2. Oldie Turnier 2006

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Ein Schachcomputerturnier in traumhafter Umgebung und mit perfekter Organisation, "Erlenbach 2006". Vom 21.04. - 23.04.2006 war es wieder einmal so weit. Das 1. von 2 Treffen der Schachcomputer Szene, welches sehnsüchtig erwartet wurde, stand auf dem Programm. Allerdings hätte es Klingenberg 2006 heißen müssen. Da im genannten Turnier Ort die Übernachtungsmöglichkeiten waren, wurde das Treffen kurzfristig nach Klingenberg verlegt. Der Name "Erlenbach" hat sich aber als Begriff eingeprägt und wurde somit beibehalten. 16 Teilnehmer aus allen Ecken Deutschlands und Österreichs, fanden im Jahr 2006 den Weg nach Klingenberg. Gespielt wurde in dem sehr gemütlichen Hotel "Fränkischer Hof", wobei das eigentliche Schachturnier selbstredend nur an 2.Stelle stand, denn die Hauptidee ist das Treffen der Schachcomputerszene.

In überaus angenehmer Atmosphäre wurden 16 Geräte im Elo Bereich von 1900 - 2070 in 6 Runden nach Schweizer System an den Start geschickt. Nach 48 Partien und spannendem bzw. abwechslungsreichen Verlauf, war es am Ende der Fidelity Excel 68000 Mach III Master von Bernhard Lederwasch, welcher das Turnier zur Überraschung aller Teilnehmer gewinnen konnte. Platz 2 ging an Roberts Saitek Corona D+ 8 MHz und Platz 3 an den Novag Super Expert C 6 Mhz. Der Super Expert C, nach der 5. Runde in Führung liegend, verschenkte der Sieg durch einen Aussetzer in der letzten Partie gegen den Corona, als er völlig unsinnig in die offenen Schusslinien der weißen Schwerfiguren rochierte, was der Corona prompt mit einem Matt in 7 bestrafte. Aber es finden sich noch weitere schöne Partien, ein Blick in den Turnierbericht von Alwin Gruber lohnt sich...

Erlenbach 2006...

das erfolgreiche Comeback eines Fidelity „Plastikbombers“... oder: traue niemals einem „Excel 68000“!
(Turnierbericht von Alwin Gruber)

Vom 22.04. bis 23.04.2006 fand zum zweiten mal das von Steffen Scholz ins Leben gerufene „Erlenbacher OLDIE-Brettcomputerturnier“ statt. An sich hätte das Turnier als „Klingenberg 2006“ bezeichnet werden müssen, da es gegenüber dem Vorjahr infolge fehlender Übernachtungsmöglichkeiten in das Hotel „Fränkischer Hof“ in das direkt benachbarte Städtchen Klingenberg verlegt wurde. Der Name "Erlenbach" hat sich aber neben dem „D.A.CH.-Turnier“ in Kaufbeuren schon als fester Begriff in der Brettcomputerszene etabliert und wurde deshalb beibehalten. Insgesamt hatten sich 16 Teilnehmer aus ganz Deutschland und Österreich zu diesem Turnier angemeldet. Die Spielstärke der Geräte war in einer Bandbreite von ca. 1900 bis ca. 2000 ELO-Punkten angesiedelt. Gespielt wurden 6 Runden nach Schweizer System mit einer durchschnittlichen Bedenkzeit von 30 Sekunden pro Zug. Nach insgesamt 48 Partien und sehr spannendem Turnierverlauf setzte sich sehr zur Überraschung aller ein „Fidelity-Plastikbomber“ knapp gegen seine Kontrahenten durch. Alwin Gruber (Kaufbeuren) schildert seine Eindrücke im nachfolgenden Bericht.


Viele der 16 Brettcomputer-Enthusiasten waren zum Teil mehr als 600 km weit in die romantische, von Weinbergen umgebene bayerische Kleinstadt Klingenberg angereist, um ihre Schützlinge über das Wochenende beobachten zu können. Der „inoffizielle Teil“ des Turniers begann –wie bei solchen Turnieren meistens üblich- am Vortag. Bei den bereits am Freitag Angereisten handelte es sich um Erwin Biri, Rainer Migas mit Freundin Sabine Kesting, Günther Steinmüller und Kurt Kispert, Dirk Heidtfeld, Bernhard Lederwasch sowie den Verfasser dieses Artikels. Man traf sich zu einem „gemütlichen Beisammensein“ im Hotel „Fränkischer Hof“. Dazwischen zeigte der in Erlenbach beheimatete Steffen Scholz zusammen mit Freundin Katharina Reszka allen Interessierten seine recht beachtliche und qualitativ hochwertige Schachcomputersammlung. Speis und Trank im Hotel Fränkischer Hof schmeckte allen Anwesenden vorzüglich und es wurde über Gott und die Welt fachgesimpelt, im Besonderen natürlich aber über Brettschachcomputer. Die Bedienung des Hotels mit dem Namen Christine bewirtete die Letzten –trotz mehrerer Anrufe ihres Freundes- bis in die frühen Morgenstunden. Die letzten gingen erst gegen ½ vier Uhr früh zu Bett.


Das „gemütliche Beisammensein“ der bereits am Freitag angereisten Teilnehmer manifestiert sich in den nachfolgenden Bildern:

Klingenberg 2006 bild 1.jpg
Klingenberg 2006 bild 2.jpg


Das von Steffen Scholz und dessen Freundin Katharina Reszka im Vorfeld vorzüglich organisierte Hauptturnier begann am Samstag um 10.30 Uhr. Freundlicherweise erklärte sich der aus Rostock angereiste Michael Völschow spontan bereit, die Turnierverwaltung zu übernehmen, sämtliche Partien zu archivieren sowie die jeweiligen Partie-Auslosungen vorzunehmen. An dieser Stelle hierfür nochmals ein herzliches Dankeschön an Steffen, Katharina und Michael für Ihre geleistete Arbeit !


Turnierleiter Michael Völschow (rechts) mit seinem Novag Super Expert C gegen den Saitek Corona von Robert Weck.


Im Vorjahr waren beim 1. Erlenbacher Turnier die „OLDIES“ aus den frühen 80iger Jahren wie z.B. ein Mephisto III oder ein Fidelity Sensory 9 am Start. Beim D.A.CH.-Turnier 2005 in Kaufbeuren duellierte sich hingegen die Creme de´la Creme des Computerschachs wie z.B. ein Resurrection Fruit oder ein Tasc R30.

Was lag also näher, in diesem Jahr speziell die Brettcomputer-„Mittelklasse“ flächendeckend gegeneinander antreten zu lassen. Die Geräte des illustren Teilnehmerfeldes werden in nachfolgend in der Reihenfolge ihrer Platzierung –beginnend mit dem Turnierletzten- im Detail beschrieben.

Weit abgeschlagen mit nur lediglich ½ Punkt fand sich der Mephisto Milano von Frank Jäger am Tabellenende wider. Das Schröder-Programm enttäuschte zum Großteil, wurde aber letztendlich meines Erachtens deutlich unter Wert geschlagen, weil einige Partien doch recht unglücklich im Endspiel verloren gingen. Frank Jäger nahm die Sache in seiner ruhigen und ausgeglichenen Art jedoch nicht allzu ernst und wird sicher beim nächsten D.A.CH.-Turnier in Kaufbeuren wieder mit dabei sein.

Das einzige (!) Remis gelang dem Milano als Schwarzer ausgerechnet in einer sehenswerten Partie gegen den Mitfavoriten Novag Scorpio 68000.

Frank Jäger (2. von links), hier in der Partie mit seinem Milano gegen den Mephisto Amsterdam von Thomas Jäger (1. von links), hat das Lachen trotz des schwachen Abschneiden seines Milano nicht verlernt.



Mit nur jeweils 2 Punkten aus 6 Partien platzierten sich Geräte wie der Millennium Genesis, CXG Dominator 2.05 11 Mhz, Mephisto Amsterdam sowie Mephisto MM IV am unteren Ende der Tabelle.

Beim Millennium Genesis von Steffen Scholz handelt es sich um einen absoluten Exoten, welcher bislang noch nie bei einem offiziellen Brettcomputerturnier mitspielte. Dieses graue, recht unscheinbare Kunstoffgerät mit Drucksensorfolie aus dem Jahr 1999 kam nie zur Serienreife und wurde als Prototyp nach Steffen´s Angaben lediglich in 20 Einheiten für ca. 150,00 EUR auf dem Markt verkauft. Das Programm stammt aus der Feder von „Mr. Nimzo“ Chrilly Donninger. Dieser musste innerhalb eines Monats (die Produktionskapazitäten waren in Hong Kong schon reserviert!) ein komplett neues Schachprogramm erstellen. Die Ursache lag darin begründet, dass ein von David Levy ursprünglich engagierter Programmierer es nicht fertig brachte, die vorgegebenen Spezifikationen für den zur Verfügung gestellten Hitachi-Chip mit 20 Mhz (vermutlich H8) mit 4 KB RAM, 32 kB ROM zu erfüllen. Ein Klon des Genesis wurde später übrigens in größeren Stückzahlen dann offiziell unter der Lizenz von der Firma Tiger Electronics als „Grenadier“ verkauft. Teilweise wählt der Genesis aus seinem rd. 10.000 Positionen umfassenden Eröffnungsrepertoire recht ungewöhnliche Varianten wie 1. b3 oder 1. g3. Der Spilstil des Programms erinnert oftmals an Wiener Kaffeehausschach und ist teilweise recht unausgegoren, was aber auch in der sehr kurzen Entwicklungszeit, welche Chrilly zur Verfügung stand, begründet sein dürfte. Rainer Migas ließ sich im Beisein der Bedienung Christine zu der Bemerkung hinreißen, die „Bedienung sei verwirrend“, was natürlich einen verduzten Blick derselben nach sich zog (er meinte natürlich die Bedienung des Millennium Genesis !)

Turnierorganisator Steffen Scholz mit „Bedienung Christine“


Nachfolgend eine schöne Gewinnpartie des Millennium Genesis als Schwarzer gegen den Mephisto Milano.

Steffen Scholz mit seinem Millennium Genesis (links) gegen den Fidelity Mach II c von Rainer Migas


Am Samstag Nachmittag fand eine kurze Unterbrechnung des Turniers statt, da ein Vertreter der örtlichen Lokalpresse anwesend war. Dessen Interesse richtete sich vor allem auf den Novag Chess Robot sowie auf einen von Erwin Biri selbst nachgebauten (!) Fidelity Decorator Challenger. Bei diesem Gerät handelt es sich um den größten, jemals in Serie hergestellten Schachcomputer mit dem Blechstimmen-Programm des Challenger Voice. Während der Original aus Holz gefertigt ist, besteht der maßstabsgetreue Nachbau ganz aus Aluminium. Fortan wurde das beeindruckende Unikat von den Teilnehmern auf „Erwinator“ umgetauft. Auch der durch seine fundierten Analysen aus den Schachforen bekannte Eckehard Kopp schaute auf einen Sprung vorbei.

Interessierter Beobachter im Hintergrund - Eckehard Kopp
Der „Erwinator“ in einer Demonstrationspartie gegen den Novag Chess Robot.


Der Verfasser dieses Artikels war mit einem CXG Sphinx Dominator, welcher auf eine Taktrate mit 11,0 Mhz getunt wurde, am Start. Das von Fritz-Autor Frans Morsch entwickelte Programm aus dem Jahr 1988 in der „fehlerbereinigten“, aktuellen Version 2.05 konnte trotz der 2,75 fachen Geschwindigkeitssteigerung gegenüber dem Seriengerät mit 4,0 Mhz die Erwartungen nicht erfüllen und fand sich am unteren Tabellenende wider. Das vom „Domi“ gewohnte Angriffsschach entpuppte sich im Laufe des Turniers als laues Lüftchen. Hinzu kamen immer wieder ungewohnte, taktische Aussetzer, welche in der Summe wertvolle Punkte kosteten.


Alwin Gruber (links) mit seinem CXG Sphinx Dominator 11 Mhz in der Partie gegen den Saitek Corona von Robert Weck.


Ebenfalls nur 2 Punkte konnte der „Oldie“ Mephisto Amsterdam von Thomas Jäger (Wuppertal) auf der Habenseite verbuchen. Das Lang-Programm aus dem Jahr 1985 war das dienstälteste Gerät im Teilnehmerfeld und konnte sich trotz 16-Bit Hardware nicht überzeugend in Szene setzen. Der Amsterdam agierte bei vielen Partien in typischer Lang-Manier oftmals zu passiv, um entscheidende Punkte einzufahren.

Der bei den vergangenen OLDIE-Turnieren recht passabel spielende Mephisto MM IV von Kurt Kispert (Wien) konnte sich bei diesem Turnier nicht entsprechend in Szene setzen. Immerhin gelangen dem Gerät jedoch 2 Remis gegen die Fidelity 16-Biter Mach II und Mach III.

Der Saitek Maestro D++ mit 6 Mhz von Sabine Kesting konnte sich mit 2 ½ Punkten auf den 11. Tabellenplatz festsetzen. Dieses Gerät holte seine Punkte ausschließlich nur gegen Gegner von den unteren Tabellenplätzen, wie den Mephisto MM IV, CXG Sphinx Dominator sowie Mephisto Milano. Ingesamt verhielt sich das von Julio Kaplan geschriebene Programm einfach zu passiv.

Im gesicherten Mittelfeld platzierten sich mit jeweils 3 Punkten der Novag Scorpio 68000 von Katharina Reszka, der Mephisto Miami von Wilfried Eberl sowie der Fidelity Mach II C von Rainer Migas.

Der als Mitfavorit auf den Turniersieg gehandelte Novag Scorpio 68000 konnte in diesem Jahr nicht an die guten Leistungen beim D.A.CH.-Turnier 2005 (u.a. Sieg gegen die Mephisto Turniermaschine London 68030 / 36 Mhz!) anknüpfen. Das Programm von Dave Kittinger konnte seine Punkte ausschließlich gegen Konkurrenten der unteren Tabellenhälfte einfahren und belegte den 10. Platz. Selbst der bekannte Schachcomputersammler Steve Blincoe aus New York, welcher über das Internet laufend über die Zwischenergebnisse informiert war, verwettete spaßeshalber im Vorfeld des Turniers sein Conchess Monarch T8-Modul auf einen Sieg des Scorpio.


Gleich in der ersten Runde bezog der Novag Scorpio 68000 In einer sehenswerten Partie gegen den Saitek President kräftig Prügel und ging als Schwarzer in einem Königsangriff unter.

Der Mephisto Miami von Wilfried Eberl konnte trotz seiner geringen Außenmasse (Reisegerätformat) einen gesicherten 9. Tabellenplatz erklimmen. Der kleine „Morsch-Teufel“ machte es einigen seiner Konkurrenten sehr schwer, musste aber im Laufe des Turniers auch einige Nackenschläge einstecken.


In einer spannenden Auseinandersetzung mit dem Novag Super Expert C geht der Miami auf ein Damenopfer ein und wird anschließend vom Novag in 7 Zügen mattgesetzt.

Der Fidelity Mach IIc von Rainer Migas spielte ein ordentliches Turnier. Aufgrund der 16-Bit Hardware hätte das Spracklen-Programm mehr aus seinem –zweifelsohne- vorhanden schachlichen Potential schöpfen können. Im Endklassement konnte das Gerät sich im gesicherten Mittelfeld auf Platz 8 festsetzen.

Die Plätze 5, 6 und 7 belegten mit jeweils 3 ½ Punkten der Mephisto Roma 68000, der Saitek President sowie der Fidelity Designer Mach III.

Der Fidelity Designer Mach III von Mo Sai, spielte das gesamte Turnier recht durchwachsen. Teilweise schön herausgespielte Erfolge gegen Geräte der unteren Tabellen-Region folgten Schnitzer gegen höherplatzierte Geräte. Dessen Operator Mo Sai, ein gebürtiger Hong-Kong Chinese, der für jeden Spaß zu haben ist, wurde während des Turniers von den Teilnehmern zum chinesischen Sportminister „Ping Pong“ ernannt. Er nahm die Sache nicht allzu ernst und genoss seine „Doping“-Bananen, um damit die Strapazen des Turniers zu überbrücken.

Mo Sai mit der besagten „Doping“-Banane.


In der nachfolgenden Partie werden dem Millennium Genesis als Anziehender durch den Mach III die Grenzen deutlich aufgezeigt, wobei die ungewöhnliche Eröffnungsbehandung (1. b3!) einen Teil zu dessen Misserfolg beigetragen haben dürfte.

Beim Saitek President handelt es sich um einen verbesserten Programm-Ableger des legendären Saitek Brute Force-Moduls aus der Feder von Frans Morsch. Der Brute Force erreichte Anfang der 90er Jahre bei diversen Mensch-Computer-Vergleichen eine rechte beachtliche Elo-Performance weit über 2000. Dessen Operator „Mr. President“ Erwin Biri, selbst ein aktiver Verbandsrunden-Spieler, verfolgte stets mit großer Aufmerksamkeit und Engagement die Partien seines Schützlings. Der President verlor einige Partien recht unglücklich, was eine höhere Platzierung im Endklassement verhinderte.

Zur Überraschung aller spielte der Mephisto Roma 68000 mit seinem Bediener Günther Steinmüller im Teilnehmerfeld im Rahmen seiner Möglichkeiten ganz ordentlich mit. Sicherlich ist das aus dem Jahr 1987 stammende Programm von Richard Lang nicht mehr ganz „up to date“. In einigen Partien bewies das Gerät jedoch seine sprichwörtliche „Ausdauer und Zähigkeit“ zur Freude von Günther, welcher selbst ein exzellenter Schachspieler ist.


Hier eine schöne Gewinnpartie des Mephisto Roma 68000 als Schwarzer im „Bruderkampf“ gegen den 8-Biter Mephisto MM IV von Kurt Kispert.

Man sieht es Günther Steinmüller (links) mit dem Roma 68000 und Bernhard Lederwasch (rechts) mit dem „Excel 68000“ geradezu an: Sie haben viel Spaß beim Analysieren der Partie Ihrer beiden Schützlinge.


Die Plätze 4 und 3 wurden vergeben an den Mephisto Polgar von Dirk Heidtfeld sowie an den Novag Super Expert C von Michael Völschow.

Für viele keine Überraschung: Der Mephisto Polgar in der normalen „Serien-Version“ mit 5,0 Mhz bewies sein zweifelsohne vorhandenes, schachliches Potential. Was wäre gewesen, wenn der 6502-Prozessor mit 10,0 Mhz „befeuert“ worden wäre? Diese rein hypothetische Frage kann man sich aber auch beim CXG Sphinx Dominator stellen, welcher bei diesem Turnier mit 11,0 Mhz und grossen Erwartungen ins Turnier geschickt wurde und letztendlich im Verhältnis zur „Serien-Version“ mit 4,0 Mhz ziemlich enttäuschte.

Dirk Heidtfeld (links) mit seinem Mephisto Polgar gegen den Saitek President von Erwin Biri


Bis zur 5. Runde in Führung liegend spielte der Drittplatzierte, der Novag Super Expert C ein ganz tolles Turnier. Durch einen katastrophalen Aussetzer in der letzten Partie gegen den Saitek Corona brachte er sich um den Turniersieg, als er völlig unsinnig in die offenen Schusslinien der weißen Schwerfiguren rochierte, was der Corona prompt mit einem Matt in 7 bestrafte.

Der Zweitplatzierte Saitek Corona D+ spielte insgesamt ein sehr solides und ausgeglichenes Turnier. Insgesamt gab das Gerät lediglich 1,5 Punkte ab. Zum einen in Form eines Remis gegen den Mephisto Roma 68000 und zum anderen in der –allerdings entscheidenden- Verlustpartie gleich in der 1. Runde als Weißer in einer längeren Endspielschlacht gegen den späteren Turniersieger „Fidelity Excel 68000


Hier die Partie aus der 1. Runde, welche letztendlich den Ausschlag für den Turniersieg des "Fidelity Excel 68000" gab:

Kommen wir nun zum offiziellen Turniersieger, dem Fidelity Excel 68000 von Bernhard Lederwasch aus Tirol (Österreich). Der 36-jährige Bernhard, selbst ein sehr starker Schachspieler mit einer ELO-Zahl von 2.150, beschäftigt sich seit den 80er Jahren mit der Materie Computerschach. Sein 1. Brettgerät war ein Saitek Simultano. Er bevorzugt als Sammler nach wie vor die Brettcomputer als Trainings-Partner und spielt (fast) noch mit jedem seiner Geräte. Lediglich für die ernsthafte Turniervorbereitung greift er auf PC-Schachprogramme zurück. Darüber hinaus beteiligt sich Bernhard sehr aktiv mit Beiträgen unter dem Pseudonym „rodel“ auf der Schachcomputer.info-Homepage von Michael Völschow.

Kurz nach der Beendigung des Turniers spielte Robert Weck interessehalber die Partien des doch für viele überraschenden Turniersiegers mit seinem eigenen Excel 68000 nach und kam in mehreren Fällen zu anderen Ergebnissen. Dadurch aufmerksam geworden, testete Bernhard einige BT-Stellungen und kam ebenfalls zu unterschiedlichen Ergebnissen. Letzte Gewissheit brachte dann die Tastenkombination Options + New Game, welche nur mit einem Mach III funktioniert und die jeweilige Programm-Version anzeigt nebst Aufleuchten aller 64 Feld LED´s. Und siehe da, aus einem Excel 68000 wurde flugs ein Mach III mit der Version Nr. db 53! Den „Excel 68000“ hat Bernhard übrigens von der Firma Ketterling aus Berlin erworben. Auf der Unterseite des Gerätes ist keine Modell-Nr angegeben. Auf der Rechnung wird wortwörtlich ausgewiesen „Chess Challenger Excel 68000 (gebraucht) für EUR 199,00“. Den sympathischen Bernhard beschäftigte die gesamte Angelegenheit ziemlich und er bedankte sich bei den Internet- Forumsteilnehmern für die sehr hilfreichen Tips sowie den offenen und ehrlichen Umgang miteinander. Er möchte beim nächsten Turnier mit dem gleichen Gerät an den Start gehen, diesmal aber unter der Bezeichnung „Ketterling Experimental“!


Fazit:

Das interessante beim „Erlenbach Turnier 2006“ war, dass die Leistungsdichte bei den teilnehmenden Geräten sehr eng beieinander lag. Zudem war die Anzahl der ausgetragenen Partien mit lediglich 6 Runden recht gering. Dieser Umstand drückte sich in den relativ kleinen Punktabständen in der Gesamttabelle aus. Hätte das Turnier eine Woche später unter den gleichen Bedingungen stattgefunden, wäre die Tabellenkonstellation voraussichtlich gänzlich anders ausgefallen. Aber gerade „Kollege Zufall“’ macht ja die Spannung unter nahezu gleichwertigen Gegnern aus!

Sämtliche weiteren Partien stehen übrigens als kostenloser Download auf den Homepages von Kurt Kispert und Michael Völschow zur Verfügung.


Zum Abschluss nochmals ein Blick in das Teilnehmerfeld:

Hinten (von links nach rechts): Wilfried Eberl, Kurt Kispert und Sabine Kesting sowie vorne die beiden Turnierorganisatoren Katharina Reszka und Steffen Scholz.

Klingenberg 2006 bild 13.jpg


Abschlussbemerkung:

Für Tischcomputer konnte im Gegensatz zu PC-Programmen aus technischen Gründen leider nie ein Autoplayer realisiert werden. Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, müssen nach wie vor alle Partien in mühevoller Handarbeit erfasst und ausgewertet werden. Das Internet, insbesondere die Schachcomputer-Homepages von Kurt Kispert www.schachcomputer.at sowie von „Chessguru“ Michael Völschow www.schachcomputer.info haben zwischenzeitlich dazu beigetragen, dass in diversen Fachforen ein reger, globaler Meinungsaustausch von Gleichgesinnten erfolgt. Das ist auch ein Grund, dass die guten alten „Brettcompis“ zwischenzeitlich eine wahre Renaissance erleben und deren Fangemeinde stetig wächst. Dies spiegelt sich auch in den konstant hohen Teilnehmerzahlen bei den Turnieren in Erlenbach und Kaufbeuren wider. Alle Anwesenden freuen sich auf ein „Wiedersehen“ beim nächsten, im Herbst 2006 stattfindenden D.A.CH.-Turnier in Kaufbeuren !

Turniertabelle

P Computer Rtng Score (Tie) 1 2 3 4 5 6 Perf Chg + / - / =
1 Excel 68000 Mach III Master, Fidelity 2021 5.0 / 6 20.0 2b+ 13w+ 3b- 12w+ 4w+ 5b+ 2250 +16 (+5 -1 =0)
2 Corona D+ 8 Mhz, Saitek 2063 4.5 / 6 19.5 1w- 14b+ 13w+ 5b= 8b+ 3w+ 2154 +7 (+4 -1 =1)
3 Super Expert C 6 Mhz, Novag 2019 4.0 / 6 23.5 9w+ 5b+ 1w+ 4b- 7w+ 2b- 2126 +8 (+4 -2 =0)
4 Polgar, Mephisto 1982 4.0 / 6 19.5 16b+ 6w+ 7b= 3w+ 1b- 8w= 2122 +12 (+3 -1 =2)
5 Roma 68000, Mephisto 1956 3.5 / 6 21.5 11b+ 3w- 6b+ 2w= 12b+ 1w- 2056 +8 (+3 -2 =1)
6 President, Saitek 1997 3.5 / 6 19.0 10w+ 4b- 5w- 9b+ 15w+ 7b= 2050 +4 (+3 -2 =1)
7 Designer 2265 Master, Fidelity 2021 3.5 / 6 17.5 14w+ 12b= 4w= 15b+ 3b- 6w= 2025 +0 (+2 -1 =3)
8 Mach II, Fidelity 1915 3.0 / 6 17.5 12w= 15b- 10w+ 13b+ 2w- 4b= 1987 +6 (+2 -2 =2)
9 Miami, Mephisto 1966 3.0 / 6 16.0 3b- 11w+ 12b- 6w- 13b+ 14w+ 1961 -1 (+3 -3 =0)
10 Scorpio 68000, Novag 2073 3.0 / 6 13.5 6b- 16w= 8b- 11w+ 14b= 15w+ 1965 -9 (+2 -2 =2)
11 Leonardo Maestro D++ 6MHz, Saitek 1976 2.5 / 6 14.0 5w- 9b- 14w= 10b- 16b+ 12w+ 1919 -5 (+2 -3 =1)
12 MM IV, Mephisto 1920 2.0 / 6 20.5 8b= 7w= 9w+ 1b- 5w- 11b- 1850 -5 (+1 -3 =2)
13 Amsterdam, Mephisto 1927 2.0 / 6 18.0 15w+ 1b- 2b- 8w- 9w- 16b+ 1864 -5 (+2 -4 =0)
14 Dominator 11 MHz, Saitek 1932 2.0 / 6 17.0 7b- 2w- 11b= 16w+ 10w= 9b- 1893 -3 (+1 -3 =2)
15 Genesis, Millennium 1960 2.0 / 6 15.5 13b- 8w+ 16b+ 7w- 6b- 10b- 1865 -7 (+2 -4 =0)
16 Milano, Mephisto 2010 0.5 / 6 15.5 4w- 10b= 15w- 14b- 11w- 13w- 1574 -28 (+0 -5 =1)


Klingenberg, 2006.04.22 - 2006.04.23
Elo-Durchschnitt: 1983
48 games +23 -16 =9

Partiedownload

Game(s) in PGN


siehe auch