CXG Sphinx Dominator

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CXG Sphinx Dominator
Hersteller CXG Jahr: 1989
Elo 1880 Preis 498 DM (250 €)
Programmierer Frans Morsch BT-2450 1756
Prozessor 6502 BT-2630 -
Prozessortyp 8 Bit Colditz -
Takt 4 MHz Rechentiefe 19 Halbzüge
RAM 8 KB Display 2x vierstelliges 7-Segment-LCD
ROM 32 KB Zugeingabe Drucksensoren
Bibliothek 8.000 Halbzüge in 1200 Varianten plus 3000 programmierbare Halbzüge Zugausgabe 64 Feld-LEDs
Spielstufen 72
Maße Spielfeld 26 x 26 cm, Königshöhe 6 cm
Stromversorgung   HGN 5001, 8,5V / 250mA (Plus innen)
Verwandt CXG Sphinx Galaxy, Mephisto Modena
Sonstiges
Es existieren verschiedene Programmversionen (2.00-2.05).

Dominator 1.jpg
Dominator 3.jpg

Infos
Bedienfeld


Ältere Versionen spielen zwar nicht unbedingt schwächer, beinhalten jedoch einige unschöne Programmfehler, die dem Dominator schon so manchen halben oder ganzen Punkt gekostet haben. Mit folgendem Kniff läßt sich leicht feststellen, mit welcher Programm-Version man es zu tun hat: Springer- und Bauertaste gedrückt halten und einfach das Gerät einschalten. In den beiden vierstelligen Displays erscheint dann „Test" und die jeweilige Versions-Nummer.


Im nachstehenden Bericht wird die Entwicklung des zuerst im CXG Sphinx Galaxy und später im Dominator verwendeten Schachprogramms beschrieben.

Die Akte Sphinx

Die folgenden Artikel stammen aus MODUL 1988-91. Besten Dank an den Verfasser Thomas Mally und das seinerzeitige MODUL-Team.


Die morsche Sphinx

Rätselhafter CXG Sphinx Galaxy © Modul 3/88

Nein; das ist kein Druckfehler! Hier soll nicht behauptet werden, das es beim Sphinx Galaxy in den Schaltkreisen knirscht; ausgesagt wird lediglich, daß das neue CXG-Programm von Frans Morsch erstellt wurde, also ein Morsch-sches Produkt ist. Frans ist ja vor kurzem von Mephisto zu CXG gewechselt, und sein neues Gerät soll dort den Super Enterprise (bzw. Advanced Star Chess) von Kaare Danielsen ablösen, der zwar ein kombinatorisch schlagfertiges, insgesamt aber doch nicht besonders spielstarkes Programm aufwies. Daher wird das Gerät vom österreichischen Importeur hartnäckig als "Super Enterprise Plus" angekündigt - wahrscheinlich möchte er nicht gerne an die 16-Bit-Sphinx-Geräte erinnert werden, die bei der WM 87 den Mephistos als Prügelknaben dienten und seither als Ladenhüter ein recht kümmerliches Dasein fristen.

Da Frans Morsch den sehr erfolgreichen Super Mondial programmiert hat, konnte man annehmen, daß sein neues Programm mindestens ebenso stark sein würde. Allerdings ist das nicht ganz so einfach: aus Copyright-Gründen mußte er sein Programm doch erheblich umschreiben, und das Ergebnis scheint alles andere als ausgereift zu sein. Wie man hört, hat Morsch seine ursprüngliche Absicht, mit einem Sphinx Turbo an der WM teilzunehmen, nach enttäuschenden Testresultaten wieder fallen lassen. Die klassische Sphinx pflegte bekanntlich den Wanderern hinterhältige Rätsel aufzugeben. In dieser Beziehung ist der Name ausgezeichnet gewählt: auch diese(r) "Sphinx" steckt voller Rätsel.

Wenn man sich nicht an der vom Super Enterprise übernommenen Anordnung der Bedienungselemente (auf einer Art "Ausleger") stößt, dann ist die Ausführung des Galaxy durchaus zufriedenstellend. Die Funktionen wie z.B. Stellungen eingeben, Replay etc. sind einfach zu bedienen, das Brett ist überhaupt das größte Drucksensor-Brett, das mir bekannt ist, und würde sich ausgezeichnet zum Spiel direkt auf dem Computer eignen - rätselhaft, warum der gute Gesamteindruck durch die katastrophale Ausführung der Figuren getrübt werden muß. Nicht nur, daß der Kontrast zwischen den beiden Farben gering ist - König und Dame leiden unter Magersucht und sind von dem ebenfalls auf Nulldiät gesetzten Läufer kaum zu unterscheiden.

Das Doppeldisplay versorgt den Benutzer mit den wichtigsten Informationen, und zwar: Gesamtzeit, Hauptvariante (6 Halbzüge), Stellungsbewertung, augenblickliche Rechenzeit, der derzeit untersuchte Ast , die Brute Force- und die selektive Rechentiefe. Leider ist dieses Angebot nur durch mehrfache Betätigung der Hint-Taste zu erreichen; nach der Anzeige des Zuges und Eingabe des Gegenzuges springt die Anzeige wieder auf die Gesamtzeit zurück. Allerdings nicht immer: manchmal bleibt sie auf der eingestellten Information. Nach welchen Prinzipien das vor sich geht, ist mir allerdings schleierhaft geblieben.

Ziemlich ungewöhnlich ist, daß Züge auf dem internen Rechenbrett sofort ausgeführt werden, ohne Rücksicht darauf, ob auch die entsprechenden Felder gedrückt wurden. Man kann also den Computer durch "MOVE" zu mehreren Zügen hintereinander veranlassen, ohne eine einzige Figur auf dem Brett umzustellen oder irgendein Feld zu drücken, ebenso ist es beim Zurücknehmen der Züge. Hier spielt offenbar der (ansonsten begrüßenswerte) Replay-Modus herein, in dem man Zugfolgen durchlaufen kann, auch ohne sie auf dem Brett auszuführen. Für das praktische Spiel erhöht dies aber die ohnehin schon recht große Gefahr , daß zwischen der Position auf dem Brett und der im Computer gespeicherten Stellung eine Diskrepanz ist.

Beim Sphinx Galaxy besteht die Möglichkeit, Partien bzw. Eröffnungen abzuspeichern, und zwar auf jedem der 64 Felder eine. Eine ähnliche Funktion gab es ja schon beim Super Enterprise; allerdings pflegte sie selten zu funktionieren. Zunächst gab ich einmal die "Eröffnung" 1.h4 h5 2.g3 g6 3.Lh4 Lh6 ein, um festzustellen, ob der Computer sie auch in sein aktives Repertoire aufnimmt (was aus der knappen und fehlerhaften Gebrauchsanweisung nicht hervorging.) Zu meiner Überraschung wollte der "Galaxy von Stund an mit weiß überhaupt nur mehr mit 1.h4 eröffnen - das kann auch nicht ganz im Sinne des Erfinders sein. Auch bei der Belegung der 64 Felder gab es einige Ungereimtheiten, da auch auf solchen, die ich nicht angewählt hatte, gespeicherte Partien angezeigt wurden, die allerdings häufig wechselten und sich auch nicht nachspielen ließen. Trotzdem: die Speicherungs- und Nachspielfunktion ist komfortabel und als Positivum zu vermerken.

Problemisten werden mit dem Galaxy wenig Freude haben. Zunächst kann man nicht gezielt nach einem "Matt in X" suchen lassen, sondern hat nur eine einzige Mattsuchstufe zur Verfügung, auf der zunächst ein Matt in 1, dann in 2, 3 etc. gesucht wird. Bisweilen gibt es da überraschend schnelle Lösungen - da dabei auch die selektive Suchtiefe angezeigt wird, ist zu vermuten, daß Morsch keinen eigenen Mattsuch-Algorithmus geschrieben hat, sondern einfach den normalen Suchprozeß unter Ausschaltung der Bewertungsfunktion anwendet. Eine Suche nach Nebenlösungen gibt es nicht, und falls ein Problem unlösbar sein sollte, so wird kein "NO" gemeldet - man kann höchstens durch Beobachtung der Brute Force-Suchtiefe feststellen, ob die für die gewünschte Mattführung nötige Anzahl von Halbzügen schon ausgeschöpft ist. Kurios wurde es allerdings, als ich das fünfzügige L-S-Matt (Nr.14 in der Problemspalte von MODUL 2/88) eingab: Der Galaxy zeigte zwar schon nach etwa 2 Minuten den Schlüsselzug 1.Sc3 mit richtigem weiteren Abspiel und der Bewertung +9,99 (=Gewinn) an, dachte aber gar nicht daran, den Zug auch auszuführen. Vielmehr rechnete er fröhlich weiter, um nach 7:36 einen völlig falschen Zug, nämlich 1.Kc6? auszugeben, und zwar ohne Mattansage.

Vollends in die Bereiche des übersinnlichen gerät man, wenn man die Galaxy auf einige Stellungen aus Jens Baek Nielsens Rating-Test (s. Beilage) losläßt. Hier zeigt er eigenwillige und in einigen Fällen einzigartige Lösungen. So besteht er z.B. in Diagr. 5 darauf, mit Sxc5?!? dXc5 Lxg5 einen Springer für zwei Bauern und völlig nebulose Kompensation zu opfern - de facto hat er lediglich noch eine weitere Angriffslinie gegen seine eigene Königsstellung geöffnet. Ich wette, daß kein anderes von den etwa 30 bisher getesteten Geräten auf eine solche Lösung verfallen ist.

Es wird aber noch besser, wenn man ihn auf jene taktischen Aufgaben ansetzt, in denen durch den ersten Zug ein Matt zu verhindern ist. Nehmen wir z.B. Diagramm 59: er hält es auch nach 30 Minuten nicht für notwendig, auf den Zug 1.Txc5? zu verzichten und das darauf folgende Matt in 3 abzuwenden, was der Super Enterprise z.B. schon nach 3 Minuten tut. Gibt man Txc5 ein und läßt den Galaxy nun für Schwarz weiterrechnen, zeigt er keinerlei Interesse an dem Matt in 3., das der Super Enterprise bereits nach 50 Sekunden ausspielt - er beschäftigt sich lieber mit dem Zug 1.- Sd7, wobei er folgende Abwicklung angibt.: 2.Tc8 Txc8 3.Sc6 bxc6 4.Sxc6. Die Stellungsbewertung bleibt dabei negativ für Schwarz: zunächst -3,85, später -1,78. Wenn man versucht, ihm mit 1.- Dh4+ 2.Kf3 auf die Sprünge zu helfen (jetzt ist nach 2.- h5 das matt mit Dg4 nicht mehr zu verhindern) so gibt er folgende Variante an: 2.- Le1(!?!) 3.e5 Dg3+ 4.Ke4 Dh4+ 5.g4. Sie sollten diese Variante unbedingt einmal nachzuspielen - es ist ein ganz besonderes Erlebnis! So ungefähr stelle ich mir Kortschnoi im LSD-Rausch vor... Doch halt: nach etwa 8 Minuten erscheint das erlösende 2. h5! in der Anzeige. Na endlich - jetzt sieht er wohl auch das Matt im nächsten Zug? Weit gefehlt: der Galaxy erwartet vielmehr die Abwicklung 3.Sc6 bxc6 (statt Dg4 matt) 4.Dd1 cxd5 (noch immer wäre Dg4 matt) 5.Ke2! Mit andern Worten: der Galaxy tut alles, um nicht Matt setzen zu müssen - und in den folgenden, ähnlich gelagerten Stellungen ist es auch nicht anders. Hier muß im Programm etwas vollkommen schief gelaufen sein - der Ausdruck "rätselhaft" reicht da nicht mehr aus. Man wird eher an Hamlet, 2.Akt, 2.Szene denken müssen: "Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode."

Trotz all dieser Kuriositäten kann man aber nicht behaupten, daß der Galaxy nicht auch imstande wäre, die eine oder andere ganz brauchbare Partie aufs Parkett zu legen. Im Übergang aus der Eröffnungsphase ins Mittelspiel macht er oft sehr schwache Züge und bringt sich dadurch in eine haarsträubende Stellung, verteidigt sich dann aber hartnäckig und umsichtig und kann manchmal sogar noch das Steuer herumreißen. Ein Beispiel (der Galaxy hat Weiß):

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 c5 5.cxd5 cxd4 6.Dxd4 Le7 7.e4 Sc6 8.Dd2 exd5!? 9.exd5 Bisher spielte der Galaxy" aus der Bibliothek; nun muß er selbst rechnen und wählt im Vergleich zum Super Mondial (der hier richtig LxS spielt) den schwächeren Zug 9...Sxd5 10.Lxe7 Dxe7+ 11.Sge2 Sxc3 12.Dxc3 0-0 13.g3 Te8 14.Td1 Lf5 15.a3 hat der Galaxy eine bemitleidenswerte Stellung erreicht - das Rätselhafte an diesem Fall ist jedoch das ich nicht im Stande war, aus der exponierten Stellung des weißen Königs Vorteil zu ziehen und die Partie nach einigen Verrenkungen des Galaxy in ein ganz ausgeglichenes Endspiel mündete. (Vielleicht war aber auch mein Angriffsspiel allzu morsch.)

Die Hoffnung, daß man hier für 3000,- ATS ein dem Super Mondial vergleichbares Programm in guter Ausstattung bekommen würde, hat sich leider nicht erfüllt. Allerdings kommt aus Holland bereits die Meldung, daß man dort damit beschäftigt ist, in die ersten aus Hong Kong gelieferten Geräte neue EPROMs einzubauen - mag sein, daß die nächste Generation, mit der "Gnade der späten Geburt" gesegnet, sich weniger rätselhaft zeigen wird.

Die gezähmte Sphinx

CXG Sphinx "Dominator" 2.00 © Modul 4/88

Die Versions-Vielfalt beim neuen CXG Sphinx Galaxy, über die wir in MODUL 3/83 ausführlich berichtet haben, hat sogar den routinierten schwedischen Testern einen Streich gespielt: nach 80 Testpartien stellten sie fest, das Frans Morsch ihnen versehentlich zwei verschiedene Versionen seines Programms zur Verfügung gestellt hatte: einmal die ältere Version 1.03, von deren rätselhaften Absonderlichkeiten in MODUL die Rede war, und zum anderen die offenbar wesentlich verbesserte Version 2.00. Da sich nicht mehr feststellen ließ, welche Ergebnisse mit welcher Version erzielt worden waren, begann man mit der Testarbeit noch einmal von vorn, und zwar mit der allerneuesten Version 2.03, die eindeutig bessere Ergebnisse erzielte als das frühere Spitzenprogramm von Morsch, der Mephisto Supermondial.

Wie kann man die Version 1.03 (die wirklich nicht zu empfehlen ist) von der Version 2.00 (und höheren) unterscheiden? Es gibt 3 Möglichkeiten:

  • Schauen Sie in den frei zugänglichen ROM-Schacht: der Prozessor-Chip sollte einen Aufkleber tragen, der die Versionsnummer ausweist.
  • Machen Sie den von Frans Morsch selbst an uns "verratenen" Selbsttest: Springer- und Bauerntaste gedrückt halten und dann das Gerät einschalten. Im Display wird dann "Test" und die Versionsnummer angezeigt.
  • Beachten Sie die Anzahl der Spielstufen: Die Version 2.00 hat 56 Levels, insbesondere 8 Mattsuchstufen (1.03: nur eine) und 8 Anfängerstufen, die bei der früheren Version fehlten.

Inzwischen konnten wir die Version 2.00 testen, und zwar in einem neuen Modell, das sich "Sphinx Dominator" nennt und sich schon äußerlich stark vom Galaxy unterscheidet. Es ist einerseits kleiner (Feldgröße: nur 22 x 22 mm), hat aber den wesentlichen Vorteil, daß jedes Feld mit einer LED ausgestattet ist, was die Übersichtlichkeit (besonders beim Blitzen und bei der Stellungskontrolle) beträchtlich erhöht. Die Bedienungstasten und das Display sind nicht mehr auf dem vom Super Enterprise "ererbten" Ausleger, sondern auf einer normalen, in das Brett integrierten Randleiste untergebracht. Die Tasten sind übersichtlicher angeordnet und haben einen ordentlichen Druckpunkt. (Die Anordnung der "Take-Back" und der "Move"-Taste Rücken an Rücken mit einem kleinen Steg dazwischen ist allerdings Geschmacksache: Manche fühlen sich dadurch fatal an eine Vitaminkapsel erinnert.) Die Figuren sind zwar nicht schön zu nennen, aber weniger schmalbrüstig ausgefallen als beim Galaxy. Insgesamt bekommt man für nur 500 S mehr (Preis in Österreich: 3500,- ATS gegenüber 3000,- ATS für den Galaxy) ein wesentlich kompakteres und angenehmer zu bedienendes Gerät.

Nun zu den Unterschieden zwischen der Version 1.03 und der im Dominator eingebauten Version 2.00 des Morsch-Programms: Auf dem Display bleibt jetzt die zuletzt angewählte Anzeige erhalten, auch nachdem der Computer einen Zug ausgegeben hat. Die Züge werden nicht mehr auf dem internen Brett ausgeführt, ohne das Drücken der entsprechenden Felder abzuwarten; beim Galaxy hatte dies eine Diskrepanz zwischen Brett- und interner Stellung heraufbeschworen. Die Speicherung von Partien und eigenen Eröffnungen (die auch beim Abschalten erhalten bleiben) funktioniert nun klaglos; die vom Benutzer eingegebenen Eröffnungen werden zwar bevorzugt, aber nicht exklusiv gespielt, wechseln also mit der eingebauten Bibliothek ab. Man kann jetzt nach einem Matt in X Zügen suchen lassen, erhält also auch gegebenenfalls die Meldung "kein Matt"; Nebenlösungen lassen sich aber noch immer nicht auffinden. Das Matt in 5 (Nr. 14 in der Problemspalte von Modul 2/88) wird jetzt im Gegensatz zu früher korrekt (und auch relativ rasch) gelöst.

Wie steht es nun mit dem eigentlichen Spiel? Die Absonderlichkeiten der früheren Version sind offensichtlich zurückgedrängt; die Stellungsbewertung wirkt jetzt weniger extrem, und das Programm hat auch nicht mehr die Manie, das Mattsetzen des Gegners um jeden Preis zu vermeiden. In der Stellung von Diagr. 59 des Nielsen-Tests verhindert es das Matt zwar innerhalb von 30 Minuten noch immer nicht, spielt aber mit Schwarz das dreizügige Matt nach 28 Minuten aus; das ist für ein selektives Programm nicht ungewöhnlich, denn der Saitek Simultano braucht ebenfalls weit über 20 Minuten dazu. Das Matt in 2 (nach 1. - Dh4+2.Kf3) spielte das Programm dann immerhin "schon" nach weniger als einer Minute.

Im "Holländischen Gambit" spielte der Dominator 2.00 nach den eingespeicherten Zügen 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 c5 5.cxd5 cxd4 6.Dxd4 Le7 7.e4 Sc6 8.Dd2 auf das abweichende 8...exd5!? wie der Supermondial 9.Lxf6 (im Gegensatz zum Galaxy 1.03, der das schwächere 9.dxe bevorzugt), setzt dann allerdings auch etwas eigenwillig fort: 9...Lxf6 10.Sxd5 0-0 11.Tc1!? Te8 12.Sxf6+ Dxf6 13.Ld3 Lf5 14.f3 Tad8 15.Se2 Se5 16.Tc3 und wenn Sie jetzt meinen, die Stellung sei auch nicht viel besser als beider von der 1.03 gewählten Variante, dann versuchen Sie doch einmal, aus dieser Position gegen den Dominator zu gewinnen - Sie werden Ihr blaues Wunder erleben! Er verteidigt seinen Mehrbauern mit soviel Geschick, daß Schwarz früher oder später zu einem Figurenopfer verlockt wird, das das Morsch-Programm dann in aller Seelenruhe ad absurdum führt. Also alles in Butter? Nicht ganz! Ein neues Rätsel der Sphinx erlebten wir bei dem Versuch, das Problem Nr.16 aus der Problemspalte von MODUL 3/88 lösen zu lassen.

Pos1.png

7k/3R4/6p1/2P3P1/1p3p2/1B3r1b/1p3P2/bK5Q w - - 0 1

Die Lösung dieses Dreizügers (1.Lc4) kommt zwar schon nach 3 Sekunden, wenn man aber die weitere Abfolge durchspielen will und die Hauptfortsetzung 1.- Ta3 eingibt (jetzt müßte der "Mausefallen"-Zug 2. Lb3 folgen), gibt es eine Bombenüberraschung: der Dominator spielt wie aus der Pistole geschossen 2.Da8+ gibt durch gleichzeitiges Aufleuchten des Schach- und des Mattlämpchens zu verstehen, das Schwarz nun matt und das Problem somit ad acta zu legen sei. Wenn man ihm perfiderweise die Dame mit dem Turm a3 wegschlägt, erduldet er dieses Ungemach allerdings ohne zu murren und sucht unverdrossen weiter nach einem Matt, das nicht mehr da ist..... Auch auf normalen Levels tritt derselbe Fehler auf: als erster Zug kommt zwar jetzt 1.Le6, auf 1.- Ta3 folgt aber ebenfalls 2.Da8?? mit "imaginärem" Matt.

Offenbar sind doch noch nicht alle Bugs beseitigt! Aber wie steht es mit der Version 2.03, die in Schweden (s. Elo-Liste) so gute Testergebnisse erzielt hat? Göran Grottling hat uns - hilfreich wie immer - einen Chip mit dieser neuesten Version zugeschickt. Leider war auf dem Transport ein Pin abgebrochen, aber unser Mitarbeiter Bernhard Biberle bewies sein hervorragendes Improvisationstalent und stellte mit Hilfe eines kleinen Stücks Kaugummi-Einwickelpapier einen provisorischen Kontakt her, womit er wieder einmal eines jener Unikate erzeugte, die offenbar nur im Wiener Schachverlag anzutreffen sind: den Sphinx "McGyver", wie wir ihn nach dem ähnlich improvisationsfreudigen TV-Helden genannt haben. Bisher hat dieses ungewöhnliche Modell jedenfalls klaglos funktioniert und uns Gelegenheit zu der Feststellung gegeben, daß der obige Fehler in der Version 2.03 tatsächlich beseitigt worden ist: der Dominator spielt jetzt nach 1.Lc4! Ta3 ganz brav und orthodox 2.Lb3!.

Fazit: die schrankenlos ausufernde Rätselhaftigkeit der "Sphinx" wird mit steigender Versionsnummer immer mehr gezähmt; der "Sphinx Dominator" mit Version 2.00 oder gar 2.03 ist wenn man sich über die Vor- und Nachteile selektiver Programme im Klaren ist) ohne Zweifel als Gerät mit ausgezeichnetem Preis/Leistungs-Verhältnis zu empfehlen.


Die Sphinx wird stubenrein

CXG Dominator 2.04: (Fast) ohne Bugs © Modul 4/89

Selten ist der Name eines Schachcomputers so glücklich gewählt worden wie der der CXG "Sphinx"-Modelle: die von Frans Morsch geschriebenen Programme stecken voller Rätsel. War die Version 1.03 (MODUL 3/88) noch völlig undurchschaubar, so präsentierte sich die Fassung 2..00 (4/88) als zwar schon deutlich verbessert, aber immer noch nicht von allen Bugs befreit. Ein Programmfehler, der erstmals in MODUL 4/88 und dann noch mehrmals in verschiedenen Variationen beschrieben wurde (z.B. MODUL 1/89 Seite 52, MODUL 2/89 Seite 10, CSS 3/89 Seite 8), führte dazu, daß der Dominator in der Aussicht auf Matt oder Bauernumwandlung die verteidigenden Figuren "vergaß" und z.B. rücksichtslos Material opferte , um imaginäre "Matts" zu geben, die gar nicht existierten. Außerdem wurde mehrfach bemängelt, daß er das Mattsetzen des alleinigen Königs mit König und Dame nicht beherrscht.

Nun ist endlich die Version 2.04 des Sphinx-Programms erhältlich, von der man sich in diesen Punkten Abhilfe erhoffen durfte. (Wenn sie Glück haben, finden Sie sogar einen Händler, der Ihnen Ihr Gerät nachrüstet oder zumindest den Chip zum Selbsteinbau besorgt.) Wiederholen wir nochmals die Methode, mit der man beim Galaxy/Dominator die Versionsnummer ermitteln kann: beim Einschalten Springer- und Bauerntaste zugleich gedrückt halten. (Aber Vorsicht: der Dauerspeicher wird bei diesem Manöver gelöscht!)

Ein schneller Test aller uns bekannten Negativbeispiele zeigte, daß die 2.04-Version von dem oben angesprochenen Programmfehler tatsächlich kuriert ist: sie spielt in allen Fällen fehlerfrei. So folgt z.B. in der in CSS 3/89 Seite 8 angegebenen Stellung:

Dominator-MachIII (30 Sek./Zug)

Pos2.png

8/P1n2N2/4k3/7P/P7/6K1/8/8 w - - 0 1

nicht das blindwütige Vorschieben des h-Bauern, sondern korrekt: 1.Sg5+! Kf6 2.h6! Kg6 3.h7 Kg7 4.Se6+! 1-0. Es werden auch nicht mehr Damen oder Türme geopfert, um eingebildete Matts zu geben. Nachdem wir schließlich in ein paar Stellungen mit KDK eine einwandfreie Mattführung konstatiert hatten, wollten wir den Test schon abbrechen, als plötzlich ein Schreckensruf durch den Wiener Schachverlag schallte: "Der Herr Böhm kommt!"

Dieser Herr Böhm ist wirklich kein alltäglicher Kunde. Er ist z.B. der einzige, der uns unsere MODUL-Hefte nach ein paar Monaten zurückverkauft! (Nein, bitte schicken Sie uns nicht Ihre alten Jahrgänge - wir machen das wirklich nur ausnahmsweise...) Außerdem ist er eine wahre Nemesis der Schachcomputer - niemand versteht es so wie er, ihre geheimsten Schwächen aufzudecken. Zu neu erschienenen Modellen zieht es ihn mit unwiderstehlicher Gewalt wie Dracula zu den taufrischen Jungfrauen. Seine speziellen Teststellungen, die daraufhin zur Anwendung kommen, sind von einer exquisiten Grausamkeit, die selbst einem mittelalterlichen Hexenjäger das Blut in den Adern gefrieren lassen würde!

Als dieser Herr Böhm also den Schachverlag betrat und die neue Dominator-Version erblickte, versuchten wir vergeblich, uns schützend vor das Gerät zu werfen und den dämonischen Blutsauger mit dem Hinweis abzuspeisen, daß ohnehin alles zur vollsten Zufriedenheit funktioniere. Herr Böhm hatte für diese Behauptungen nur ein mitleidiges Lächeln übrig. "Das werden wir ja gleich sehen", murmelte er, und baute die folgende Stellung (die, wie er uns versicherte, Teil einer überaus profunden Studie ist) auf dem Brett auf:

Pos3.png

k2K3Q/1p6/1P6/8/q7/8/8/8 b - - 0 1

Die Turnierstufe eingestellt und den Einleitungszug 1.... Dd4+ für Schwarz ausgeführt, und was spielt der unglückliche Dominator 2.04 als Antwort? Sie werden´s nicht glauben: er spielt 2.Kc7??? mit Abzugsschach und zeigt dabei an, daß er von Schwarz die subtile Fortsetzung 2.....Dd8 erwartet; wenn letzterer hingegen das heimtückische 2......DxD wählt, erträgt er dies mit demselben stoischen Gleichmut, den wir bereits von seinen früheren Eskapaden kennen.

"Aber immerhin beherrscht er jetzt das Mattsetzen mit der Dame", warfen wir kraftlos ein, um zu retten was noch zu retten war. Herr Böhm antwortete mit einem hohlen Gelächter, wie man es sich nur durch langjähriges Liegen in modrigen Grüften antrainieren kann. "Vielleicht im Normalfall", grinste er höhnisch, "Aber was ist in Stellungen wo Patt droht?" Und schon war diese Stellung

Pos4.png

8/8/8/8/4K3/5Q2/7k/8 w - - 0 1

aufs Brett gezaubert, und siehe da: aus dieser Stellung war der Dominator nicht imstande, die richtige Mattführung zu finden, sondern taumelte mit König und Dame sinnlos auf dem Brett umher. Dracula hatte wieder einmal zugebissen...

Noch eine weitere Spezialität hat sich der Dominator auch in der neuesten Version bewahrt: versuchen Sie einmal, die lange Rochade mit TAKE BACK zurückzunehmen! Zunächst wird ganz Ordnungsgemäß der Königszug verkehrt herum angezeigt (z.B. von c1 nach e1), dann der Turmzug von d1 nach ....g1! Der Dominator besteht stur darauf, daß Sie genau auf dieses Feld drücken, selbst wenn dort beispielsweise noch der Springer steht; wenn Sie danach aber die Stellung überprüfen, werden Sie feststellen, daß sich der Turm ohnehin dort befindet wo er sein soll, nämlich auf a1. Die Schlußfolgerung: der Dominator steckt so voller Bugs, daß auch Frans Morsch selbst sie nicht alle kennt! Warten wir also auf die nächste Version...

Übrigens: wir haben uns an diesem Abend noch furchtbar an Herrn Böhm gerächt! Neben dem Dominator stand nämlich ein Polgar, bei dem die Fernschach-Funktion aktiviert war: das heißt, daß man dem Gerät durch Ausführen und Zurücknehmen einzelner Züge auf dem Brett vorschreiben kann, nur diese Züge und keine anderen zu analysieren. Unser Mitarbeiter Wolfgang Zugrav, der rumänische Vorfahren hat und daher mit transsylvanischen Vampiren besonders gut umzugehen versteht, hatte eine brillante Idee: er ermutigte Herrn Böhm dazu, seine diabolischsten Stellungen aufs Brett zu bringen, und fragte dann unschuldig: "Und welches ist der Schlüsselzug?" Sobald der ahnungslose Herr Böhm geantwortet hatte, sagte Zugrav, "Aha! So geht das also..." und führte den Zug "probeweise" auf dem Brett aus, als wolle er die Schönheit des Gedankens mit voller Wucht auf sich einwirken lassen. Der Effekt: der Polgar hatte nur einen einzigen Zug zu analysieren, und schwups! Schon erschien zu Böhms Verwunderung die "Lösung" im Display.... Nachdem sich dieses Spielchen ein paar mal wiederholte und der Polgar eine "Blitzlösung" nach der anderen ausgespuckt hatte, wankte ein völlig verstörter Herr Böhm von dannen, um sein plötzlich zahnlos gewordenes Folterinstrumentarium gründlich zu überholen und damit beim nächsten Mal seine ehemals grausige Reputation wieder etwas aufzupolieren...


Die makellose Sphinx

Dominator 2.05: Endlich fehlerfrei? © Modul 2/91

Die Entwicklungsgeschichte des CXG Dominator ist in MODUL ausführlich dokumentiert worden: "Die Morsch´sche Sphinx" (MODUL 3/88) berichtete von unseren eher psychedelischen Erfahrungen mit der Version 1.03; "Die gezähmte Sphinx" (MODUL 4/88) behandelte die verbesserte Versionen 2.00 und 2.03, die allerdings mit Begeisterung Damen zu opfern pflegten; "Die Sphinx wird stubenrein" (MODUL 4/89) zerstörte die Hoffnungen der Dominator-Fans auf eine endlich einwandfreie Version 2.04, indem unter der kundigen Anleitung von "Dracula" Böhm die Existenz weiterer gravierender Bugs aufgedeckt wurde. Würde in der PC-Welt ein Software-Produkt mit derart vielen Programmfehlern ausgeliefert, wäre die Herstellerfirma gewiß binnen eines Jahres bankrott, doch beim Dominator war es ganz anders: das Programm von Frans Morsch eroberte sich mit exzellentem Preis/Leistungs-Verhältnis rasch eine treue Fan-Gemeinde, die seine gelegentlichen Eskapaden mit liebevoller Nachsicht als Ausdruck seines eigenständigen Charakters hinnahm.

Da die Fehler der Version 2.04 schon wesentlich seltener in Erscheinung traten als die der Vorgänger, setzte sich diese Fassung des Programms allmählich als Standard mit nur relativ seltenen "Bewusstseinstrübungen" durch. Das die Version aber doch noch um einiges schlimmer "kaputt" ist als allgemein angenommen, beweist ein Brief unseres ungarischen Lesers Janos Stein, der eine Position aus der WM-Nachlese im letzten MODUL zum Anlaß für einige Experimente mit seinem Dominator 2.04 genommen hatte. Er gab die Stellung aus der Partie Cumulus-BB ein (MODUL 1/91, Diagr.2 auf Seite 25) und ließ den Computer für Weiß weiterspielen.

Cumulus-BB (Techno Chess) [C40]WMCCC Lyon, 1990

Pos5.png

r2bk2B/4n1Qp/p1p3p1/p7/Nq2b3/1P6/P1P2PPP/3RR1K1 w q - 0 28

Dazu Herr Stein: 28.c3 Db7 29.Txe4 Dd7 Jetzt müßte Weiß durch den Zug Dg8 die schwarze Partei mattsetzen, aber der verstockte Turm wollte unbedingt die Dame schlagen. Nun habe ich alle überflüssigen Steine aus dem Brett geschafft und kam so zu der Stellung von Diagramm 1:

Pos6.png

3bk3/3qn1Q1/8/8/4R3/8/5PPP/3R2K1 w - - 0 1

Wie besessen zog der Dominator hier 1.Dh8+? statt Dg8 matt. Mattsuche in 1 Zug: unlösbar! Nun habe ich den Springer e7 mit dem Läufer d8 vertauscht, und siehe da: jetzt funktionierte alles. Ich glaube, die Ursache ist folgende: der Computer macht den Gewinnzug deshalb nicht, weil er glaubt, die Dame könnte auf g8 vom Springer geschlagen werden. Vertauscht man die Figuren hat er keine Hemmungen mehr, den Mattzug auszuspielen.

Nun stellte ich eine im Grunde ähnliche Stellung auf:

Pos7.png

2nk4/2p5/2Pq2N1/8/8/5R2/5PPP/3R2K1 w - - 0 1

Matt in 1 Zug: unlösbar Stufe a1: 1.Tf8 matt Stufe a2: 1.Tf8 matt Stufe a3: 1.Tf8 matt Stufe a4: 1.Tf8 matt Stufe a5: 1.T1d3?? Turnierstufe c5: 1.Td2?

Jetzt weiß ich auch warum der Dominator die folgende Mattaufgabe nicht lösen kann:

Pos8.png

k7/8/N1N5/3B4/K7/8/4p1r1/8 w - - 0 1

Der Schlüsselzug wäre 1.Ka5!, aber das gefällt dem Computer nicht. Auf Ka5. Glaubt er, würde e1=D+ folgen, brrr, das ist ihm zu viel - der Monarch ekelt sich vor einem republikanischen Putsch. Die Lösung 1.Ka5! e1=D+ (1.-Tg8 2.Sd4+ Ka7 Sb5 matt) 2.Kb6! und auf jeden Turm- oder Damenzug folgt ein Zug des Springers c6 mit aufgedecktem Schach, z.B. 2.-Tb2+ 3.Scb4 matt, 2.-Tg7 3.Se7 matt, 2.-De3+ 3.Sd4 matt usw.

So weit die interessanten Beobachtungen von Herrn Stein zum Thema Dominator 2.04. Nun gibt es seit einiger Zeit die Programmversion 2.05, die wir inzwischen ausführlich unter die Lupe nehmen konnten. Und ob Sie's glauben oder nicht. Der Dominator 2.05 spielt an ALLEN oben angeführten sowie weiteren uns bekannt gewordenen kritischen Positionen VOLLKOMMEN KORREKT!

In der Stellung von "Dracula" Böhm aus MODUL 4/90:

Pos9.png

k2K3Q/1p6/1P6/8/q7/8/8/8 b - - 0 1

Nach 1.-Dd4+ spielt der Dominator sofort DxD (statt des bizarren Kc7??) und kündigt zugleich ein Matt an. In der Stellung

Dominator 12MHz V2.4 - Designer 2265, 1991 1/91-07 (Leserbrief von Herrn Haupert)

Pos10.png

7k/2p1r1pp/N1P2p2/3P2rb/4Pp1q/1P3P1P/P2Q2P1/R3R2K w - - 0 1

überlegt die Version 2.05 nur kurz das fatale d6, schwenkt nun auf Db4 um, erkennt aber bald das forcierte Remis durch 1.-Dxh3 2.gxh3 Lxf3+ 3.Kh2 Tg2+ etc. (Anzeige 0.00) und entscheidet sich schließlich für das sehr vernünftige Tf1, womit die Drohung Lxf3 entschärft wird.

Und schließlich die Mattführung mit der Dame: aus der Position wKe4,Df3; sKh2, die der Version 2.04 noch unlösbare Probleme aufgab, findet der Dominator 2.05 nach dem schwachen Beginn 1.Kf4 (?) Kg1 auf der Turnierstufe (allerdings erst nach einigem Nachdenken über das sinnlose Ke5) die richtige Fortsetzung: 2.De2! Kh1 3.Kf3! Kg1 4.Dg2#.

In Anbetracht der bisherigen Erfahrungen sträubt sich die Feder, eine so kühne Behauptung niederzuschreiben, aber es scheint wirklich so zu sein: die Version 2.05 dürfte die erste FEHLERFREIE Fassung des Dominator-Programms sein! (Wir warten gespannt auf den Nachweis des Gegenteils...) Natürlich heißt das nicht, das der Dominator damit alle seine Idiosynkrasien ersatzlos aufgegeben hat: Immer noch muß man beim Zurücknehmen der langen Rochade den Turm nach g1 stellen, auch wenn dort noch ein Springer steht; und der Dominator 2.05 unterscheidet sich in nichts von seinen Vorgängern, wenn es darum geht, ihn auf eine flache Tischplatte zu stellen: er wackelt! (Oder haben sie einen Dominator, der NICHT wackelt? Dann sollten Sie ihn als wertvolles Sammlerstück hüten...) Diese Kleinigkeiten kann man dem eigenwilligen Außenseiter unter den Schachcomputern aber nicht wirklich übel nehmen: sie machen eben seinen ganz besonderen Charme aus!

Zu der Freude über die (hoffentlich) fehlerfreie Version 2.05 kommt aber noch eine sensationelle Nachricht, das der Dominator erheblich VERBILLIGT worden ist: in Österreich kostet er jetzt nur mehr 2.700,- ATS (statt vorher 3.500,-) und ist damit eine echte Preis/Leistungs-Bombe! Für Besitzer älterer Modelle bleibt jedoch die Frage, wie man zu der Version 2.05 kommt. Uns ist bisher keine Quelle bekannt, die eine Aufrüstung vornehmen oder zumindest den neuen Chip zum Selbsteinbau anbieten würde.

In diesem Zusammenhang ist die Meldung interessant, daß der Erscheinungstermin des von Saitek in Nürnberg groß angekündigten "Brute Force"- Moduls für den Leonardo/Renaissance auf den Herbst verschoben wurde. Die offizielle Begründung: Das Programm soll noch stärker gemacht werden. Da es sich dabei aber um ein (dem Namen zum Trotz) hochselektives Morsch-Programm handelt, ist auch eine andere Interpretation denkbar: vielleicht will man in diesem Fall VOR der Auslieferung alle jene Bugs eliminieren, die zu Damenverlust und ähnlichem führen. Das wäre einmal etwas ganz anderes...

Partiebeispiele


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