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Morsch, Frans

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Frans Morsch
Frans Morsch

Aus den Niederlanden, einer der traditionsreichsten Hochburgen des Computerschachs, stammt der 1954 geborene Schachprogrammierer Frans Morsch, dessen Name mit einer großen Zahl von Schachcomputern und PC-Programmen verbunden ist. Seine Programme fanden bei unterschiedlichsten Herstellern Verwendung, darunter Hegener & Glaser/Mephisto, Saitek, ChessBase und TASC.

Bereits im Alter von nur dreizehn Jahren begann Morsch, sich mit der Programmierung von Schachprogrammen zu beschäftigen. Während seines Physikstudiums entwickelte er mit Nona sein erstes eigenes Turnierprogramm, geschrieben in 6502-Assembler. Nach ersten Turniererfolgen wandte er sich der Schachprogrammierung schließlich beruflich zu; sein erster dedizierter Schachcomputer war der auf Nona basierende Mephisto Mondial.

Frans Morsch gehört zu jener kleinen Gruppe von Autoren, die es verstanden, selbst unter äußerst engen Hardwarebedingungen bemerkenswert spielstarke Programme zu schaffen. Gerade auf dem Gebiet der dedizierten Schachcomputer zeigte sich immer wieder seine besondere Fähigkeit, aus knappen Speicherressourcen und begrenzter Rechenleistung ein Höchstmaß an taktischer Schlagkraft herauszuholen. Viele seiner Geräte beeindruckten nicht durch opulente Hardware, sondern durch die Effizienz und Zielgenauigkeit ihrer Programmarchitektur. Typisch für Morschs Stil ist die Kunst der Konzentration auf das Wesentliche: Wo andere Autoren mehr Speicher, umfangreichere Routinen oder zusätzliche Hilfsmittel benötigten, erzielte er bereits mit vergleichsweise bescheidener Ausstattung ein bemerkenswertes Niveau. Gerade deshalb gelten viele seiner Programme bis heute als hervorragende Beispiele dafür, wie wirkungsvoll eine klug strukturierte Such- und Bewertungslogik auch unter engen technischen Rahmenbedingungen sein kann. Zu seinen wichtigsten Programmreihen zählt neben Nona auch Quest, aus dem 1991 schließlich Fritz hervorging. Mit dieser Entwicklung wurde Frans Morsch auch im PC-Bereich zu einem der prägenden Autoren des Computerschachs. Über viele Jahre war er der Hauptautor der Fritz-Programme und prägte deren Entwicklung maßgeblich, bevor er sich nach Fritz 13 auf eigenen Wunsch aus dieser Rolle zurückzog.

Gerade im Vergleich zwischen Brettgeräten und PC-Programmen wird deutlich, welches Potenzial in seiner Arbeit lag. Während seine dedizierten Geräte oft mit minimalen Ressourcen auskommen mussten, stand hinter den späteren PC-Programmen eine deutlich leistungsfähigere technische Basis. Umso nachvollziehbarer erscheint der Wunsch vieler Schachcomputerfreunde, Morsch hätte im Bereich der Brettgeräte noch häufiger Hardware zur Verfügung gehabt, die seinem programmiererischen Können voll entsprochen hätte — mit größerem Speicher, stärker ausgebautem positionellem Wissen und umfassenderen Endspielkenntnissen.

Denn unabhängig von einzelnen Schwächen, die man vor allem im Endspiel mitunter beobachten konnte, bleibt Frans Morsch einer der bedeutendsten Autoren der Schachcomputergeschichte. Kaum ein anderer verband über so viele Jahre hinweg technische Eleganz, praktische Effizienz und hohe Spielstärke in vergleichbarer Weise. Seine Programme prägten nicht nur eine ganze Generation von Schachcomputern, sondern auch den Übergang vom klassischen Brettgerät zum erfolgreichen PC-Schachprogramm.

Technisches Dossier: Die GK 2000 & GK 2100 Clones

ANALYSE DER BEKANNTEN PROGRAMMFEHLER ("H8-BUG")

Programmfehler 1: die 32K Versionen spielen auf allen Stufen sofort 1.Txh6?? mit Ausnahme des RadioShack Champion 2250XL, Saitek Travel Champion 2100, Saitek Präsident, Saitek Brute Force und Mephisto Schachakademie

Programmfehler 2: Saitek Cosmos zieht sofort auf allen Stufen (außer Mattsuche) 1.Dxh4?? und wird mit 1. ..Dxh4 mattgesetzt; er übersieht 1.Tf1 Matt!

Hardware-Architektur & Tuning-Potential

In zahlreichen "neueren" Schachcomputer Modellen der Firma Saitek / Mephisto rechnet ein Programm des Holländers Frans Morsch.

Die programmtechnischen Variationen zwischen den einzelnen Geräten - falls diese beim Spiel signifikannt in Erscheinung treten - bleiben das Geheimnis von Frans. Offensichtliche Unterschiede sind verschiedene Taktfrequenzen, schnellere CPUs (SuperH 7000 anstatt H8) die ROM/RAM Speichergröße und die Ansteuerung eines ggf. vorhandenen Displays oder Brett-LEDs. Sowie die ggf. in späteren Versionen beseitigten, aber in den jüngsten Versionen auch neu hinzugekommenen Programmfehler. Siehe zu Letzterem die beiden Beispielstellungen, die sich überaus zahlreich variieren lassen ("H8-Bug").

Die Angabe der Taktfrequenz ist manchmal widerspüchlich. Die H8 Prozessoren sind technisch gesehen "Zweitakter". Bei einer Quarzfrequenz von z.B. 20 MHz läuft der Prozessor intern mit 10 MHz. So existieren oft zwei Frequenzangaben für ein und denselben Schachcomputer. Beispielsweise 7 oder 14 MHz beim Travel Champion 2080. In der folgenden Zusammenstellung wird der interne Takt angegeben. Neuere Geräteversionen (SH7000 / H8) werden extern wie intern mit der gleichen Frequenz betrieben, in den meisten Fällen mit 10 MHz, aber auch mit 12 und 16 MHz. Jüngste Erkenntnisse haben ergeben, dass nur diese Geräte von den vorgenannten Fehlern betroffen sind. Es ist anzunehmen, dass sich diese auf das Feld h8 bezogenen Fehler beim Portieren des ursprünglichen Programms auf die neue Hardware einschlichen. Freunde des Tunings werden sicher begeistert sein von der weiteren Erkenntnis, dass diese neue Hardware Taktfrequenzen von bis zu 24,576 MHz zulässt und somit ein nicht unerhebliches Leistungspotential aufweist. Man muss sein Gerät nicht einmal öffnen, um im Vorfeld die Übertaktbarkeit zu bestimmen: Dieses Potential haben alle Morsch-Geräte mit dem H8-Bug!

Die technischen Daten der nachfolgend aufgeführten Geräte sind u.a. der Zeitschrift CSS 6/1998, Anleitungen und den Saitek / Mephisto Katalogen entnommen. Bei getesteten Geräten ist am Ende die Sekundenangabe bis zum Erreichen des 8. und 9. Halbzugs nach 1.f3. Die Werte in eckigen Klammern ([..]) sind Lösungszeiten der BT-2450 Test Stellung Nummer 11 (.. Dxh2). Dem "gefühlten" Anschein nach existieren lediglich drei unterschiedliche Programmtypen an GK 2000 / GK2100 Clones.

Reisegeräte

Typ Gerät & Benchmark Technische Daten Performance (8./9. Hz)
1 Fidelity Travel Master
[847"] (Urvater der Clones)
16k, H8, 10 MHz, 2000 HZ -
2 Saitek Travel Champion 2080
[1155"]
16k, H8, 7 MHz, 2000 HZ 68 | 272 sec
~1000 nps
2 Saitek Champion Advanced Trainer / Mephisto Champion 16k, H8, 7 MHz, 2000 HZ -
2 Mephisto Miami / Saitek Bravo / Diplomat 16k, SH7000, 10 MHz, 6000 HZ 47 | 193 sec
~1500 nps
3 Saitek Travel Champion 2100 / Saitek Cosmos / Mephisto Expert Travel Chess 32k, H8, 10 MHz, 30000/6000 HZ 36 | 193 sec
~3000 nps

Tischgeräte

Typ Gerät & Benchmark Technische Daten Performance (8./9. Hz)
2 Saitek GK 2000 [840"] / RadioShack Master 2200X 16k, H8, 10 MHz, 2000 HZ 49 | 194 sec
~1500 nps
2 Mephisto Montana [808"] / Saitek Barracuda 16k, SH7000, 10 MHz, 6000 HZ 45 | 192 sec
~1500 nps
3 Saitek GK 2100 [600"] / RadioShack Champion 2250XL [622"] 32k, H8, 10 MHz, 30000 HZ 36 | 193 sec
~3000 nps
3 Saitek Cougar [374"] / Mephisto Explorer Pro 32k, H8, 16 MHz, 6000 HZ 22 | 120 sec
~4500 nps
5 Mephisto Atlanta [35"] 64k, SH7000, 20 MHz, 512kB Hash 3 | 14 sec
~4000 nps

Module

Typ Modul & Benchmark Technische Daten Performance (8./9. Hz)
3 Mephisto MM VI [632"] 32k, H8, 10 MHz, 35000 HZ 39 | 201 sec
~3000 nps
6 Saitek Brute Force [>900"] 32k, H8, 10 MHz, 128kB Hash 86 | 250 sec

Übersicht: Programmtypen & CPUs

Typ Merkmale & Rechentiefe Geschätzte Spielstärke / Details
1 + 2 Rechentiefe 16 Halbzüge ~1900 ELO, 16K ROM incl. 2000-6000 HZ Eröffnungsbibliothek
3 + 6 Rechentiefe 32 Halbzüge ~2000 ELO, 32K ROM, 4k-30k HZ (ggf. mit Hash)
4 + 5 Rechentiefe 23 Halbzüge ~2100-2200 ELO, 64K ROM, 32 Bit CPU, bis 50k HZ

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