18. D.A.CH. - Turnier 2018

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Eine Rückschau auf das D.A.CH.-Turnier 2018

- von Alwin Gruber -

Zum 18. Mal in Folge versammelten sich Schachcomputer-Enthusiasten aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden bei einem „come together“ im Hotel Goldener Hirsch in Kaufbeuren. Unsere holländischen Schachcomputerfreunde waren sogar mit 6 (!) Leuten vertreten, was bei einer Anreise mehr als 800 km keine Selbstverständlichkeit ist.

Am Vorabend des Turniers waren Ossi Weiner und Thomas Karkosch, Geschäftsführer der Firma Millennium, beim gemütlichen Beisammensein „vor Ort“. Ossi Weiner faszinierte mit seinem profunden Computerschach-Hintergrundwissen und brachte die Anwesenden mit diversen Anekdoten zum Staunen. Wusstet Ihr z.B., dass Wil Sparreboom, der frühere Geschäftsführer der Firma Tasc, vormals ein Kapitän zur See war? Seine Vorliebe für maritimes Design lässt sich unter anderem daran erkennen, dass die Druckknöpfe der Uhren bei den Tasc R30/R40-Geräten aus Messing bestehen und auch die Frontplatten R30/R40 sind in einem messingfarbenen Ton gestaltet. Darüber hinaus stellte Thomas Karkosch den neugierigen Teilnehmern das erste, serienmässige Millennium The King Element mit dazugehörender Originalverpackung vor.

Nun zum Turnier:

In bewährter Form wurde auf Aktivschachstufe in zwei Gruppen gespielt. Von Kurt Kispert und Turnierleiter Robert Weck wurde die Elo-Grenze für die B-Gruppe per Multiple-Choice-Umfrage auf U 2021 festgelegt, als Referenzgerät diente der Saitek GK 2100. Lt. Robert zeigte sich wieder, dass Turniere mit höheren ELO-Grenzen in Kaufbeuren etwas beliebter sind als mit schwächeren Geräten.

Was geschah in der Gruppe A ?

Verdienter Sieger wurde der Tasc R30 Version 2.5 von Michael Lang. Die ruhige und besonnene Art von Michael übertrug sich 1:1 auf sein Gerät, welches mit dem Spielstil „Normal“ agierte. Der R30/R40 ist ein echter „Klassiker“ und regelmässiger Teilnehmer in der Gruppe A bei den D.A.CH-Turnieren.

Den zweiten Platz belegte der Fidelity „New Elite Avantgarde Version 11“ mit einem Motorola 68060 Prozessor, bedient von Hans van Mierlo. Dieses schicke Gerät mit 2 Displays gleicht optisch sehr stark einem Fidelity Prestige und hat ein Drueke-Brett im Nußbaum-Ahorn Design. Der Fidelity-Bolide trat mit einer hochgezüchteten Platinenvariante, getaktet mit 100 MHz, aus der englischen Schmiede von Steve Brade an. Die 100 MHz verleihen dem über 30 Jahre alten Programm Flügel und machen diesen zu einer taktischen Granate. Allerdings fand der Sieger TASC R30 Version 2.50 im alles entscheidenden Duell mit der V11 bei einem spannenden Endspiel in allerletzter Sekunde den Gewinnzug.

Den dritten Platz belegte ein Millennium Exclusive von Steffen Scholz mit einem Prototypen des Programms "The King". Der King spielte mit der Einstellung Aktiv und dem Aegon-Buch und war noch in einem Chess Genius-Gehäuse „eingezwängt“, da das King-Element erst Ende 2018 offiziell auf den Markt kam. Das Programm spielte mit einer auf 20 Mhz gedrosselten Taktfrequenz und bewies trotzdem, dass es selbst mit diesem Manko mit den stärksten Brettcomputern sehr gut mithalten kann, was für die QUALITÄT des Schachprogramms spricht.

Zu den übrigen Platzierungen: Es zeigt sich immer wieder, dass bei einer so starken und extrem ausgeglichenen Gruppe sowie der überschaubaren Rundenanzahl oft nur Kleinigkeiten über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Beispielsweise kann eine ungünstige Eröffnungswahl oder sogenannte „Permanent-Brain-Effekte“ bei zeitverzögerter Zugeingabe bzw. bei technischen Problemen zu entsprechenden „Verwerfungen“ führen. Wer hätte gedacht, dass der Prototyp einer Mephisto Turniermaschine London mit einem 68040-Prozessor (!) und 2 MB RAM, welcher wechselweise von Hein Veldhuis und Luuk Hofman bedient wurde, nur den 5. Platz belegt, während sein „schwächerer Bruder“, ein Mephisto Genius 68030 London von Walter Lang sich VOR diesem platzieren konnte? Aber auch ein Mephisto Montreux (Operator Helge Matrisch) oder der Mephisto Atlanta von Udo Helscher können sich an guten Tagen durchaus weiter vorne platzieren. Besonders enttäuschte der Revelation Vancouver, bedient von Paul Wiselius mit lediglich 2 Punkten auf der Habenseite. Die 0 Punkte des CT 800 von Rasmus Althoff sind auch damit zu erklären, dass Rasmus nach nur drei gespielten Partien leider aufgrund einer Migräne krankheitsbedingt ausfiel und der CT 800 die restlichen Partien nicht mehr bestreiten konnte.

Abschlusstabelle Gruppe A

P Computer Score (Tie) 1 2 3 4 5 6 7 8 9 + / - / =
1 Tasc R30 V2.5 7.0 / 8 25.00 X 1 1 1 0 1 1 1 1 (+7 -1 =0)
2 Fidelity 68060 V11 100 MHz 6.0 / 8 18.50 0 X = 1 1 = 1 1 1 (+5 -1 =2)
3 Millennium King 20 MHz 6.0 / 8 17.50 0 = X = 1 1 1 1 1 (+5 -1 =2)
4 Mephisto Genius 68030 5.0 / 8 13.00 0 0 = X = 1 1 1 1 (+4 -2 =2)
5 Mephisto TM London 68040 4.0 / 8 13.00 1 0 0 = X 0 = 1 1 (+3 -3 =2)
6 Mephisto Atlanta 3.0 / 8 8.50 0 = 0 0 1 X = 0 1 (+2 -4 =2)
7 Mephisto Montreux 3.0 / 8 5.50 0 0 0 0 = = X 1 1 (+2 -4 =2)
8 Revelation II Vancouver 2.0 / 8 3.00 0 0 0 0 0 1 0 X 1 (+2 -6 =0)
9 CT800 0.0 / 8 0.00 0 0 0 0 0 0 0 0 X (+0 -8 =0)


36 games: +17 -13 =6

Partien der Gruppe A


Gruppe A - Partien Download

Turnierpartien


Was tat sich in der Gruppe B?

Sieger wurde der Saitek Centurion. Dieser wurde bedient von Helmut Hofmann, welcher wieder mit Gattin Michaela und seinem Filius Manuel anreiste. Helmut hat schon öfter das D.A.CH.-Turnier gewonnen. Bei ihm und seinem Sohn trifft die Aussage „Operator und „Maschine bilden eine perfeke Einheit“ in vollem Umfang zu.

Zweiter wurde der Excalibur Grandmaster von Achim Pietig in einer getunten Variante mit 32 MHz. Achim ist ein absoluter Spezialist, was das Tunen von H8-Prozessoren anbelangt und war schon vielen Schachfreunden beim Tunen solcher Geräte behilflich. H8 Prozessoren finden sich auch vielen Printern, Digitalcameras, Controllern und sogar in Waschmaschinen wieder.

Dritter wurde überraschend der Constellation Expert 5 MHz von Ralf-Henning Glomb aus dem benachbarten Kaufering, welcher zum ersten Mal bei einem D.A.CH.-Turnier dabei war. Das doch recht betagte Kittinger-Programm schlug sich in dem prominent besetzten Teilnehmerfeld sehr beachtlich und verlor nur eine einzige Partie gegen den Mephisto Modena und remisierte gegen den Saitek Centurion und den Excalibur Grandmaster.

Zu den übrigen Platzierungen: Hier gilt das gleiche wie bei der Gruppe A: Hätte man das Turnier am darauffolgenden Tag mit dem gleichen Teilnehmerfeld wiederholt, wären die Platzierungen vollkommen unterschiedlich gewesen. Ähnlich wie bei einem Kartenspiel. Der Mephisto Modena von Wolfgang Spiekermann punktete fleißig, außer gegen die drei Erstplatzierten. Der Mephisto Roma II von Operator Bernhard Lederwasch und der Mephisto Milano, bedient von Thorsten Schöler, spielten im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Mein Fidelity Mach II b gewann interessanterweise gegen den Turniersieger und remisierte gegen den Zweiten, verlor jedoch unnötig Punkte gegen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Heiko Bergers Super Expert B musste wegen wiederholter Abstürze durch einen Playmatic S ersetzt werden. Das doch recht betagte Programm tat sich im Gesamtklassement damit erwartungsgemäß sehr schwer. Enttäuschend verlief auch das Abschneiden des Mephisto MM V von Frank Jäger. Da wäre mehr drin gewesen!

Abschlusstabelle Gruppe B

P Computer Score (Tie) 1 2 3 4 5 6 7 8 9 + / - / =
1 Saitek Centurion 6.0 / 8 23.25 X 1 = 1 1 = 0 1 1 (+5 -1 =2)
2 Excalibur Grandmaster 32 MHz 6.0 / 8 20.00 0 X = 1 1 1 = 1 1 (+5 -1 =2)
3 Novag Constellation Expert 5 MHz 5.5 / 8 19.00 = = X 1 0 = 1 1 1 (+4 -1 =3)
4 Mephisto Modena 5.0 / 8 13.50 0 0 0 X 1 1 1 1 1 (+5 -3 =0)
5 Mephisto Roma II 4.0 / 8 12.50 0 0 1 0 X 1 0 1 1 (+4 -4 =0)
6 Mephisto Milano 3.0 / 8 10.25 = 0 = 0 0 X 1 0 1 (+2 -4 =2)
7 Fidelity Mach IIb 2.5 / 8 13.00 1 = 0 0 1 0 X 0 0 (+2 -5 =1)
8 Fidelity Playmatic S 2.0 / 8 5.50 0 0 0 0 0 1 1 X 0 (+2 -6 =0)
9 Mephisto MMV + HG550 2.0 / 8 4.50 0 0 0 0 0 0 1 1 X (+2 -6 =0)


36 games: +23 -8 =5

Partien der Gruppe B


Gruppe B - Partien Download

Turnierpartien


Gesamtfazit:

Es war wieder ein sehr interessantes und spannendes Turnier. Leider entsprachen die Rahmenbedingungen im Hotel Goldener Hirsch nach 18 Jahren nicht mehr den heutigen Anforderungen für unser Turnier. Seit 2019 haben wir deshalb eine „neue Bleibe“ im Hotel „Am Kamin“ in Kaufbeuren gefunden.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim Veranstalter und „Pokalspender“ Kurt Kispert sowie beim Turnierleiter Robert Weck bedanken, der das Turnier in gewohnt ruhiger Besonnenheit leitete. Aber auch den Teilnehmern gebührt mein Dank, denn ohne diese würde es dieses langjährige Turnier nicht geben!

Bilder

siehe auch