Hegener + Glaser: Unterschied zwischen den Versionen
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| Firma = Hegener + Glaser AG | |||
| Bild = [[Bild:Mephisto_Logo.png|center|250px]] | |||
| Gründung = [[1980]] | |||
| Auflösung = [[1994]] | |||
| Sitz = München,<br>Deutschland | |||
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'''Hegener + Glaser AG''' (kurz H+G) war ein deutsches Elektronik- und Mikroelektronikunternehmen mit Sitz in München, das vor allem durch seine Schachcomputer der Mephisto-Serie Bekanntheit erlangte. Der Markenname '''Mephisto''' wurde in den 1980er-Jahren in Deutschland zum Synonym für Schachcomputer und prägte ein ganzes Marktsegment. | |||
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== Geschichte == | |||
=== Gründung und Entwicklung === | |||
Hegener + Glaser wurde 1969 in München von [[Hegener, Manfred|Manfred Hegener]] und [[Glaser, Florian|Florian Glaser]] gegründet. Ursprünglich konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Halbleiterprodukten, Displays und elektronischen Komponenten für Industrie- und Großkunden unter Verwendung von importierten Bauteilen aus den USA, Japan und England. | |||
== Aufstieg der Marke Mephisto == | |||
Im Zuge des aufkommenden Marktes für spezialisierte Elektronikgeräte begann H+G Ende der 1970er-Jahre mit der Entwicklung dedizierter Schachcomputer. Im Jahr [[1978]] kamen H+G mit den Programmierern [[Nitsche, Thomas|Thomas Nitsche]] und [[Henne, Elmar|Elmar Henne]] in Kontakt. Unter dem Markennamen '''Mephisto''' erschien [[1980]] der erste deutsche Schachcomputer Mephisto, der auch, aufgrund seiner markanten Form, den Spitznamen '''"Das Brikett"''' trug. Die Software für die ersten Geräte wurde in den frühen Jahren von den Programmierern Thomas Nitsche und Elmar Henne entwickelt. | |||
[[1984]] gelang es Hegener + Glaser, den Programmierer [[Lang, Richard|Richard Lang]] in ihr Team aufzunehmen, der in jenem Jahr mit seinem Programm "[[Psion Chess]]" an der [[4. WMCCC Glasgow 1984|Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft 1984]] ([[WMCCC]]) mit drei anderen Teilnehmern den geteilten ersten Platz belegt hatte. Theoretisch hätte Richard Langs "Psion Chess" trotz Punktgleichheit dieses Turnier aufgrund der stärkeren [[Feinwertung|Buchholz-Wertung]] gewonnen, aber da vier Maschinen gleichauf den ersten Platz belegten, einigten sich alle vier Erstplatzierten darauf den Titel zu teilen. | |||
Da Thomas Nitsche und Elmar Henne’s „Mephisto“ (später als [[Mephisto III-S Glasgow]] vermarktet und verkauft) ebenfalls an der 4. WMCCC teilnahm und zu den genannten Erstplatzierten zählte, verfügte Hegener + Glaser nun über zwei Weltmeisterprogrammierer in seinem Team. Interessanterweise war der Mephisto III-S Glasgow ein kommerzielles Programm, während es sich bei den anderen Erstplatzierten entweder um einen experimentellen Computer handelte, der noch nicht auf dem Markt erhältlich war, oder wie im Fall von "Psion Chess" um ein Softwareprogramm. Hegener + Glaser konnten daher ihren '''Mephisto III-S Glasgow''' als den '''kommerziellen Weltmeister von 1984''' beanspruchen und bewerben. | |||
==Die | == Die goldene Ära == | ||
Richard Langs Mephisto-Programmierung bei Hegener + Glaser erwies sich als ein äußerst erfolgreiches Unterfangen, denn er gewann die nächsten sechs Weltmeisterschaften im Mikrocomputerschach. Diese Siegesserie ist bis heute unerreicht und festigte den Ruf der Marke "Mephisto" als technologische Spitze im Bereich der künstlichen Intelligenz jener Zeit. | |||
{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
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| | |style="text-align:center;" | [[4. WMCCC Glasgow 1984|4. WMCCC]] | ||
|in München von [[Hegener, Manfred|Manfred Hegener]] und [[Glaser, Florian|Florian Glaser]] zur Halbleiterproduktion gegründet | |style="text-align:center;" | 1984 | ||
|Glasgow | |||
|[[Fidelity Elite A/S Glasgow|Fidelity Elite X]], [[Conchess Glasgow|Conchess X]], [[Mephisto III-S Glasgow]], [[Psion Chess]] | |||
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|style="text-align:center;" | [[5. WMCCC Amsterdam 1985|5. WMCCC]] | |||
|style="text-align:center;" | 1985 | |||
|Amsterdam | |||
|[[Mephisto Amsterdam]] | |||
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|style="text-align:center;" | [[6. WMCCC Dallas 1986|6. WMCCC]] | |||
|style="text-align:center;" | 1986 | |||
|Dallas | |||
|[[Mephisto Dallas 68020|Mephisto Dallas]] | |||
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|style="text-align:center;" | [[7. WMCCC Rom 1987|7. WMCCC]] | |||
|style="text-align:center;" | 1987 | |||
|Rom | |||
|[[Mephisto Roma 68020|Mephisto Roma]] | |||
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|style="text-align:center;" | [[8. WMCCC Almeria 1988|8. WMCCC]] | |||
|style="text-align:center;" | 1988 | |||
|Almeria | |||
|[[Mephisto Almeria 68020 Turbo|Mephisto Almeria]] | |||
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|style="text-align:center;" | [[9. WMCCC Portoroz 1989|9. WMCCC]] | |||
|style="text-align:center;" | 1989 | |||
|Portoroz | |||
|[[Mephisto TM Portorose|Mephisto Portorose]] | |||
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|style="text-align:center;" | [[10. WMCCC Lyon 1990|10. WMCCC]] | |||
|style="text-align:center;" | 1990 | |||
|Lyon | |||
|[[Mephisto TM Lyon|Mephisto Lyon]] | |||
|} | |||
Diese Erfolge machte Hegener + Glaser zum weltweit größten und erfolgreichsten Hersteller von Schachcomputern in den 1980er Jahren. In Deutschland hielten Mephisto-Geräte zeitweise einen Marktanteil von über 90 % aller verkauften Schachcomputer. | |||
== Erwerb von Fidelity Electronics == | |||
[[1989]] übernahm Hegener + Glaser ihren schlingernden amerikanischen Konkurrenten '''[[Fidelity|Fidelity Electronics Inc.]]''', einen zuvor führenden Anbieter von Schachcomputern, für rund 7 Millionen US-Dollar. Der Kauf sollte die Marktstellung weiter festigen, aber [[1992]] waren Hegener + Glaser selbst in Schwierigkeiten, da sich die Nachfrage auf dem Markt geändert hatte, der sich auf die zunehmende Masse billiger, aber leistungsfähiger Schachsoftware für Personalcomputer umgestellt hatte. | |||
== Niedergang und Übernahme durch Saitek == | |||
Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Personal Computer wie der Intel-486-Serie und der Verbreitung kostengünstiger, leistungsstarker Schachsoftware verlor der Markt für hochwertige dedizierte Schachcomputer ab [[1990]] rapide an Bedeutung. H+G geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten und schrieb ab [[1992]] hohe Verluste, die Schulden beliefen sich auf etwa 28 Millionen DM. | |||
Schließlich verkauften Hegener + Glaser [[1994]] ihr Unternehmen für ~7 Mio. DM an [[Saitek|Saitek Ltd.]], nachdem sie in den beiden vorangegangenen Jahren einige große Verluste und Rückschläge erlitten hatten, von denen viele dadurch verursacht wurden, dass sie die enormen Verluste von Fidelity Electronics in Nordamerika auffangen mussten, was schließlich den Untergang beider Unternehmen verursachte. | |||
Die Marke Mephisto lebte unter Saitek weiter, auch wenn der klassische Markt für Schachcomputer inzwischen stark geschrumpft war. | |||
== Produkte == | |||
=== Mephisto-Schachcomputer === | |||
Die Mephisto-Serie war das bekannteste Produkt von H+G. Sie umfasste sowohl integrierte Schachcomputer als auch [[Mephisto Modulare Serie|modulare Schachbretter]]. Ein Markenzeichen von Hegener + Glaser war die Einführung modularer Systeme. Kunden konnten ein hochwertiges Plastik- oder Holzbrett (wie die Modelle [[Mephisto Modular|Modular]], [[Mephisto Exclusive|Exclusive]], [[Mephisto München|München]] oder [[Mephisto Bavaria|Bavaria]]) kaufen und die Recheneinheit (das Modul/Modul-Set) austauschen, sobald eine stärkere Version von verschiedenen Programmierern wie [[Schröder, Ed|Ed Schröder]], [[Rathsman, Ulf|Ulf Rathsman]] oder [[Morsch, Frans|Frans Morsch]] auf den Markt kam. Dies machte Mephisto zum Statussymbol für ambitionierte Schachspieler. Die Geräte verwendeten unterschiedliche Mikroprozessoren (z. B. MOS 6502, Motorola 68000 / 68020 / 68030, RISC) und boten eine beachtliche Spielstärke für die damalige Zeit. | |||
==== Meilensteine der Produktpalette ==== | |||
* '''[[Mephisto I]]''' | |||
** Die Erfolgsgeschichte der Mephisto-Schachcomputer nahm 1980 mit dem Modell Mephisto I ihren Anfang. Das Gerät präsentierte sich als kompaktes, schwarzes Gehäuse mit den Maßen 11 × 17 × 4 cm. Auf der rechten Seite befand sich eine Tastatur mit 17 Tasten, über die der menschliche Spieler seine Züge eingab. Links war eine vierstellige alphanumerische LCD-Anzeige integriert, die die Computerzüge darstellte. Entwickelt wurde der erste Mephisto bereits 1979 auf Basis des 8-Bit-Mikroprozessors RCA 1802 durch Thomas Nitsche (damals 26 Jahre alt) und Elmar Henne (24), unterstützt von Ossi Weiner (25), der die Eröffnungsbibliothek beisteuerte. Anfang August 1980 brachte H+G das Gerät auf den Markt. Wegen seiner kantigen Form und der dunklen Farbgebung erhielt es bald den Spitznamen "Das Brikett". | |||
* '''[[Mephisto III]]''' | |||
** Kurz vor Weihnachten [[1983]] kam mit dem Mephisto III das dritte Modell der sogenannten Brikett-Serie auf den Markt. Es verfügte über ein von Nitsche und Henne grundlegend überarbeitetes Schachprogramm, das sich deutlich von der damals verbreiteten Brute-Force-Strategie abhob. Aufgrund seines vergleichsweise "intelligenten" Spielstils galt es zu jener Zeit als eines der fortschrittlichsten Programme weltweit. | |||
* '''[[Mephisto Modulare Serie]]''' | |||
** Zum Jahreswechsel 1983/84 verabschiedete sich Hegener + Glaser vom Brikett-Design und führte drei modulare Schachbretter ein: "[[Mephisto Modular|Modular]]" (Kunststoff), "[[Mephisto Exclusive|Exclusive]]" (Edelholz, Tischgröße) und "[[Mephisto München|München]]" (Turniergröße). | |||
** Die entscheidende Neuerung war die Magnetsensor-Technik: Dank Reed-Relais im Brett und Magneten in den Figuren wurden Züge automatisch erkannt. Das mühsame Tippen auf der Tastatur entfiel. Zudem zeigten 64 LEDs direkt auf den Feldern die Computerzüge an. Über drei Modulschübe konnten die Geräte hardwareseitig aktuell gehalten werden. | |||
* '''[[Mephisto III-S Glasgow]]''' | |||
** Bei der [[4. WMCCC Glasgow 1984|4. Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft vom 8. bis 15. September 1984 in Glasgow]] trat eine verbesserte Version des Mephisto-III-Programms an. Es lief auf einem 16-Bit-Prozessor Motorola 68000 mit 12 MHz und war in einem Exclusive-Brett integriert. | |||
** Mit 5 Punkten aus 7 Partien belegte Mephisto gemeinsam mit drei weiteren Teilnehmern den ersten Platz und wurde erstmals Mikrocomputer-Schachweltmeister. Da er zugleich als einziges der siegreichen Geräte kommerziell erhältlich war, erhielt er zusätzlich den Titel "Kommerzieller Weltmeister". | |||
* '''[[Mephisto Amsterdam]]''' | |||
** Im Mai [[1985]] begann eine neue Phase der Mephisto-Geschichte: Der britische Programmierer Richard Lang, zuvor Autor des erfolgreichen [[Psion Chess]], übernahm nach dem Ausscheiden von Nitsche und Henne die Entwicklung der Programme für H+G. | |||
** Bis zur [[5. WMCCC Amsterdam 1985|5. Mikro-WM]], die im September 1985 in Amsterdam stattfand, verbesserte Lang die Software erheblich. Unter der Teamleitung von Ossi Weiner dominierte Mephisto Amsterdam das Turnier deutlich und gewann mit 22 aus 24 möglichen Punkten. Mephisto trat mit 3 Versionen (Amsterdam 1 - 3) an, Mephisto Amsterdam 1 war eine Spezialkonstruktion, bei der ein leihweise zur Verfügung gestelltes 32-Bit 68020 Entwicklungssystem von Motorola zum Einsatz kam. Das Siegerprogramm erschien kurz darauf als Modul für den weiterhin mit 12 MHz betriebenen 68000-Mephisto. | |||
* '''[[Mephisto Dallas]]''' | |||
** Zur 6. Mikro-WM 1986 in Dallas trat Mephisto erstmals mit einem 32-Bit-Prozessor an: dem Motorola 68020, der mit 28 MHz getaktet war, doppelt so schnell wie die Seriengeräte. Mit 6 Punkten aus 7 Partien gewann Mephisto das Turnier souverän. | |||
* '''[[Mephisto Almeria]]''' | |||
** Die [[8. WMCCC Almeria 1988|8. Mikro-WM 1988]] in Almería brachte mit dem Mephisto Almeria ein deutlich weiterentwickeltes Modell hervor. Neu waren unter anderem ein stark vereinfachtes Bedienkonzept mit nur noch sechs Tasten sowie eine 32-stellige Punktmatrixanzeige. | |||
** Auch spielerisch wurde Mephisto weiter verbessert: Die Eröffnungsbibliothek wuchs auf 60.000 Halbzüge und erstmals kamen [[Hash Tables]] zum Einsatz. Dadurch konnten bereits analysierte Stellungen gespeichert und wiederverwendet werden, was insbesondere im Endspiel die Spielstärke erheblich steigerte. Mephisto gewann das Turnier und wurde Weltmeister in allen Klassen. | |||
* '''[[Mephisto Schachschule]]''' | |||
** Im Jahr [[1989]] betrat die Fa. Hegener + Glaser Neuland mit drei Modellen der Hausmarke Mephisto. Zum ersten Mal wurden spezielle Schachcomputer mit Lernmodulen entwickelt, die computerunterstützte Schachkurse beinhalteten. Diese richteten sich an Schachspieler unterschiedlicher Spielstärke, angefangen vom Anfänger bis zum starken Vereinsspieler. Zusätzlich waren alle mit ausführlichen Lehrbüchern von GM Helmut Pfleger und Ossi Weiner ausgestattet. | |||
** Die Mephisto Schachschule war der '''meistverkaufte Mephisto''' Schachcomputer aller Zeiten (1989 - 1997)! | |||
* '''[[Mephisto Polgar]]''' | |||
** [[1989]] erschien das Modulset für Mephisto-Modulsysteme von Hegener + Glaser. Das Rebel basierende 8-Bit-Programm von Ed Schröder lief auf einem 65C02 CMOS-Prozessor mit 5 MHz. Das gleiche Programm erschien in der [[Mephisto Academy]], einem Computer mit Schwerpunkt auf Didaktik und Schachunterricht, der ebenfalls den Polgar-Schwestern Susan, Sofia und Judit gewidmet war. 1990 wurde ein verbessertes 10-MHz-Modul veröffentlicht. | |||
* '''[[Mephisto Lyon]]''' | |||
** 1990 präsentierte das Team Lang/Weiner den Mephisto Lyon. Neu waren zwei unterschiedliche Eröffnungsbibliotheken: eine sehr breite, abwechslungsreiche Variante für menschliche Gegner sowie eine stark eingeschränkte Turnierbibliothek für Computerwettkämpfe. Zusätzlich konnten Spielstil ("solid", "aktiv", "Risiko") und Figurenwerte angepasst werden. | |||
** Erstmals kamen außerdem Singular Extensions zum Einsatz. Eine Technik, bei der erzwungene Varianten besonders tief analysiert werden, was die taktische Stärke im Mittelspiel deutlich erhöhte. Bei der [[10. WMCCC Lyon 1990|10. Mikro-WM im November 1990 in Lyon]] gewann Mephisto erneut beide Wertungen: kampflos in der Herstellergruppe und nach hartem Wettbewerb auch in der Softwareklasse, wenn auch unter sehr glücklichen Umständen. | |||
* '''[[Mephisto Risc 1MB]]''' | |||
** Anfang [[1992]] erschien das Mephisto Risc-Modulset für die modularen Bretter [[Mephisto Exclusive|Exclusive]] und [[Mephisto München|München]]. Das Schachprogramm stammte von [[Ed Schröder]] und war mit der Programmversion identisch, die [[1991]] in [[11. WMCCC Vancouver 1991|Vancouver die Computerweltmeisterschaft]] gewann. Der Mephisto Risc war der erste Brettschachcomputer, der seine Berechnungen auf der Basis eines sehr leistungsfähigen [[RISC]]-Prozessors tätigen konnte. Diese Prozessoren verfügen über einen sehr kleinen Befehlssatz und erzielen bei der Programmausführung eine sehr hohe Geschwindigkeit. | |||
== Bedeutung und Vermächtnis == | |||
Hegener + Glaser gilt als einer der pionierhaften Hersteller im Bereich der Schachcomputer und prägte die Entwicklung von Schach-Elektronik in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren maßgeblich. Die Marke Mephisto setzte technologische Maßstäbe und trug erheblich zur Verbreitung und Akzeptanz von Schachcomputern bei Hobby- und Turnierspielern bei. | |||
== Nachwirkungen und Nachfolgeunternehmen == | |||
Nach der Übernahme durch Saitek und der Umstellung der Geschäftstätigkeit endete die ursprüngliche Ära von Hegener + Glaser als Elektronikhersteller. Manfred Hegener setzte seine Aktivitäten fort und gründete Ende [[1997]] zusammen mit [[Weiner, Ossi|Ossi Weiner]] die [[Millennium|Millennium 2000 GmbH Hegener & Weiner]], einen Anbieter günstiger Schachcomputer-Modelle. | |||
==Die Firma Hegener + Glaser (Mephisto)== | |||
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| align=left | '''Historie''' | |||
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| 1968 | |||
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*in München von [[Hegener, Manfred|Manfred Hegener]] und [[Glaser, Florian|Florian Glaser]] zur Halbleiterproduktion gegründet | |||
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| 1978 | |||
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* die beiden Programmierer [[Nitsche, Thomas|Thomas Nitsche]] & [[Henne, Elmar|Elmar Henne]] kommen mit H+G in Kontakt | |||
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| | |1980 | ||
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* das "Mephisto" Markenzeichen entsteht. Das [[Brikett]] - der erste deutsche Schachcomputer - programmiert von Thomas Nitsche und Elmar Henne, erscheint auf dem Markt. | |||
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| | | 1983 | ||
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* "Mephisto" wird in Deutschland zum Synonym für Schachcomputer | |||
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| | | 1984 | ||
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* Hegener + Glaser gewinnt mit dem [[Mephisto III-S Glasgow]] die [[4. WMCCC Glasgow 1984|Weltmeisterschaft 1984]] in Glasgow, der erste von neun WM-Titeln | |||
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| | | 1985 | ||
|mit [[Lang, Richard|Richard Lang]] | | | ||
* mit dem neuen Programmierer [[Lang, Richard|Richard Lang]] (s.h. [[Psion Chess]] - Gewinner der [[4. WMCCC Glasgow 1984|WMCCC 1984 in Glasgow]]) beginnt eine lange Serie von WM Erfolgen (1985 - 1993) | |||
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|1989 | | 1989 | ||
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* über 90% aller in Deutschland verkaufter Schachcomputer sind Mephistos | * über 90% aller in Deutschland verkaufter Schachcomputer sind Mephistos | ||
* H+G übernimmt "[[Fidelity]] Electronics Inc." für ~7 Millionen US $ | * H+G übernimmt "[[Fidelity]] Electronics Inc." für ~7 Millionen US $ | ||
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|1990 | | 1990 | ||
|der Markt für hochpreisige Schachcomputer bricht ein. Grund hierfür ist das Aufkommen leistungsfähiger Intel 486er PCs bei gleichzeitigem Angebot an preiswerten und leistungsstarken Schachprogrammen | | | ||
* der Markt für hochpreisige Schachcomputer bricht ein. Grund hierfür ist das Aufkommen leistungsfähiger Intel 486er PCs bei gleichzeitigem Angebot an preiswerten und leistungsstarken Schachprogrammen | |||
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|1992 | | 1992 | ||
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* H+G's Schulden belaufen sich nun bereits auf 28 Millionen DM | * H+G's Schulden belaufen sich nun bereits auf 28 Millionen DM | ||
* [[Schröder, Ed|Ed Schröder]] gewinnt mit Gideon 3.1 ([[Mephisto Risc 2]]) die offene 7. Schachcomputer Weltmeisterschaft [[WCCC]] - also nicht die der Micros (!) - vor Großrechnern und Spezialhardware | * [[Schröder, Ed|Ed Schröder]] gewinnt mit Gideon 3.1 ([[Mephisto Risc 2]]) die offene 7. Schachcomputer Weltmeisterschaft [[WCCC]] - also nicht die der Micros (!) - vor Großrechnern und Spezialhardware | ||
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|1994 | | 1994 | ||
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* H+G wird von "[[Saitek]] Ltd." für ~ 7 Millionen DM aufgekauft | * H+G wird von "[[Saitek]] Ltd." für ~ 7 Millionen DM aufgekauft | ||
* [[Lang, Richard|Richard Langs]] Genius ([[Mephisto London]]) schlägt Garry Kasparov beim Intel World Chess Grand Prix Turnier in London auf einem Pentium Prozessor | * [[Lang, Richard|Richard Langs]] Genius ([[Mephisto London]]) schlägt Garry Kasparov beim Intel World Chess Grand Prix Turnier in London auf einem Pentium Prozessor | ||
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|1997 | | 1997 | ||
|[[Hegener, Manfred|Manfred Hegener]] und [[Weiner, Ossi|Ossi Weiner]] gründen die Firma "[[Millennium]] 2000 GmbH Hegener & Weiner" und produzieren den "[[Millennium Schachpartner 2000]]", welcher für 99 DM verkauft wurde. | | | ||
*[[Hegener, Manfred|Manfred Hegener]] und [[Weiner, Ossi|Ossi Weiner]] gründen die Firma "[[Millennium]] 2000 GmbH Hegener & Weiner" und produzieren den "[[Millennium Schachpartner 2000]]", welcher für 99 DM verkauft wurde. | |||
|} | |} | ||
==Schachcomputer des Herstellers Hegener | == Schachcomputer des Herstellers Hegener + Glaser == | ||
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==Übersicht der Module für | == Übersicht der Module für die [[Mephisto Modulare Serie|Modulare Serie]] == | ||
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==Werbeprospekte== | ==Werbeprospekte== | ||
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* Klick auf das entsprechende Prospekt bzw. Link | * Klick auf das entsprechende Prospekt bzw. Link | ||
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* [https://www.spacious-mind.com/html/mephisto.html Mephisto] by [http://spacious-mind.com The Spacious-Mind] | |||
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* [https://de.wikipedia.org/wiki/Mephisto_(Schachcomputer) Mephisto (Schachcomputer)] aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia - Die freie Enzyklopädie] | |||
* [https://www.ismenio.com/mephisto.html Hegener & Glaser (Mephisto)] by [https://www.ismenio.com/chess_computers.html chess computers.org] | |||
* [http://www.chesscomputeruk.com/html/chess_computers_-_the_uk_story.html Chess Computers - The UK Story] from [http://www.chesscomputeruk.com/index.html Chess Computer UK] by Mike Watters | |||
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 18:17 Uhr
| Hegener + Glaser AG | ||
|---|---|---|
| Gründung | 1980 | |
| Auflösung | 1994 | |
| Sitz | München, Deutschland | |
Hegener + Glaser AG (kurz H+G) war ein deutsches Elektronik- und Mikroelektronikunternehmen mit Sitz in München, das vor allem durch seine Schachcomputer der Mephisto-Serie Bekanntheit erlangte. Der Markenname Mephisto wurde in den 1980er-Jahren in Deutschland zum Synonym für Schachcomputer und prägte ein ganzes Marktsegment.
Geschichte
Gründung und Entwicklung
Hegener + Glaser wurde 1969 in München von Manfred Hegener und Florian Glaser gegründet. Ursprünglich konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Halbleiterprodukten, Displays und elektronischen Komponenten für Industrie- und Großkunden unter Verwendung von importierten Bauteilen aus den USA, Japan und England.
Aufstieg der Marke Mephisto
Im Zuge des aufkommenden Marktes für spezialisierte Elektronikgeräte begann H+G Ende der 1970er-Jahre mit der Entwicklung dedizierter Schachcomputer. Im Jahr 1978 kamen H+G mit den Programmierern Thomas Nitsche und Elmar Henne in Kontakt. Unter dem Markennamen Mephisto erschien 1980 der erste deutsche Schachcomputer Mephisto, der auch, aufgrund seiner markanten Form, den Spitznamen "Das Brikett" trug. Die Software für die ersten Geräte wurde in den frühen Jahren von den Programmierern Thomas Nitsche und Elmar Henne entwickelt.
1984 gelang es Hegener + Glaser, den Programmierer Richard Lang in ihr Team aufzunehmen, der in jenem Jahr mit seinem Programm "Psion Chess" an der Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft 1984 (WMCCC) mit drei anderen Teilnehmern den geteilten ersten Platz belegt hatte. Theoretisch hätte Richard Langs "Psion Chess" trotz Punktgleichheit dieses Turnier aufgrund der stärkeren Buchholz-Wertung gewonnen, aber da vier Maschinen gleichauf den ersten Platz belegten, einigten sich alle vier Erstplatzierten darauf den Titel zu teilen.
Da Thomas Nitsche und Elmar Henne’s „Mephisto“ (später als Mephisto III-S Glasgow vermarktet und verkauft) ebenfalls an der 4. WMCCC teilnahm und zu den genannten Erstplatzierten zählte, verfügte Hegener + Glaser nun über zwei Weltmeisterprogrammierer in seinem Team. Interessanterweise war der Mephisto III-S Glasgow ein kommerzielles Programm, während es sich bei den anderen Erstplatzierten entweder um einen experimentellen Computer handelte, der noch nicht auf dem Markt erhältlich war, oder wie im Fall von "Psion Chess" um ein Softwareprogramm. Hegener + Glaser konnten daher ihren Mephisto III-S Glasgow als den kommerziellen Weltmeister von 1984 beanspruchen und bewerben.
Die goldene Ära
Richard Langs Mephisto-Programmierung bei Hegener + Glaser erwies sich als ein äußerst erfolgreiches Unterfangen, denn er gewann die nächsten sechs Weltmeisterschaften im Mikrocomputerschach. Diese Siegesserie ist bis heute unerreicht und festigte den Ruf der Marke "Mephisto" als technologische Spitze im Bereich der künstlichen Intelligenz jener Zeit.
| 4. WMCCC | 1984 | Glasgow | Fidelity Elite X, Conchess X, Mephisto III-S Glasgow, Psion Chess |
| 5. WMCCC | 1985 | Amsterdam | Mephisto Amsterdam |
| 6. WMCCC | 1986 | Dallas | Mephisto Dallas |
| 7. WMCCC | 1987 | Rom | Mephisto Roma |
| 8. WMCCC | 1988 | Almeria | Mephisto Almeria |
| 9. WMCCC | 1989 | Portoroz | Mephisto Portorose |
| 10. WMCCC | 1990 | Lyon | Mephisto Lyon |
Diese Erfolge machte Hegener + Glaser zum weltweit größten und erfolgreichsten Hersteller von Schachcomputern in den 1980er Jahren. In Deutschland hielten Mephisto-Geräte zeitweise einen Marktanteil von über 90 % aller verkauften Schachcomputer.
Erwerb von Fidelity Electronics
1989 übernahm Hegener + Glaser ihren schlingernden amerikanischen Konkurrenten Fidelity Electronics Inc., einen zuvor führenden Anbieter von Schachcomputern, für rund 7 Millionen US-Dollar. Der Kauf sollte die Marktstellung weiter festigen, aber 1992 waren Hegener + Glaser selbst in Schwierigkeiten, da sich die Nachfrage auf dem Markt geändert hatte, der sich auf die zunehmende Masse billiger, aber leistungsfähiger Schachsoftware für Personalcomputer umgestellt hatte.
Niedergang und Übernahme durch Saitek
Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Personal Computer wie der Intel-486-Serie und der Verbreitung kostengünstiger, leistungsstarker Schachsoftware verlor der Markt für hochwertige dedizierte Schachcomputer ab 1990 rapide an Bedeutung. H+G geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten und schrieb ab 1992 hohe Verluste, die Schulden beliefen sich auf etwa 28 Millionen DM.
Schließlich verkauften Hegener + Glaser 1994 ihr Unternehmen für ~7 Mio. DM an Saitek Ltd., nachdem sie in den beiden vorangegangenen Jahren einige große Verluste und Rückschläge erlitten hatten, von denen viele dadurch verursacht wurden, dass sie die enormen Verluste von Fidelity Electronics in Nordamerika auffangen mussten, was schließlich den Untergang beider Unternehmen verursachte.
Die Marke Mephisto lebte unter Saitek weiter, auch wenn der klassische Markt für Schachcomputer inzwischen stark geschrumpft war.
Produkte
Mephisto-Schachcomputer
Die Mephisto-Serie war das bekannteste Produkt von H+G. Sie umfasste sowohl integrierte Schachcomputer als auch modulare Schachbretter. Ein Markenzeichen von Hegener + Glaser war die Einführung modularer Systeme. Kunden konnten ein hochwertiges Plastik- oder Holzbrett (wie die Modelle Modular, Exclusive, München oder Bavaria) kaufen und die Recheneinheit (das Modul/Modul-Set) austauschen, sobald eine stärkere Version von verschiedenen Programmierern wie Ed Schröder, Ulf Rathsman oder Frans Morsch auf den Markt kam. Dies machte Mephisto zum Statussymbol für ambitionierte Schachspieler. Die Geräte verwendeten unterschiedliche Mikroprozessoren (z. B. MOS 6502, Motorola 68000 / 68020 / 68030, RISC) und boten eine beachtliche Spielstärke für die damalige Zeit.
Meilensteine der Produktpalette
- Mephisto I
- Die Erfolgsgeschichte der Mephisto-Schachcomputer nahm 1980 mit dem Modell Mephisto I ihren Anfang. Das Gerät präsentierte sich als kompaktes, schwarzes Gehäuse mit den Maßen 11 × 17 × 4 cm. Auf der rechten Seite befand sich eine Tastatur mit 17 Tasten, über die der menschliche Spieler seine Züge eingab. Links war eine vierstellige alphanumerische LCD-Anzeige integriert, die die Computerzüge darstellte. Entwickelt wurde der erste Mephisto bereits 1979 auf Basis des 8-Bit-Mikroprozessors RCA 1802 durch Thomas Nitsche (damals 26 Jahre alt) und Elmar Henne (24), unterstützt von Ossi Weiner (25), der die Eröffnungsbibliothek beisteuerte. Anfang August 1980 brachte H+G das Gerät auf den Markt. Wegen seiner kantigen Form und der dunklen Farbgebung erhielt es bald den Spitznamen "Das Brikett".
- Mephisto III
- Kurz vor Weihnachten 1983 kam mit dem Mephisto III das dritte Modell der sogenannten Brikett-Serie auf den Markt. Es verfügte über ein von Nitsche und Henne grundlegend überarbeitetes Schachprogramm, das sich deutlich von der damals verbreiteten Brute-Force-Strategie abhob. Aufgrund seines vergleichsweise "intelligenten" Spielstils galt es zu jener Zeit als eines der fortschrittlichsten Programme weltweit.
- Mephisto Modulare Serie
- Zum Jahreswechsel 1983/84 verabschiedete sich Hegener + Glaser vom Brikett-Design und führte drei modulare Schachbretter ein: "Modular" (Kunststoff), "Exclusive" (Edelholz, Tischgröße) und "München" (Turniergröße).
- Die entscheidende Neuerung war die Magnetsensor-Technik: Dank Reed-Relais im Brett und Magneten in den Figuren wurden Züge automatisch erkannt. Das mühsame Tippen auf der Tastatur entfiel. Zudem zeigten 64 LEDs direkt auf den Feldern die Computerzüge an. Über drei Modulschübe konnten die Geräte hardwareseitig aktuell gehalten werden.
- Mephisto III-S Glasgow
- Bei der 4. Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft vom 8. bis 15. September 1984 in Glasgow trat eine verbesserte Version des Mephisto-III-Programms an. Es lief auf einem 16-Bit-Prozessor Motorola 68000 mit 12 MHz und war in einem Exclusive-Brett integriert.
- Mit 5 Punkten aus 7 Partien belegte Mephisto gemeinsam mit drei weiteren Teilnehmern den ersten Platz und wurde erstmals Mikrocomputer-Schachweltmeister. Da er zugleich als einziges der siegreichen Geräte kommerziell erhältlich war, erhielt er zusätzlich den Titel "Kommerzieller Weltmeister".
- Mephisto Amsterdam
- Im Mai 1985 begann eine neue Phase der Mephisto-Geschichte: Der britische Programmierer Richard Lang, zuvor Autor des erfolgreichen Psion Chess, übernahm nach dem Ausscheiden von Nitsche und Henne die Entwicklung der Programme für H+G.
- Bis zur 5. Mikro-WM, die im September 1985 in Amsterdam stattfand, verbesserte Lang die Software erheblich. Unter der Teamleitung von Ossi Weiner dominierte Mephisto Amsterdam das Turnier deutlich und gewann mit 22 aus 24 möglichen Punkten. Mephisto trat mit 3 Versionen (Amsterdam 1 - 3) an, Mephisto Amsterdam 1 war eine Spezialkonstruktion, bei der ein leihweise zur Verfügung gestelltes 32-Bit 68020 Entwicklungssystem von Motorola zum Einsatz kam. Das Siegerprogramm erschien kurz darauf als Modul für den weiterhin mit 12 MHz betriebenen 68000-Mephisto.
- Mephisto Dallas
- Zur 6. Mikro-WM 1986 in Dallas trat Mephisto erstmals mit einem 32-Bit-Prozessor an: dem Motorola 68020, der mit 28 MHz getaktet war, doppelt so schnell wie die Seriengeräte. Mit 6 Punkten aus 7 Partien gewann Mephisto das Turnier souverän.
- Mephisto Almeria
- Die 8. Mikro-WM 1988 in Almería brachte mit dem Mephisto Almeria ein deutlich weiterentwickeltes Modell hervor. Neu waren unter anderem ein stark vereinfachtes Bedienkonzept mit nur noch sechs Tasten sowie eine 32-stellige Punktmatrixanzeige.
- Auch spielerisch wurde Mephisto weiter verbessert: Die Eröffnungsbibliothek wuchs auf 60.000 Halbzüge und erstmals kamen Hash Tables zum Einsatz. Dadurch konnten bereits analysierte Stellungen gespeichert und wiederverwendet werden, was insbesondere im Endspiel die Spielstärke erheblich steigerte. Mephisto gewann das Turnier und wurde Weltmeister in allen Klassen.
- Mephisto Schachschule
- Im Jahr 1989 betrat die Fa. Hegener + Glaser Neuland mit drei Modellen der Hausmarke Mephisto. Zum ersten Mal wurden spezielle Schachcomputer mit Lernmodulen entwickelt, die computerunterstützte Schachkurse beinhalteten. Diese richteten sich an Schachspieler unterschiedlicher Spielstärke, angefangen vom Anfänger bis zum starken Vereinsspieler. Zusätzlich waren alle mit ausführlichen Lehrbüchern von GM Helmut Pfleger und Ossi Weiner ausgestattet.
- Die Mephisto Schachschule war der meistverkaufte Mephisto Schachcomputer aller Zeiten (1989 - 1997)!
- Mephisto Polgar
- 1989 erschien das Modulset für Mephisto-Modulsysteme von Hegener + Glaser. Das Rebel basierende 8-Bit-Programm von Ed Schröder lief auf einem 65C02 CMOS-Prozessor mit 5 MHz. Das gleiche Programm erschien in der Mephisto Academy, einem Computer mit Schwerpunkt auf Didaktik und Schachunterricht, der ebenfalls den Polgar-Schwestern Susan, Sofia und Judit gewidmet war. 1990 wurde ein verbessertes 10-MHz-Modul veröffentlicht.
- Mephisto Lyon
- 1990 präsentierte das Team Lang/Weiner den Mephisto Lyon. Neu waren zwei unterschiedliche Eröffnungsbibliotheken: eine sehr breite, abwechslungsreiche Variante für menschliche Gegner sowie eine stark eingeschränkte Turnierbibliothek für Computerwettkämpfe. Zusätzlich konnten Spielstil ("solid", "aktiv", "Risiko") und Figurenwerte angepasst werden.
- Erstmals kamen außerdem Singular Extensions zum Einsatz. Eine Technik, bei der erzwungene Varianten besonders tief analysiert werden, was die taktische Stärke im Mittelspiel deutlich erhöhte. Bei der 10. Mikro-WM im November 1990 in Lyon gewann Mephisto erneut beide Wertungen: kampflos in der Herstellergruppe und nach hartem Wettbewerb auch in der Softwareklasse, wenn auch unter sehr glücklichen Umständen.
- Mephisto Risc 1MB
- Anfang 1992 erschien das Mephisto Risc-Modulset für die modularen Bretter Exclusive und München. Das Schachprogramm stammte von Ed Schröder und war mit der Programmversion identisch, die 1991 in Vancouver die Computerweltmeisterschaft gewann. Der Mephisto Risc war der erste Brettschachcomputer, der seine Berechnungen auf der Basis eines sehr leistungsfähigen RISC-Prozessors tätigen konnte. Diese Prozessoren verfügen über einen sehr kleinen Befehlssatz und erzielen bei der Programmausführung eine sehr hohe Geschwindigkeit.
Bedeutung und Vermächtnis
Hegener + Glaser gilt als einer der pionierhaften Hersteller im Bereich der Schachcomputer und prägte die Entwicklung von Schach-Elektronik in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren maßgeblich. Die Marke Mephisto setzte technologische Maßstäbe und trug erheblich zur Verbreitung und Akzeptanz von Schachcomputern bei Hobby- und Turnierspielern bei.
Nachwirkungen und Nachfolgeunternehmen
Nach der Übernahme durch Saitek und der Umstellung der Geschäftstätigkeit endete die ursprüngliche Ära von Hegener + Glaser als Elektronikhersteller. Manfred Hegener setzte seine Aktivitäten fort und gründete Ende 1997 zusammen mit Ossi Weiner die Millennium 2000 GmbH Hegener & Weiner, einen Anbieter günstiger Schachcomputer-Modelle.
Die Firma Hegener + Glaser (Mephisto)
| Historie | |
| 1968 |
|
| 1978 |
|
| 1980 |
|
| 1983 |
|
| 1984 |
|
| 1985 |
|
| 1989 |
|
| 1990 |
|
| 1992 |
|
| 1994 |
|
| 1997 |
|
Schachcomputer des Herstellers Hegener + Glaser
Übersicht der Module für die Modulare Serie
Werbeprospekte
- Klick auf das entsprechende Prospekt bzw. Link
| Mephisto Prospekt 1982 | Mephisto Prospekt 1984 | Mephisto Prospekt 1987 |
|---|---|---|
| Mephisto Prospekt 1987/88 | Mephisto Prospekt 1989 | Mephisto Prospekt 1989/90 |
|---|---|---|
| Mephisto Messeneuheiten 1990 | Mephisto Prospekt 1991/92 | Mephisto Prospekt 1992 93 |
|---|---|---|
| Mephisto Prospekt 1993 | Mephisto Prospekt 1994 | Saitek Prospekt 1998 |
|---|---|---|
Weblinks
- Mephisto by The Spacious-Mind
- Mephisto by Chess Programming Wiki
- Mephisto (Schachcomputer) aus der Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
- Hegener & Glaser (Mephisto) by chess computers.org
- Chess Computers - The UK Story from Chess Computer UK by Mike Watters
Other languages
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