Fidelity Elite Champion Sensory Chess Challenger

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Fidelity Elite Champion Sensory Chess Challenger
EliteChampion.jpg
Hersteller Fidelity
Markteinführung 1982
Preis 4.000 DM (2.000 €)
Prozessor 6502
Prozessortyp 8 Bit
Takt 4 MHz
RAM 4 KB
ROM 16 KB
Bibliothek ~5.000 Halbzüge
Programmierer Dan und Kate Spracklen
Elo 1600
Rechentiefe
BT-2450
BT-2630
Colditz
Verwandt Fidelity CC Champion
Zugeingabe Drucksensoren
Zugausgabe 64 Feld-LEDs
Display 4-stellige 7-Segment LED Anzeige
Stromversorgung Netz 9V
Spielstufen 8 x Durchschnittszeit, Analyse sowie programmierbare Stufen und Mattsuche
Maße 20 x 20 cm Spielfeld
Sonstiges
Sprachausgabe mit Synthesizerstimme, 64 Meisterpartien, Druckeranschluss
Level Info
Bedenkzeit Level
30 Sek. / Zug 2
30 Min. / Partie ja
60 Sek. / Zug 3
60 Min. / Partie ja
Turnier 6
Analyse H


Der Weltmeister der offenen Gruppe der WMCCC in Travemünde aus dem Jahr 1981. Bei der WM hatte er eine spezielle Eröffnungsbibliothek und war auf 5 MHz getuned. Der Schachcomputer ist optisch ansprechend und durch das Sensorbrett sehr einfach zu bedienen. Als Zubehör konnte ein Drucker, zum Protokollieren der Partie, angeschlossen werden. Die Auflage war auf 500 Stück limitiert und der Besitzer erhielt auf Wunsch seinen Namen in die Plakette auf der Stirnseite eingraviert.



Oldies but Goldies

Chess Challenger Elite Champion

Karsten Bauermeister (aus Computer Schach & Spiele / Heft 5 / Oktober-November 1995)

Wieder einmal hat unser Mitarbeiter Karsten Bauermeister tief in seiner Asservatenkammer gekramt und ein wirklich interessantes Stück zutage gefördert. Der Chess Challenger Elite Champion war seinerzeit das erste Spitzenprodukt, das Dan und Kathe Spracklen für Fidelity programmierten.

Wissen Sie eigentlich, wer Ihren Schachcomputer programmiert bzw. zusammengeschraubt hat? Nein? Dann gehören Sie nicht zu den glücklichen Menschen, die Besitzer eines Chess Challenger Elite Champion sind. Denn beim Kauf dieses Gerätes wurde dem stolzen Besitzer eine Urkunde mit 25 Namen der an der Entwicklung und Produktion des Gerätes beteiligten Personen mitgeliefert. Als wäre der Käufer damit noch nicht genug geadelt, war vorn am Holzrahmen des Computers ein Messingschild befestigt auf dem der Käufer seinen Namen eingravieren lassen konnten.

Dies war übrigens der einzige äußerliche Unterschied zum kleinen Bruder des Elite, dem gewöhnlichen Chess Challenger Champion, den man für schlappe 998,- DM erstehen durfte. Dennoch konnte bei Erscheinen des Gerätes Ende 1981 nicht jeder in das nächste Kaufhaus gehen und es mit einem Elite Champion wieder verlassen. Zwei entscheidende Hürden gab es bei seinem Erwerb zu überwinden. Da war zunächst der exorbitant hohe Preis von anfangs 4000,- DM! Er war zwar bis Mitte 1982 auf "zivile" 2400,- DM gefallen, doch schwerer wog wohl das zweite Hindernis. Der Elite Champion wurde nämlich nur in einer weltweit begrenzten Auflage von 500 Stück hergestellt.


Teure Technik

Der Preis war durch zwei Faktoren begründet. Das 24 KB-Programm war nämlich identisch mit dem des Weltmeistergerätes der experimentellen Klasse von Travemünde 1981. Es stammte von Dan und Kathe Spracklen, die für den Champion und den Elite Champion ihre ersten Fidelity-Programme geschrieben hatten.

Der zweite Kostenfaktor betraf die verwendeten selektierten Bauteile: Der Elite Champion besaß einen 6502-Prozessor mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 4 MHz. Der einzige Unterschied zum WM-Gerät lag in der Taktfrequenz, die beim WM-Gerät traumhafte 5 MHz erreichte. Zur Verdeutlichung: Als fünf Jahre später das Mephisto-Rebel-Programm auf dem Markt erschien, freuten wir uns über diesen für damalige Verhältnisse schnellen Takt.

Bislang in Deutschland undokumentiert ist übrigens die Tatsache, dass die ersten sechs Geräte (Nr. 001 - 006) mit einem abgespeckten, schachlich im Wesentlichen aber identischen Programm ausgeliefert wurden. Erkennbar ist dies an der Ausstattung dieser Geräte. Während die späteren Elite einen Rolliermodus besaßen, der im Dreisekunden-Rhythmus die Stellungsbewertung, die Rechentiefe und den erwogenen Zug anzeigte, konnte bei den ersten Geräten durch Druck auf die LV-Taste lediglich die Rechentiefe abgefragt werden. Eigene Vergleiche mit beiden Versionen zeigten aber nur minimale Unterschiede im Rechenverhalten.


Tolle Ausstattung

Die Ausstattung des Computers befriedigte ebenfalls gehobene Ansprüche. Das Eröffnungsrepertoire umfasste ca. 5000 Halbzüge, die allerdings nicht wie beim kleinen Bruder Chess Challenger Champion abgefragt werden konnten. Auch die 64 Lehrpartien des normalen Champion wollte man den fortgeschrittenen Spielern, die als Kunden des Elite in Frage kamen, nicht zumuten.

Dafür hatte der Elite natürlich ebenfalls die blecherne Stimme aller Luxus-Chess Challenger, die im Deutschen übrigens einen recht originellen Sprachfehler aufweist. Statt Rochade sagen die Geräte "Onad". Mit viel gutem Willen könnte man auch "Rosthau" verstehen.

Das einzige, was diesem Spitzengerät wirklich fehlte, war ein standesgemäßes Äußeres. Die Züge mussten auf einem 20 x 20 cm großen Drucksensorbrett eingegeben werden, was noch dazu einen leicht grünlichen Schimmer aufwies. Lediglich ein Holzrahmen um das Gehäuse verhieß einen Hauch von Luxus. Die Verbindung zwischen dem stärksten Fidelity-Programm und einem Edelholzbrett in Turniergröße konnte man erst 1982 in Form des Fidelity Prestige erwerben, dem wir uns vielleicht in einer späteren Ausgabe widmen.


Starkes Programm

Die Spracklens, die mit Sargon 2.5 1980 bereits einmal das stärkste Schachprogramm der Welt geschrieben hatten, bürgten auch beim Elite für höchste Spielstärke. In der Tat konnten weder der kommerzielle Weltmeister Chess Champion MK V noch der neue Mephisto II oder das Multi-Game-System von Applied Concepts in der Spielstärke mit dem Elite mithalten. Hier eine kleine Kostprobe, die vom Elite mit der Nummer 1 stammt!

Bei der Weltmeisterschaft hatte der Elite in der ersten Runde gegen Philidor, die experimentelle Version des Chess Champion MK V, verloren, konnte jedoch alle sechs weiteren Partien gewinnen und wurde mit 6 aus 7 mit einem vollen Punkt Vorsprung noch Weltmeister. Natürlich hatte der Elite auch eklatante Schwächen. Die Quadratregel oder die Opposition waren dem Computer ebenso fremd wie die Mattführung mit Läufer und Springer.

Der kleine Elite

1982 brachte Fidelity den Sensory 9 für nur 500,- DM auf den Markt. Die Ausstattung war kärglich, aber das Programm konnte auf Anhieb begeistern. Es handelte sich um ein weiterentwickeltes Elite-Programm, dem nun auch einige elementare Endspielkenntnisse eingegeben worden waren.

Fidelity hatte mit diesem Gerät eine neue, später vielfach erfolgreiche Strategie ausprobiert: ein starkes Programm, das in einem einfachen Gehäuse steckte. Das Gerät war nun komplett aus Kunststoff gefertigt, hatte kein Display und lief auch nur mit 1,5 MHz. Trotzdem wurde es ein Renner und war ein Eckpfeiler des Erfolges von Fidelity-Schachcomputern Anfang der achtziger Jahre. Erst der steigende Dollarkurs ab 1984 stoppte deren Siegeszug in Europa und brachte Hegener und Glaser mit ihren Mephisto-Schachcomputern die Marktherrschaft in Deutschland. Aber das Charisma eines Elite strahlten nur wenige Mephistos aus.


Drucker
Elite Champion quality inspection report. Wo gibt es das heute noch?
Elite Champion Certificate; u.a. mit den Unterschriften von Sidney Samole und Ron Nelson