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SciSys

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Über den Hersteller SciSys (= Scientific Systems)

Die Firma SciSys (ursprünglich SciSys-W Ltd., später Saitek) wurde 1979 von dem schweizerischen Physiker und Unternehmer Eric Winkler in Hongkong gegründet. Das Unternehmen gilt als einer der bedeutenden frühen Hersteller von elektronischen Schachcomputern und legte den Grundstein für eine langjährige Geschichte im Bereich Unterhaltungselektronik.

Hintergrund & Gründung

In den späten 1970er Jahren entwickelte sich Hongkong zu einem Zentrum der Elektronikfertigung: die Kombination aus Spielzeugindustrie, aufstrebender Mikrochip-Technologie und globalem Handel schuf ideale Voraussetzungen für innovative Produkte. In dieser Umgebung arbeitete der Schweizer Eric Winkler, der zuvor Festkörperphysik studiert und in der Elektronikforschung tätig war, an technischen Entwicklungen.

Ursprünglich arbeitete Winkler eng mit Peter Auge und dessen Firma Novag zusammen, die seit den 1960er Jahren im Spielzeug- und Elektronikmarkt aktiv waren. Im Jahr 1978 bat Auge Winkler, einen Schachcomputer zu entwickeln, mit der festen Zusage, dass ein geeigneter Programmierer für die Software gefunden würde. Daraus entstand eine Partnerschaft zwischen den beiden. Winkler konzentrierte sich auf die Hardware, Auge kümmerte sich um Verpackung, Vertrieb und Vermarktung.

Gemeinsam wurden mehrere frühe Schachcomputer entwickelt, darunter der Novag Chess Champion MK I (1978) und später der Novag Chess Champion MK II sowie das Chess Champion Super System MK III. Besonders der MK I wurde ein großer kommerzieller Erfolg mit etwa 180.000 verkauften Einheiten.

Unabhängigkeit & Markenbildung

Ende 1979 trennten sich Winkler und Auge aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen und Persönlichkeitsunterschiede und Winkler gründete sein eigenes Unternehmen SciSys-W Ltd., das spätere SciSys. Die Trennung führte zu einer Phase, in der einige Modelle weiterhin von beiden Unternehmen vermarktet wurden, da diese bereits in Entwicklung waren; hierzu gehören der Chess Champion Super System III, der Chess Champion Pocket Chess, der Chess Champion Delta-1 und der Chess Partner 2000.

Ab etwa 1980 verfolgten SciSys und Novag ihre Produktlinien zunehmend unabhängig voneinander. Im Gegensatz zu Novag richtete SciSys seine meisten Schachcomputer auf den Massenmarkt aus und verteilte sie weltweit, oft über Marketing-Tochtergesellschaften (z. B. Acetronic) oder Partnern (z. B. Tandy/Radio Shack). Zu seinem Erfolg trug die Entwicklung zuverlässiger LCD-Schachbretter bei. Das Super System III LCD-Schachbrett hatte jedoch Schwierigkeiten, die für diese Technologie erforderlichen präzisen Produktionstoleranzen zu erfüllen.

Technologische Innovation & FIDE-Anerkennung

SciSys war nicht nur ein "weiterer" Hersteller, sondern trug auch in technologischer Hinsicht zur Entwicklung von Schachcomputern bei. 1980 stimmte das Leitungsgremium des Weltschachs, der FIDE, zu, SciSys-Schachcomputer zu unterstützen, ein umstrittener Schritt. Als erstes offizielles Gerät mit dem „Gütesiegel“ der FIDE erschien Executive Chess. Das FIDE-Logo sollte fünf Jahre lang auf SciSys-Produkten prangen.

1980 brachte SciSys zudem den Intelligent Chess heraus, einen innovativen Schachcomputer, der auch als Lehr- und Demonstrationsgerät genutzt werden konnte. Dieses Gerät wurde von Philidor Software entworfen und entwickelt, einem britischen Unternehmen, das von David Levy und Kevin O’Connell gegründet wurde. Seine Nachfolgefirma Intelligent Software entstand 1981 nach der Veröffentlichung des SciSys Chess Champion Super System MK IV im Mai 1981.

Einer der wichtigsten Meilensteine der frühen Produktgeschichte war der SciSys Chess Champion Mark V (1981), ein Schachcomputer mit moderner LCD-Anzeige, innovativen Funktionen für Klubspieler und speicherbaren Partien, der bei der 2.WMCCC 1981 in Travemünde in der kommerziellen Gruppe den Titel erspielen konnte.

Rückblickend war der Mark V der bedeutendste Beitrag von SciSys zur Innovation und Entwicklung von Schachcomputern. Erstens überzeugte er durch ein auffälliges Design, entworfen vom Designstudio von Iain Sinclair, dem Bruder des Erfinders und Unternehmers Sir Clive Sinclair (ZX80, ZX81, ZX Spectrum, C5 Elektrofahrzeug usw.), der später auch den SciSys Explorer und Superstar gestaltete. Der Mark V nutzte das LCD-Schachbrett in Kombination mit einer LCD-Infoanzeige. Hinzu kamen neue, nützliche Funktionen für Clubschachspieler, darunter die Möglichkeit, bis zu 12 Partien im Speicher zu halten, sie abzurufen und auf dem LCD-Schachbrett anzuzeigen, sowie Wiederholungs- und Analysefunktionen. Zudem gab es (fast) unendlich einstellbare Zeitkontrollen und starke Problemlösungsfähigkeiten.

Ein zusätzliches Sensor Board (SciSys Chess Champion Sensory Board für den Mark V / VI war eine weitere Innovation, verzögert sich jedoch stark in der Entwicklung und war in der veröffentlichten Form fehlerhaft. Letztlich waren Mark V, Mark VI und das Sensor Board enttäuschend bzw. zu schwach. Ohne die Leistungsfähigkeit eines starken Schachprogramms, die nötig war, um mit Fidelity und später Mephisto zu konkurrieren, ging SciSys zurück zum Verkauf von überwiegend preiswerten Einstiegs- oder Mittelklassemaschinen für den Massenmarkt.

Winkler engagierte 1982 Julio Kaplan als Hauptprogrammierer, als Intelligent Software seine Beziehungen zu SciSys lockerte und Projekte bei Milton Bradley und La Regency übernahm.

Kasparov-Partnerschaft & Saitek

1983 gelang SciSys ein bemerkenswerter Coup. Das Unternehmen schloss eine Werbe- und Entwicklungsvereinbarung mit dem späteren Schachweltmeister Garry Kasparov ab. Der Deal entstand, während Kasparov in London war und im Halbfinale der Weltmeisterschaft gegen Viktor Korchnoi antrat. Kasparov stimmte auch einer Zusammenarbeit bei der Produktion eines Eröffnungsmoduls zu. Das Kasparov Selected Openings-Modul für den Superstar 36K und Turbostar 432 wurde 1985 veröffentlicht. Glücklicherweise für SciSys wurde Kasparov im November 1985 mit dem Titel des jüngsten Schachweltmeisters aller Zeiten ausgezeichnet, nachdem er Anatoly Karpov besiegt hatte. Die Verbindung zwischen SciSys und Garry Kasparov war so stark, dass alle SciSys-Schachcomputer ab Ende 1985 den Namen Kasparov trugen.

1987 gründete SciSys die Tochterfirma Saitek, unter der deren Schachcomputerproduktion fortgeführt wurde. Danach verschwand der Name SciSys weitgehend vom Markt. Die Namensänderung diente in erster Linie der Vermeidung von Verwechslungen mit dem amerikanischen EDV-Unternehmen SCI Systems. Zudem gab es wiederholt Schwierigkeiten mit der Aussprache des alten Namens.

Erbe

Die frühe Geschichte von SciSys, geprägt durch technische Pionierarbeit, internationale Vermarktung und strategische Partnerschaften, zeigt, wie ein Schweizer Ingenieur in Hongkong ein Unternehmen aufbaute, das einen wichtigen Teil der Geschichte der Elektronik- und Schachcomputerindustrie darstellt. Viele SciSys- und Saitek-Schachcomputer gelten heute als Sammlerstücke und als Meilensteine der Computerschach-Geschichte.

Schachcomputer des Herstellers SciSys (= Scientific Systems)

Werbeprospekte

  • Klick auf das entsprechende Prospekt bzw. Link
SciSys Prospekt 1986-87


Weblinks

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