20. D.A.CH. - Turnier 2021

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Turnierbericht vom „Kurt Kispert Memorial 2021“

Kaufbeuren vom 29.10. bis 31.10.2021 von Alwin Gruber.
Die Partien und Tabellen wurden freundlicherweise vom Turnierleiter Paul Wiselius zur Verfügung gestellt.

Nach einer zweijährigen „Corona-Zwangspause“ gab es vom 29.10. bis 31.10.2021 wieder ein Treffen von „Brettcomputerschach-Begeisterten“ aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden im Flairhotel „Am Kamin“ in Kaufbeuren.

Zuerst möchte ich dem Menschen danken, ohne den es die Zusammenkünfte in den letzten 20 Jahren in Kaufbeuren gar nicht gegeben hätte: Unser allseits geschätzter Schachfreund Kurt Kispert aus Wien, welcher im August 2020 leider völlig überraschend verstorben ist. In seiner ruhigen, bedächtigen und unaufgeregten Art verstand er es stets, dass die D.A.CH.-Turniere in einer sehr angenehmen und freundschaftlichen Atmosphäre stattfanden. Unser langjähriger Turnierleiter Günther Steinmüller und ich hatten uns nach Kurts Ableben Gedanken darüber gemacht, unter welcher Namensgebung wir die D.A.CH.-Turniere in seinem Sinn weiterführen und am Leben erhalten können. Schließlich haben wir uns dann auf „Kurt Kispert Memorial“ verständigt.

Im Rahmen meiner Eröffnungsrede erfolgte ein kurzer Rückblick auf die Entstehungsgeschichte und Historie der D.A.CH.-Turniere. Wie kam es im Jahr 2001 denn überhaupt zu dem ersten internationalen Brettcomputerschach-Turnier im deutschsprachigen Raum?

Mein erster Kontakt mit Kurt Kispert datiert vom 28.11.1999. Die E-Mail liegt mir noch in ausgedruckter Form vor. Kurt hatte mich gebeten, einen Blick auf seine damals neu gestaltete Homepage www.schachcomputer.at zu richten und zu prüfen, ob alle technischen Daten bzw. Besonderheiten der dort beschriebenen Geräte korrekt von ihm wiedergegeben wurden. Seit dieser Zeit standen wir in regelmäßigem Kontakt und es entwickelte sich hieraus ein reger Informationsaustausch. Ferner konnten dank des damals noch nicht so weit verbreiteten Mediums „Internet“ mit anderen Sammlern neue Netzwerke und Freundschaften geknüpft werden.

Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre nahm ich an diversen „gemischten“ Computerschachturnieren mit PC- und Brettcomputer- Beteiligung in Aufseß und Clodra teil, welche von Klaus Fuhrwerk und Rainer Serfling -ebenfalls ausgewiesene Computerschach-Koryphäen- organisiert wurden. Es wurde damals unter Turnierschachbedingungen gespielt und die Turniere dauerten fast eine ganze Woche, wofür ich immer einen Teil meines Urlaubs opferte.

Neben den damaligen PC-Schach-Boliden Shredder, Nimzo, Chess Genius, Fritz oder MChess spielten vereinzelt noch Brettcomputer wie ein Tasc R30 und Tasc R40, ein Mephisto Risc 2, ein Mephisto Genius 68030 oder ein Mephisto Berlin Pro mit. Hierzu gibt es eine nette Anekdote: Im Turniersaal, einem Gaststättenraum von Klaus Fuhrwerk, waren die Temperaturen aufgrund der hohen Anzahl der teilnehmenden PC´s sehr hoch und glichen mitunter einer Tropenlandschaft. Der Tasc R40 von Berthold Glinke hatte dort mit erheblichen thermischen Problemen zu kämpfen und stürzte immer wieder ab. Kurzerhand nahm Berthold Glinke sein Taschenmesser zur Hand und klappte damit das Holzgehäuse des Tasc R40 auf, was tatsächlich zu einer besseren Luftzirkulation führte. Leider brachte ihm diese Aktion aber auch Gelächter und spöttische Kommentare der anderen Teilnehmer ein. Zum damaligen Zeitpunkt war jedoch schon ganz klar erkennbar und absehbar, dass die Zeit der spielstarken alten Brettcomputer vorbei war und diese gegen ein PC-Programm, z.B. auf einem damaligen Pentium mit 166 MHz unter Turnierbedingungen absolut chancenlos waren. Irgendwann waren die dann reinen PC-Schachturniere nicht mehr „meine Welt“. Im Jahr 2001 erzählte ich Kurt im Rahmen eines Telefonats von diesen Turnieren und dieser war sofort Feuer und Flamme, ein Wochenend-Turnier für reine Oldie-Brettschachcomputer ins Leben zu rufen bzw. zu organisieren. Kurt hatte mit seiner schon damals liebevoll gestalteten Homepage nun auch eine entsprechende Plattform, um Brettcomputer-Begeisterte in der ganzen Welt zu erreichen und sich mit diesen zu vernetzten. Am 11.08.2001 war es dann soweit: Auf Kurts Homepage erschien eine Ausschreibung für ein Brettschachcomputer-Oldieturnier, welches im Gasthof „Ostermaier“ in der Nähe von München stattfinden sollte. Mitorganisatoren war neben Kurt noch Manfred Rosenboom und Franz Wiesenecker.

Sehr schnell stellte sich allerdings leider heraus, dass wegen des unerwartet großen Interesses mit rund 20 angemeldeten Teilnehmern die Zimmerkapazitäten im dortigen Hotel nicht ausreichten. Das „Organisationsteam“ musste deshalb sehr kurzfristig umdisponieren. Dadurch entstand mein Kontakt zum Hotel Goldener Hirsch in Kaufbeuren. Lange Rede, kurzer Sinn. Das 1. D.A.CH. - Turnier 2001 unter der professionellen Leitung von Franz Wiesenecker, welcher auch schon die legendären „Welser Computerschachturniere“ organisierte, war ein voller Erfolg. Kurt Kispert verfasste für die Chess Bits Ausgabe Nr. 15 im November 2001 einen sehr schönen und umfangreichen Turnierbericht, dem ich jeden Brettcomputerfan weiterempfehlen kann.

Als Fazit schrieb Kurt zum ersten D.A.CH-Turnier 2001 in der ChessBits (Zitat): „ Von der menschlichen Seite her betrachtet war das Turnier meiner Meinung nach ein voller Erfolg. Selten habe ich auf einen Fleck so viele sympathische Menschen gesehen. Jeder ist mit Freude und Vergnügen bei der Sache ohne dabei einen übertriebenen Ehrgeiz zu entwickeln. Für mich ein Fingerzeig, das in unserer schnelllebigen Zeit doch noch einige Leute gemütlich, freundlich, humorvoll und friedlich beieinander sein können. Und das war wohl der eigentlich größte Gewinn bei unserem sicher nicht letzten „D.A.CH.-Oldie Turnier Kaufbeuren“.

Kurt sollte damit recht behalten: in den Folgejahren ist es ihm als Turnierausrichter stets gelungen, einen gesunden „Mix“ aus älteren Klassikern und Neuentwicklungen zusammenzuwürfeln. Ich denke da speziell an die Anfänge, als Ruud Martin erstmals im Jahr 2004 mit dem Resurrection und später mit den diversen Revelation-Emulationen startete. In den darauffolgenden Jahren wurden Prototypen von Millennium Chess und Rasmus mit seinem „Eigengewächs“ CT 800 die Teilnahmen ermöglicht. Hinzu kamen dann weitere, überaus interessante Neu-Entwicklungen bzw. Schätze von Wolfgang Zugrav, z.B. ein Steinitz 4 mit 20 MHz von Steve Brade, ein Mephisto GM Petrosjan von Gerardo Mateo sowie von Heiko Berger (Turniermaschine Edmonton) hinzu. Hier möchte ich mich ausdrücklich bei Robert Weck für die Abstimmung und Mithilfe bezüglich Erstellung einer Turnierordnung bedanken. In dieser Tradition sollen die jährlichen Treffen weitergeführt werden, auch wenn man es natürlich nicht jedem zu 100% recht machen kann.

Kommen wir nun zum Jubiläumsturnier 2021:

Nachdem die beiden langjährigen Turnierleiter Robert Weck und Günther Steinmüller zeitlich leider verhindert waren, wurde erstmals von unserem holländischen Schachfreund Paul Wiselius die Leitung in souveräner Manier übernommen. An dieser Stelle ein „herzliches Dankeschön“ an Paul, welcher gleichzeitig auch als aktiver Teilnehmer in der Gruppe B startete.

Es wurden folgende ELO-Begrenzungen festgelegt: bei Gruppe A: unter 2400 ELO

  • Bedenkzeit 30 Minuten/Partie

bei Gruppe B: unter 2100 ELO

  • Bedenkzeit 30 Minuten/Partie, alternativ 30 Sekunden pro Zug, wenn dies bei den

älteren Geräten aus technischen Gründen nicht möglich ist

Gespielt wurde im Rahmen eines Rundenturniers

Zur Gruppe A:

Als Sieger in der Gruppe A setzte sich der auf 100 MHz gedrosselte Millennium ChessGenius Exclusive durch, bedient von Marcus Kästner (er war früher Redakteur von ChessBits). Marcus spielte mit den „Spezial-Settings“ Stil „Risiko“, um den Genius damit mehr Aggressivität einzuhauchen sowie mit der interessanten Zeiteinteilung „20 Minuten für 40 Züge“ und „10 Minuten für den Rest der Partie“. Seine Überlegung dahinter bestand darin, dass der Genius die ersten 10 Züge bis zum Mittelspiel seiner Erfahrung nach meistens recht schnell spielt, auch wenn er aus dem Buch ist. Dafür sollte der Rechner im Mittelspiel mehr Zeit erhalten, um hier vielleicht schon die Partie entscheidend zu seinen Gunsten drehen zu können. Wie sich in der Praxis dann zeigte, waren die meisten Gegner des Genius bereits im Mittelspiel angeschlagen. Im Endspiel sollte das Programm von Richard Lang weniger Zeit bekommen, da er dort meist sowieso mehr Positionsverständnis hat als die Gegner und deshalb meist auch mit wenig Zeit noch vernünftig spielt. Dieses Kalkül von Marcus ging voll auf und der auf Aggressivität getrimmte Genius Exclusive ging letztendlich als verdienter Sieger der Gruppe A hervor.

Den zweiten Platz sicherte sich der von mir bediente Reflection II Diablo von Phoenix Chess Systems. Im Übertaktungs-Modus mit 1,7 GHz entspricht die Emulationsgeschwindigkeit laut Berechnungen von Markus Pillen einem Diablo 68000 mit ungefähr 290 MHz. Der Diablo spielte mit der experimentellen Einstellung Selektivität 5 (serienmäßig ist Selektivität 3 vorgegeben) überaus gefällig und meines Erachtens recht aktiv. Allerdings würden ihm im Endspiel deutlich mehr Hashtables als die „serienmäßigen“ mit lediglich 64 KB sehr guttun. Dieser Umstand machte sich unter anderem in Bauernendspielen zum Teil negativ bemerkbar, als eindeutige Gewinnstellungen gegen den CT800 und den Tasc R30 V 2.5 noch verloren bzw. zu einem Remis vergeigt wurden. Insgesamt betrachtet erzielte der emulierte Diablo jedoch ein sehr gutes Resultat und bewies damit, dass er im „Konzert der Großen“ mit entsprechender Hardwarepower durchaus auf Augenhöhe mithalten kann.

Den dritten Platz holte sich fast erwartungsgemäß der auf 30 MHz gedrosselte Millennium The King Element von Marcus Pillen, welcher mit den berühmt berüchtigten „Pillen-Settings“ an den Start ging. Marcus ist im Hinblick auf das Feintuning der King-Programme ein ausgewiesener Spezialist und Tüftler. Was die Einstellung der Spielstile sowie der diversen Optionen betrifft, ist er durch seine „Pillen-Settings“ bekannt geworden. Über die Qualität des King-Programms muß hier nicht weiter geschrieben werden. Es zeigte sich, dass die auf lediglich 10% seines tatsächlichen Leistungsvermögens von 300 MHz gedrosselte Variante damit genau im Ranking eines Tasc R30, eines Genius 68030 oder einer Fidelity Version 11 liegt.

Der 4. Rang ging an den CT800 von Rasmus Altfhoff. Das Geschöpf von Rasmus, welches von ihm fortlaufend optimiert und angepasst wird, spielte in dem starken Teilnehmerfeld durchaus gefällig mit, punktgleich mit dem Millennium The King. Nur aufgrund der schlechteren Feinwertung musste sich der CT800 hinter dem King einreihen.

Den 5. Platz belegte der Fidelity New Elite Avantgarde Version 11 unseres holländischen Schachfreunds Hans van Mierlo. Im Inneren des optisch sehr ansprechenden Fidelity-Flaggschiffs mit einem DRUEKE-Holzbrett aus der englischen Schmiede von Steve Brade werkelt ein Motorola 68060 Prozessor in einer lautlosen, übertakteten Variante mit 100 MHz und passivem Kühlkörper ohne Ventilator. Hans ist ein ausgewiesener Fan des MACH III-Abkömmlings der Spracklens mit dem „Philadelphia-Programm“ und kennt die Stärken (z.B. starke Behandlung von Freibauern) und Schwächen (mitunter positionelle Defizite) des betagten Boliden aus dem Jahr 1988 ganz genau. Bei vergangenen Turnieren konnte er aufgrund der Möglichkeit der Programmierbarkeit der Eröffnungsbibliothek durch eine gezielte Eröffnungswahl die Partieverläufe teilweise positiv beeinflussen, da dem Fidelity offene Stellungen oft mehr liegen als geschlossene. Diesmal reichte es zu einem guten Mittelfeldplatz, wenngleich sich Hans den ein oder anderen Punkt mehr erhofft hätte.

Platz 6 ging an den Mephisto Nigel Short mit 100 MHz, bedient von Herbert Gindl aus Österreich. Herbert war zum ersten mal als Teilnehmer in Kaufbeuren dabei. Das Nigel Short-Programm aus 1993 von Ed Schröder basiert größtenteils auf dem Mephisto Milano und lief auf einer von Roland Langfeld und Jürgen Müller entwickelten FPGA-Prozessoremulation, welche PIN-kompatibel zu einem gewöhnlichen 65C02-8-Bit-Prozessor ist, intern aber mit 100 Mhz abgearbeitet wird. Gegenüber einem herkömmlichen Mephisto Milano entspricht das einer beachtlichen Steigerung um den Faktor 20 und das Programm konnte sich im sehr starken Teilnehmerfeld einen guten Mittelplatz sichern.

Der 7. Rang ging an den Tasc R30 Version 2.50 von Walter Lang. Besonders fasziniert war ich von der grünen Hintergrundbeleuchtung des Displays seines Tasc R30, welches eine deutlich bessere Ablesbarkeit ermöglicht. Walter ist technisch sehr versiert und kennt dieses Gerät wie seine Westentasche. Seinen R30 hat er durch Einbau eines Kippschalters technisch umgerüstet, dies ermöglicht die Anwahl verschiedener Programmversionen, ohne das jeweilige Programm EPROM wechseln zu müssen (darunter die King-Versionen 2.20, 2.23 2.50 sowie Gideon Madrid) Der R30 spielte in diesem Turnier sehr solide und konnte eine Platzierung im unteren Mittelfeld der Tabelle erreichen.

Der Mephisto London 68030 mit 33 MHz von Gerhard Vetter spielte unter seinen zweifellos vorhandenen Fähigkeiten und enttäuschte mit Rang 8. Der London landete damit im hinteren Tabellendrittel. Gerhard in seiner ruhigen Art nahm es mit Humor. Wie in jedem Turnier gibt es positive und negative Überraschungen. Hier möchte ich auf das D.A.CH.-Turnier im Jahr 2006 erinnern: damals wurde Gerhard Überraschungssieger in der Gruppe A mit einem serienmässigen Mephisto Vancouver 68020 mit 12 MHz in einem sehr starken und ausgeglichenen Teilnehmerfeld. Marcus Kästner bediente in dem Turnier gleich zwei Geräte und setzte dabei sehr große Hoffnungen auf seinen auf 40 MHz getunten Mephisto Atlanta. Das auf doppelte Geschwindigkeit frisierte Gerät enttäuschte jedoch auf ganzer Linie, konnte lediglich 2 magere Pünktchen auf der Habenseite verbuchen und belegte damit den vorletzten Platz in der Gruppe A. In dem Duell gegen den CT800 trat bei dem Morsch-Programm als Anziehender folgender eklatanter Fehler in der Eröffnungsbibliothek auf: Gespielt wurde 1. d4 e6 2. Sc3 d5 3. Lg5 ?? Dxg5…. aus und vorbei ! 0:1. Marcus verriet mir, dass er über das Abschneiden seines Schützlings in dem Turnier so frustriert war, dass er den Atlanta direkt nach dem Turnier wieder verkauft hat.

Ruud Martin schickte mit großen Erwartungen seinen Reflection II Fidelity Version 4 und 1 MB Hashtables ins Feld. Mit dieser Hardware entspricht die Emulations-Geschwindigkeit im „Übertaktungsmodus“ mit 1,7 GHz einem Motorola 68000-Prozessor mit rund 395 Mhz. Leistungsmässig kommt die Version 4 damit sehr nahe an die Turbovariante der Version #11 mit einem 68060 Prozessor und 100 MHz von Hans van Mierlo heran. Leider konnte Ruud das Turnier wegen einer unerwarteten Autopanne bei seinem Mercedes nicht fortsetzen. Diese Panne war verbunden mit einer sich sehr lange hinziehenden Reparatur aufgrund eines nicht lieferbaren Ersatzbauteils. Der Chipmangel in der Corona-Krise lässt grüssen!

Der Fidelity wurde deshalb nach Rücksprache mit der Turnierleitung aus der Wertung genommen und jedem seiner Kontrahenten in der Gruppe A ein Punkt gutgeschrieben.

Partien Gruppe A

Tabelle Gruppe A

P Computer Score (Tie) 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 + / - / =
1 Millennium ChessGenius, Exclusive 100 MHz 7.5 / 9 28.75 X 0 = 1 1 1 1 1 1 1 (+7 -1 =1)
2 Reflection II Diablo 6.0 / 9 23.75 1 X 1 0 = 0 = 1 1 1 (+5 -2 =2)
3 Millennium King Element, 30 MHz 5.5 / 9 19.75 = 0 X 1 0 0 1 1 1 1 (+5 -3 =1)
4 CT800 V1.43 240 MHz 5.5 / 9 19.25 0 1 0 X 0 1 = 1 1 1 (+5 -3 =1)
5 Fidelity Elite V11 100 MHz 5.0 / 9 21.25 0 = 1 1 X 1 = 0 0 1 (+4 -3 =2)
6 Mephisto Nigel Short 100 MHz 5.0 / 9 17.50 0 1 1 0 0 X 0 1 1 1 (+5 -4 =0)
7 Tasc R30 V2.5 4.5 / 9 15.25 0 = 0 = = 1 X 0 1 1 (+3 -3 =3)
8 Mephisto London 68030 33 MHz 4.0 / 9 11.50 0 0 0 0 1 0 1 X 1 1 (+4 -5 =0)
9 Mephisto Atlanta 40 MHz 2.0 / 9 5.00 0 0 0 0 1 0 0 0 X 1 (+2 -7 =0)
10 Reflection II Fidelity V2 (kampflos - defekt) 0.0 / 9 0.00 0 0 0 0 0 0 0 0 0 X (+0 -9 =0)


  • 45 games: +14 -26 =5


Was geschah in der ebenfalls sehr stark besetzten und ausgeglichenen Gruppe B?

Dort ging es extrem knapp und eng zu. Zwischen Platz 3 und Platz 6 gab es lediglich einen Unterschied von nur einem halben (!) Punkt, so dass die Feinwertung über die jeweilige Platzierung entscheiden musste.

Als Sieger der Gruppe B konnte sich der 8 Bit Mephisto MM IV Turbo mit 26 MHz von Dirk Heidtfeld durchsetzen. Bei diesem beschleunigten Modul handelt es sich um einen der ersten Prototypen von Dirks Freund Heinrich Hawig. Dirk bereitete sich sehr akribisch auf das Turnier vor und schätzte im Vorfeld aufgrund diverser Vergleichskämpfe die Spielstärke auf knapp unter 2.100 ELO-Punkte. Er sollte mit seiner Einschätzung richtig liegen. Der Turbo MM IV gewann verdient die Gruppe B mit 6 Punkten. Den zweiten Rang erreichte der Mephisto Almeria 68000 mit einem Motorola 68000 Prozessor von Wolfgang Spiekermann. Das solide agierende Lang-Programm von 1988 überzeugt auch heute noch durch sein gutes Endspielwissen und sicherte sich damit in dem Turnier den ein oder anderen wichtigen Zähler.

Platz 3 erreichte der auf 8 MHz getunte Novag Super Forte C von Heiko Berger mit 5,5 Punkten Im Inneren des mit einem sehr gut ablesbaren, weißen Aktiv-Display ausgestatteten Geräts werkelt ein 65c02-14 Prozessor. Laut Info auf Heikos Homepage „Schachcomputer Online-Museum“ wurde mit einem Wechsel des Taktgebers die Rechengeschwindigkeit auf 8 MHz angehoben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit auf die Programmversionen A1, A2, B und C umzuschalten. Der Novag spielte in dem sehr starken und ausgeglichenen Teilnehmerfeld insgesamt betrachtet eine gute Rolle. Den vierten Rang konnte sich der Mephisto Explorer Pro von Gernot Holm mit 5,5 Punkten sichern. Das schöne und futuristische anmutende, schwarze Design dieses Geräts mit den geschwungenen Seitenpartien und einem grünen, hintergrundbeleuchteten Display überzeugt optisch. Das mit dem GK 2100 verwandte Grundprogramm von Frans Morsch auf einem H8 Prozessor mit 16 MHz spielt taktisch sehr stark, hat aber seine Schwächen im Endspiel, welche den ein oder anderen wichtigen Punkt kosteten.

Thomas Jäger trat mit einem Turbovariante des SARGON ARB 4.0 Programms an, welcher mittels einer „BeagleBone“-Emulation beschleunigt wird. Es handelt sich um einen Miniatur PC auf Basis eines 1 GHz Sitara AM 335x ARM Cortex Prozessors. Es wird hier eine Emulationssoftware samt ROM-Images von einer SD-Karte geladen. (Quelle: Schachcomputer-Online-Museum von Heiko Berger) Die Simulation erreicht 130 MHz CPU-Frequenz des 65C02 Prozessors. Dieser „Exote“ sicherte sich mit ebenfalls 5,5 Punkten Platz Nr. 5. Trotz des sehr hohen Geschwindigkeitszuwachses beobachtete Thomas im Rahmen des Turniers die altbekannten Schwächen bei dem nun schon recht betagten Programm von 1984: teils deplatzierte Figuren (sogenannte „Spracklen-Randspringer“), oft rückständige Entwicklung, mangelnde Königssicherheit, schwache Bauernstrukturen.

Auf dem 6. Platz landete im Mittelfeld ebenfalls ein Programm aus der Feder der Spracklens, ein Fidelity Elite Avant Garde mit der Multiprozessor-Version 5 (2 x Motorola 68000) aus dem Jahr 1988. Als Operator fungierte Ralf-Henning Glomb, welcher bereits 2018 in Kaufbeuren mit einem Novag Constellation Expert teilnahm und damals den 3.Platz belegte.

Rang 7 sicherte sich der Saitek Barracuda mit 4 Punkten von Paul Wiselius. Es handelt sich um einen Clone aus der „Saitek GK 2000-Familie“ von Frans Morsch aus dem Jahr 1998 in der getunten Version mit 40 MHz. Dieser spielt taktisch stark, hat aber auch die üblichen Endspielschwächen. Serienmässig läuft das Gerät nur mit 10 MHz. Da die meisten teilnehmenden Computer die Stufe 30 Minuten pro Spiel hatten, dachte Paul, es wäre besser, mit der Stufe 90 Minuten pro Spiel zu spielen (120 min/Spiel gibt es bei dem Barracuda nicht), was effektiv (geteilt durch 4) einer Stufe von 22,5 Minuten pro Spiel bedeutet. Er spielte also tatsächlich mit einer 30-MHz-Version, was im Nachhinein betrachtet eine Schwächung darstellte. Hätte Paul z.B. die Partie gegen den Explorer Pro auf der Stufe 30 Sekunden pro Zug gespielt, hätte er gewonnen statt verloren. Daher können die absolvierten Spiele leider nicht für die Bewertung der 40-MHz-Version herangezogen werden.

Den 8. Platz erzielte ein Mephisto GM Petrosjan mit dem WM Glasgow-Programm. Bedient wurde dieses optisch sehr ansprechende Gerät mit dem markanten, ins Auge stechenden teuflisch roten Display von Erwin Biri. Das hochselektive, recht betagte Programm von 1984 von Thomas Nitsche wurde gegenüber der Serie von 12 MHz auf immerhin 32 MHz beschleunigt. Trotz der Geschwindigkeitserhöhung um den Faktor 2,7 zeigte der Petrosjan während des Turniers den ein oder anderen „Aussetzer“, was zu Kopfschütteln und Unverständnis bei Erwin führte. Immerhin konnte er sich dann in diesem sehr starken Teilnehmerfeld mit 4 Punkten noch im unteren Mittelfeld festsetzen.

An 9. Stelle und 10. Stelle platzierten sich zwei weitere Geräte aus der „BeagleBone-Armada“.

Platz 9 erreichte mit immerhin 2,5 Punkten ein Sargon ARB 3.5 aus der Feder von John Aker aus dem Jahr 1983. Bedient wurde das Gerät von unserem österreichischem Schachfreund Wolfgang Zugrav, welcher auch maßgeblich an der Entwicklung und Realisierung des BeagleBone-Projekts beteiligt war.

Der Platz 10 wurde belegt von dem überaus betagten Schachprogramm SARGON ARB 2.5 der Spracklens aus dem Jahr 1980, welches keinen einzigen Punkt erzielen konnte. Als Operator fungierte Hannes Seif, ebenfalls aus Österreich. Hannes ist wie kein anderer mit den BeagleBone Emualationen technisch vertraut. Beim ARB 2.5 zeigte sich allerdings, dass trotz einer enormen Geschwindigkeitssteigerung in diesem extrem starken und ausgeglichenen Teilnehmerfeld ein überaus betagtes und veraltetes Schachprogramm keine Bäume mehr ausreißen kann und diesem ganz klar „die Grenzen“ aufgezeigt wurden.

Partien Gruppe B

Tabelle Gruppe B

P Computer Score (Tie) 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 + / - / =
1 Mephisto MM IV 26 MHz 7.0 / 9 26.50 X 0 0 1 1 1 1 1 1 1 (+7 -2 =0)
2 Mephisto Almeria 68000 6.0 / 9 24.00 1 X 1 0 0 1 0 1 1 1 (+6 -3 =0)
3 Novag Super Expert C 8 MHz 5.5 / 9 24.50 1 0 X 1 1 = 1 0 0 1 (+5 -3 =1)
4 Mephisto Explorer Pro 5.5 / 9 20.25 0 1 0 X = 1 1 0 1 1 (+5 -3 =1)
5 Chafitz ARB Sargon 4.0, 130 MHz 5.5 / 9 19.25 0 1 0 = X 0 1 1 1 1 (+5 -3 =1)
6 Fidelity Elite AVG V5 5.0 / 9 16.75 0 0 = 0 1 X = 1 1 1 (+4 -3 =2)
7 Saitek Barracuda 40 MHz 4.0 / 9 13.75 0 1 0 0 0 = X 1 = 1 (+3 -4 =2)
8 GM Petrosjan 32 MHz 4.0 / 9 13.50 0 0 1 1 0 0 0 X 1 1 (+4 -5 =0)
9 Chafitz ARB Sargon 3.5, 130 MHz 2.5 / 9 7.50 0 0 1 0 0 0 = 0 X 1 (+2 -6 =1)
10 Chafitz ARB Sargon 2.5, 130 MHz 0.0 / 9 0.00 0 0 0 0 0 0 0 0 0 X (+0 -9 =0)


  • 45 games: +21 -20 =4

Bilder von Alwin Gruber


Bilder der Teilnehmer


Fazit:

Es war wieder ein rundum gelungenes, unterhaltsames und sehr harmonisches Computerschach-Wochenende, welches den Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Neben Hein Veldhuis gesellten sich noch weitere Besucher bzw. Beobachter zu dem Turnier, darunter Horst Kern mit Gattin. Horst war zum ersten mal in Kaufbeuren und verriet mir, dass er aufgrund der vielen, neuen Eindrücke derart begeistert war, dass er beim Kurt Kispert Memorial 2022 als Teilnehmer mit dabei sein möchte. Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass im Rahmen der Siegerehrung der frühere Turnierleiter Robert Weck via ZOOM-Meeting live dazugeschaltet wurde und er sich sehr hierüber freute.

Auf ein baldiges Wiedersehen beim „Kurt-Kispert-Memorial 2022“, dann hoffentlich ohne Corona-Einschränkungen!

Alwin Gruber

siehe auch