4sen)


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